Mag. Julia Tulipan
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Die Argumente der Veganer und Vegetarier: Sachlich durchleuchtet

Vegan und Vegetarier: Leben sie gesünder als Paleo/Low Carb?

Beim Besuch im Reformhaus ist mir neulich eine Broschüre Selbst wenn Sie Fleisch mögen mit „Tierfreundlichen Rezepten“ aufgefallen, die den veganen Lebensstil besonders hervorhebt.

Vegan Broschüre (c) Albert-Schweitzer Stiftung - Selbst Wenn Cover

Veganer Broschüre „Selbst wenn Sie Fleisch mögen“ (c) Albert-Schweitzer Stiftung

Alle Interessierten können diese Broschüre in Papierform (leider nicht digital) hier bestellen.

Ich habe mich entschlossen die Behauptungen der Veganer aufzugreifen und den aktuellen Stand der Wissenschaft zu ermitteln.

Dieser Artikel ist sicher nicht als finale Autorität in Sachen veganer oder vegetarischer Ernährung anzusehen, sondern soll eher etwas zum Nachdenken anregen.

Der Artikel hier soll auch keinesfalls als Versuch verstanden werden, über das Konzept von Tierrechten zu spotten, oder auf Personen herabzuschauen, die sich eine gerechtere Welt wünschen. Ganz im Gegenteil, denn vor ca. 15 Jahren hatte ich mich aus ethischen/moralischen Tierhaltungsgründen dazu entschlossen vegetarisch (aber nicht vegan) zu leben. Ich weiß also wie schwierig es ist, sich vegetarisch oder vegan zu ernähren und habe mich intensiv mit dem Thema beschäftigt.

Die Argumente

Im Wesentlichen lassen sich folgende Argumente in der Broschüre ausmachen

  • Moralisch
    • Mythos: Je höher der Anteil an pflanzlichen Lebensmitteln in deiner Ernährung, desto besser für die Tiere
  • Politisch
    • Mythos: Klimawandel und Tierhaltung
    • Mythos: 20 Mio. Tonnen Gülle pro Jahr
  • Ernährung/Gesundheit
    • Mythos: Sojaprodukte und Seitan (Weizengluten) als Alternative sind gesund
    • Mythos: Veganer haben bessere Cholesterin-Werte
    • Mythos: Veganer haben ein geringeres Krebsrisiko, weniger Bluthochdruck und weniger Diabetes

Um diese Mythen zu entkräften möchte ich mich an dem Buch der Autorin Lierre Keith orientieren und die verschiedenen Gründe für Vegetarismus/Veganismus aufgreifen

  • Moralische Vegetarier bzw. Veganer
  • Politische Vegetarier bzw. Veganer
  • Nährstoff/Ernährungs Vegetarier bzw. Veganer

Lierre Keith ist eine einstige Vegetarierin, die sich umfassend mit dem Thema beschäftigt hat und ihr Buch The Vegetarian Myth ist auch auf Deutsch unter dem Titel Ethisch Essen mit Fleisch: Eine Streitschrift über nachhaltige und ethische Ernährung mit Fleisch und die Missverständnisse und Risiken einer streng vegetarischen und veganen Lebensweise erschienen. Das erste Kapitel kann man auf Englisch auf der Website der Autorin probelesen.

Essensrevolution_kurz

Teil unserer Low Carb Ernährung: Grünes, blättriges Gemüse: 3 Portionen pro Tag

 

Moralische Vegetarier/Veganer

Ich werde im weiteren Verlauf des Artikels nur mehr von Veganern sprechen, meine damit aber eigentlich auch Vegetarier. Auch möchte ich erwähnen, dass eine wohl formulierte Low-Carb Ernährungsweise wie ich Sie praktiziere einen hohen Anteil an grünem blättrigen Gemüse hat. Meine Eiweiss/Protein/Fleisch Portionen sind ca. Handteller-groß und sorgen immer wieder für Erstaunen (weil ich so wenig Fleisch esse!).

 

Meist geht es um das Tierleid. Wir sehen Tierfabriken (bei uns immer noch „Bauern“ genannt“) mit hunderten oder tausenden Tieren. Ja, diese Aufnahmen sind schrecklich. Tierfabriken sind grauenhaft. Aber der Trugschluss ist, dass Tierfabriken, die es erst seit ca. einem halben Jahrhundert gibt, die einzige Möglichkeit sind, Tiere aufzuziehen.

