Mag. Julia Tulipan
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Alzheimer = Diabetes. Studie zeigt dass Zucker die Merkfähigkeit beeinträchtigt

Etwa 100.000 ÖsterreicherInnen  und 1,2 Millionen Deutsche leiden an Alzheimer. Die Alzheimer-Erkrankung ist für 60-80% aller Demenz-Erkrankungen verantwortlich. Die Diagnose Alzheimer ist zu einem Schreckgespenst der westlichen Welt geworden.
headdress skull

Insulin – das Masthormon

Insulin ist ein Hormon, welches von den Langerhans’schen Inselzellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) produziert wird. Insulin wird als Reaktion auf einen Anstieg des Blutzuckerspiegels, also der Menge an Glukose im Blut, produziert.  Schon kleine Mengen Glukose reichen aus um eine Insulinantwort zu provozieren. Die Aufgabe von Insulin besteht darin, die Glukose im Blut so schnell wie möglich auf ein sicheres Niveau zu senken. Das ist darum so wichtig, weil zu viel Glukose äußerst gefährlich für unseren Körper ist. Glukose bindet z.B. an Hämoglobin und an LDL-Partikel und schädigt diese wodurch sie nutzlos werden. Man nennt dies Verzuckerung. Diese verzuckerten LDL-Partikel „krachen“ dann in die Arterienwand und verursachen dort Entzündungen. Dies führt dann, nach längerer Zeit, zu Arteriosklerose und anderen koronaren Herzerkrankungen.

Der Körper kann nur eine begrenzte Menge an Glukose speichern. Alles was er nicht in Leber und Muskel unterbringen kann oder nicht direkt verbraucht wird, wird in Form von Fettsäuren in den Fettzellen gespeichert. Darum wird Insulin z.B. in der Landwirtschaft auch als „Masthormon“ bezeichnet, da es Fetteinlagerung unterstützt und Fettverbrennung hemmt.

Das Insulin resistente Gehirn

Essen wir jeden Tag viele Kohlenhydrate in Form von Getreide, Brot, Pasta, Kartoffeln und Zucker ist unser Insulinspiegel dauerhaft erhöht. Dies führt dazu, dass die Zellen immer unempfindlicher gegenüber Insulin werden und der Körper immer größere Mengen Insulin produzieren muss um den Zucker aus dem System zu bekommen. Wird eine Zelle insulinresistent, reagiert sie überhaupt nicht mehr auf das Insulinsignal und Glukose kann nicht in die Zelle gelangen. Die Folge, die Zelle verhungert obwohl eigentlich genügend Energie zur Verfügung stehen würde.

Eine gestörte Glukoseaufnahmekapazität ist eines der frühesten Zeichen der Alzheimer-Erkrankung.  Nervenzellen, die nicht mit ausreichend Energie versorgt werden sterben ab. Deshalb bezeichnen manche Ärzte Alzheimer bereits als T3D – Typ 3 Diabetes

In der Eingangs erwähnten Studie (4) haben Nicht-Diabetiker mit einem höherem Langzeitzucker (HbA1c) schlechter bei Lern und Merktests abgeschlossen.

Fettsäuren – eine alternative Energiequelle

In Zeiten von Nahrungsknappheit Hunger hat der Körper die Möglichkeit auf eine alternative Energiequelle zu wechseln – sogenannte Ketonkörper oder Ketone. Ketone sind kurzkettige Fettsäuren und sind in vielerlei Hinsicht sogar das idealere Energiesubstrat für unseren Organismus. Sie decken bis zu 80% der Energie  des Neugeborenen Kindes, das mit Muttermilch gestillt wird. Ketone werden auch produziert wenn die Menge an Kohlenhydraten in der Nahrung stark reduziert wird oder durch die Aufnahme von mittelkettigen Fettsäuren (MCT).

Ketonkörper können unabhängig von Insulin in die Zelle transportiert werden und könne so auch bei Insulinresistenz der Zellen für eine ausreichende Energieversorgung sorgen. Die Umstellung auf eine Ketogene/ Paleo Ernährung und die ergänzende Gabe von MCT-Ölen hat in klinischen Studien zu einer Verbesserung der kognitiven Leistung und sogar zu einer teilweisen Rückkehr bereits verloren gegangener Fähigkeiten geführt.


 

Referenzen:
  1. Henderson ST. Ketone bodies as a therapeutic for Alzheimer’s disease. Neurotherapeutics. 2008 Jul;5(3):470-80. doi: 10.1016/j.nurt.2008.05.004.http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18625458
  2. Reger MA, Henderson ST, Hale C, Cholerton B, Baker LD, Watson GS, Hyde K, Chapman D, Craft S. Effects of beta-hydroxybutyrate on cognition in memory-impaired adults. Neurobiol Aging. 2004 Mar;25(3):311-4.http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15123336
  3. Costantini L C  et al. Hypometabolism as a therapeutic target in Alzheimer’s disease BMC Neuroscience 2008. Volume: 9 Issue: Suppl 2 Pages: S16 DOI: 10.1186/1471-2202-9-S2-S16
  4. Kerti L, et al. Higher glucose levels associated with lower memory and reduced hippocampal microstructure. Neurology, 23 October 2013
  5. Seneff A, et al. Nutrition and Alzheimer’s disease: The detrimental role of a high carbohydrate diet Eur J Int Med 2011;[22:13]4-140

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Update 2015-07-30: Studienlinks ausgebessert

Über den Autor Mag. Julia Tulipan

Julia Tulipan ist Biologin (Mag.) und Master of Science in klinischer Ernährungsmedizin. Sie ist Speakerin, Dozentin und Best Seller Autorin und schreibt für verschiedene Online-Magazine sowie für ihr eigenes Blog paleolowcarb.de vor allem zu den Themen ketogene und artgerechte Ernährung und Bewegung. Julia hat selbst lange mit ihrer Gesundheit gekämpft. So wurde ihr Interesse an gesunder Ernährung geweckt. Seither hat sie sich mit Low Carb und der Keto-Ernährung Stück für Stück mehr Lebensqualität zurück erkämpft.