Extensive Weidehaltung als artgerechte Tierhaltungsform. Die Nutzung des ganzen Tieres (Head to Tail) und aller darin enthaltener Nährstoffe (Leber, Herz, usw) und nicht nur die mageren Gustostückerl. Lebt man nach diesen Prinzipien, so sieht die Rechnung gleich ganz anders aus.

Doch nehmen wir uns einem klassischem veganen Lebensmittel an: Dem Apfel. Manche Pflanzen umgeben ihre Samen mit einer mehligen Süße und packen sie in leuchtende Farben. Alles sagt: Iss mich. Finde mir einen fruchtbaren Untergrund, weit ab von meinem Stamm, damit ich mich fortpflanzen kann. Für die meisten Veganer sind Äpfel an ganz selbstverständlich erlaubtes Lebensmittel.

Doch wir Menschen pflanzen die Samen nicht ein. Wir schmeißen sie weg, im besten Fall landen Sie auf dem Kompost, wo Sie durch Zeit, Hitze und Bakterien langsam getötet werden. Die Samen bekommen nie die Chance zu wachsen. Der Baum bietet seine Früchte ja nicht aus der Güte seines Herzens an. Es ist ein Tauschgeschäft. Du bekommst die Süße und ich eine Verteilung meiner Samen.

Ein weiteres Problem: Der Apfel in seiner heutigen Form ist ein Kunstprodukt. Wer schon einmal einen echten Wildapfel gegessen hat, weiß das. Die Urformen der meisten domestizierten Früchte sind fast ungenießbar für uns. Heutige Äpfel, Bananen oder Weintrauben haben kaum mehr etwas gemeinsames mit ihren Ur-Verwandten. Es ist nichts mehr „natürlich“ daran.

Politische Vegetarier/Veganer

Die Kalkulationen, die Klimawandel und Tierhaltung in einem Atemzug nennen, basieren auf der Annahme, dass Tiere nur mit Getreide gefüttert werden.

Getreide ist aber für Kühe nicht geeignet. Ihre Mägen und die darin enthaltenen Bakterien sind darauf ausgelegt Zellulose zu verarbeiten. Ohne die Bakterien würden Kühe nicht an die Nährstoffe aus Gras herankommen. Fleichesser wie wir haben einen sauren Magen um Bakterien, die um unsere Essen konkurrieren zu töten. Kühe brauchen die Bakterien, deswegen ist ihr Magen neutral. Er fördert Bakterienwachstum. Was passiert nun, wenn ich so einem Wiederkäuer Getreide gebe? Der Pansen. der größte der drei Vormägen, ist eine Gärkammer.

Es bilden sich ungünstige Stoffwechselprodukte aufgrund von Fütterungsfehlern (energiereiches Getreidefutter)
Zitat: Wikipedia

Diese Gärgase wie Methan sind es, die zur schlechten Klimabilanz führen. Außerdem führt die Abgabe dieses Kohlenwasserstoffs zu einer Senkung der Effizienz der Energieverwertung.

Wenn wir also Fleisch freilaufender, grasgefütterter Tiere essen, stellt sich diese Problematik nicht. Wenn die Tiere die Energie effizient in Biomasse umsetzen und wir das gesamte Tier essen, schaut die Klimabilanz gleich anders aus. Am Rande erwähnt sei noch, dass Schweine kein Methan produzieren und bei klassisch gehaltenen Tieren hier nur ein Drittel der CO2 Belastung von Kühen auftritt.

In seinem TED-Talk vom März 2013 zeigt ein Forscher auch, wie sich durch extensive Weidehaltung Wüsten wieder begrünen lassen.


(hier klicken um das Video mit deutschen Untertiteln vorausgewählt in einem neuen Fenster zu starten. Sonst auf das Zahnrad rechts unten im Video und Sprache auf Deutsch ändern)

Mit der richtigen Tierhaltung und der Nutzung des ganzen Tieres (Head to Tail) ändert sich dieses Argument also dramatisch.

Wenn ich jetzt auch noch einrechne, dass die Getreidefelder bei uns mit dem Tiermist/Gülle aus der Tierhaltung gedüngt werden, d.h. Getreideanbau ohne der Tierhaltung in dieser intensiven Nutzung gar nicht möglich wäre (Monokultur, ausgelaugter Boden), dann ist dieses Argument von Veganern leider nicht mehr so schlüssig. Ein solches Getreidefeld muss ich nämlich düngen. Ohne Massentierhaltung: geht dass nur chemisch oder synthetisch (z.B: Kalibergbau zur Düngemittelherstellung)

Wenn wir uns real anschauen, was ein durchschnittlicher Veganer isst, so sind viele Früchte wie Bananen, Mango und Orangen dabei. Nur leider müssen die erst nach Österreich transportiert werden und auch das kostet Energie. Ein Kilogramm importierter Orangen schlägt mit 5,5kg CO2 ein Rindersteak (Tierfabrik produziert: 2kg CO2e) um Längen.

Wer noch weiter in die Klimaproblematik einsteigen will, kann in meinem Artikel von August 2014 über die Kühlkette nachlesen.

Sascha Fast von von ME Improved hat auch einen Artikel  über die Klimawandel Debatte geschrieben.

Nährstoff/Ernährungs Vegetarier/Veganer

Bei der Ernährung geht es um die Frage: Was ist besser? Das unsere Ernährungsweise hier auf Paleo Low Carb, wir bezeichnen sie am liebsten als „wohl formulierte Low Carb“ Ernährungsweise sich nicht mit den Ernährungsempfehlungen der Behörden deckt, ist vielen Lesern vielleicht schon bewusst.

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Zum Thema Nährstoffe und Richtige Ernährung haben wir im Blog schon viel geschrieben, deshalb folgt an dieser Stelle eine thematisch geordnete Liste, die sich mit den Argumenten der Veganer beschäftigt

Welche Nahrung ist gesund?

Kalorien

Getreide und Gluten

Soja

Soja ist nicht gesund und sollte, wenn überhaupt, nur fermentiert und in kleinen Mengen konsumiert werden. Kulturen die mehr Soja essen, konsumieren z.B: auch mehr Jod (meist in Form von Algen) um die negativen Effekte auszugleichen.

Fett und Cholesterin

Herz Kreislauf Erkrankungen (CHD/CVD)

Pflanzenfett

Krebs

Kohlenhydrate und Zucker

Alter und Alterserkrankungen (Demenz, Alzheimer, Diabetes)

Fleisch, tierische Produkte und Gesundheit

Fazit

Wer nach dieser Informationsflut noch weitere Argumente braucht, bzw. von seinem Arzt oder einem veganen/vegetarischen Freund zur richtigen Ernährung gefragt wird, dem sei noch unser Argumentationsleitfaden wärmstens empfohlen.

Habt Ihr noch Fragen? Anmerkungen?

Dann hinterlasst uns doch bitte ein Kommentar oder meldet euch via Email bei uns


Update 2015-01-28: Links und Tippfehler ausgebessert

Update 2015-03-13: Link zu Cover ausgetauscht, Artikel „Warum ist Soja ungesund?“ verlinkt

 

Über den Autor Leo Tulipan

Leo ist erst durch das Buch Good Calories, Bad Calories so richtig bewußt geworden, wie falsch die aktuellen Ernährungsempfehlungen sind. Dass er eine "gut formulierte" Low Carb Ernährung nun schon seit 2 Jahren erfolgreich umsetzen kann, verdankt er seiner Frau Julia sowie Dr. Phinney und Dr. Volek

Toru says 9. September 2015

Interessanter Beitrag. Eine kleine Anregung kam mir beim Lesen. Es wird immer über die Aufzucht und die Haltung der Nutztiere geredet. Meiner Meinung nach ist es natürlich eine positive Entwicklung, wenn der Trend zu „artgerechteren“, leidfreieren Formen geht. Allerdings ändert das nichts an dem finalen Umstand, dass die Tiere (im Falle des Fleischkonsums) einem unnatürlichen Tod durch Menschenhand entgegensehen. Das kann man einfach nicht schönreden.
Auch wird oft darüber diskutiert, was denn nun der natürlichen Ernährung unserer Urahnen entspricht, die zweifelsohne seit Jahrtausenden Fleisch essen. Sollten wir aber denn nicht im Rahmen der Selbstreflexion und (potenziellen) Erkenntnis sowohl Altes als auch Neues kritisch hinterfragen? Nicht alles, was unsere Uhrahnen pflegten zu tun, ist notwendigerweise sinnvoll und individuell richtig. Ebenso ist nicht alles, was neu ist, implizit besser als althergebrachtes.

Laura says 2. Februar 2015

Guten Abend,

das Argument mit dem Apfel habe ich entweder nicht richtig verstanden oder halte ich für sehr schwach.

Also
1) Apfel ist nicht natürlich, weil wir ihn nicht in seiner Wildform genießen
-> Selbiges gilt doch für die Nutztiere? Die sind ebenso domestiziert und weichen weit von ihren Urformen ab.
2) Der Apfel möchte ein Tauschgeschäft machen – wir essen ihn aber nur, seinen Samen konnte er nicht ausbreiten
-> selbiges gilt doch z.B. für das Huhn? Das Huhn hat sein Ei auch nicht aus reiner Nächstenliebe hergegeben. Auch das Ei bekommt nie die Chance zu wachsen.
3) Fleischkonsum ist okay, solange es nicht aus Massentierhaltung stammt
-> Das ist natürlich ein wichtiger Punkt. Leider ist der durchschnittliche Fleischkonsum zu hoch um alle aus qualfreier Haltung zu versorgen. Das ist vielleicht nicht dein Problem, Der Punkt, dass man sich ja beim Einkauf überlegen kann, welche Herkunft und Haltung ich wähle, gilt genauso für den Apfel.

Und noch eine andere Anmerkung zum CO2 Vergleich Rindersteak/Orangen.
Hier ist aber auch die Menge zu beachten: Hier wird 1 kg Orangen mit 4oz Rindersteak verglichen, das sind 113 g. Das ist denke ich zudem auch ein Stück kleiner als das übliche Rindersteak was man in Restaurants etc. so vorgesetzt bekommt.

Freundliche Grüße,
Laura

    Leo Tulipan says 2. Februar 2015

    Hallo Laura, danke für dein tolles Kommentar, ich werde deine Anmerkungen in den Artikel einarbeiten und mich in den nächsten Tagen noch intensiver damit beschäftigen.
    Das Apfelargument ist viel ausführlicher im besprochenen Buch Ethisch Essen http://amzn.to/168TbTY
    Meine Zusammenfassung wird dem natürlich nicht gerecht…

    Johanna says 17. Februar 2015

    Zum Thema Ei und wachsen:
    Nicht alle gelegten Eier sind befruchtet wodurch ein gewisser Ausschuss entsteht. Natürlich weiß man das vorher nicht, aber es sollte ebenfalls bedacht werden.
    Übrigens legt ein Huhn nicht zwangsweise „jeden Tag ein Ei“ – das trifft nur auf auf die Legerassen zu, welche auch entsprechend gefüttert werden. Und das ist ein Punkt der mich generell stört:

    Grüne Wiesen, Sandbäder, wasauchimmer klingt zwar toll, aber meiner Meinung nach bringt das nichts, wenn die gehaltenen Tiere weiterhin auf „Abnutzung“ getrimmt sind. Ein Masthuhn mit Freilauf ist nicht wirklich besser dran als eins in der Fabrik. DieseTiere sind so gezüchtet, dass sie nach kurzer Zeit fast nicht mehr laufen können, da sie auf diese enorme Zunahme hin gezüchtet wurden (so viel Fleisch wie möglich eben).
    Wenn man sich also entschließt ein „Weide(n)tier“ zu kaufen, sollte man auch darauf achten welche Rasse es ist. Und ganz ehrlich: Das Fleisch und der Geschmack von „nomalen“ Hühnern hat fast schon nichts mehr mit dem glitschigen Zeug aus dem Discounter zu tun. Lässt sich im ähnlichen Maße übrigens auch für Schweine und Rinder umsetzen.

    Ironischer Fakt:
    Für 10 „Bio-Eier“ zahle ich hier im Supermarkt 2,59 €bis 3,00€
    Für 10 Eier von einer Freundin, die Hühner hält (ca 150 Tiere auf rund 5000m²), zahle ich 2,50€
    Es lohnt sich also, sich mal in den Dörfern umzuschauen – zumindest bei uns hier.
    In dem Sinne liebe Grüße aus Deutschland/Rheinlad-Pfalz!
    Der Bericht ist wirklich gut und enthält, zusammen mit den Links viele Informationen 🙂

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