Das Buch ist seit März 2016 unter dem neuen Namen „Echt Fett“ erhältlich.

Gesund und schlank durch richtiges Essen

„Zwei Generationen…erhielten die falschen Ernährungsempfehlungen und machten Jagd auf das Fett – völlig umsonst. Es wird Zeit, die Ernährungsratschläge zu überprüfen und mit Hilfe der modernen Wissenschaften neu zu begründen.“

 

Mit diesem wie ich finde beeindruckenden Zitat von Göran Berglund, Professor für Innere Medizin an der Universität Lund, wird der Leser beim Aufschlagen des Buches begrüßt. Es kann zu Recht als echter Klassiker der LCHF-Literatur bezeichnet werden und erschien bereits 2013 in deutscher Erstauflage im Ennsthaler Verlag, Steyr. Es ist das Standardwerk schlecht hin zum leicht verständlichen Einstieg in die an sich doch recht komplexe LCHF-Welt und gehört nach meiner Empfehlung zur ersten Pflichtlektüre für alle, die sich aus verschiedenen gesundheitlichen Gründen heraus für eine kohlenhydratarme, fettreiche Ernährung interessieren. Aber auch als Nachschlagewerk, oder wenn man einmal etwas den Boden unter den Füßen verloren hat und sich durch das Wiederauffrischen der Basics neu erden will, eignet es sich bestens. Es ist schlicht ein „Evergreen“, den ich persönlich in 3 Jahren nun schon zum vierten Mal durchgearbeitet habe und der mir trotzdem jedes Mal immer wieder neue Erkenntnisse offenbart hat, ohne dabei jemals langweilig zu werden.

 

Dr. med. Andreas Eenfeldt

Der Autor, der schwedische Arzt und Allgemeinmediziner Dr. med. Andreas Eenfeldt, betreibt äußerst erfolgreich Schwedens größten Gesundheitsblog Kostdoktorn.se (englische Version dietdoctor.com) und promovierte zum Doktor der Medizin im Jahr 2000 mit derselben Fettangst wie seine Kollegen. Fett macht fett, lautete damals die unumstößliche Lehrmeinung, an der bei der Behandlung seiner Patienten scheinbar kein Weg vorbei führte und die er anfangs ohne jeden Zweifel auf diese übertrug. Er merkte jedoch schnell, dass durch seine Ratschläge nur selten jemand gesünder oder schlanker wurde. Im Gegenteil, die meisten wurden sukzessiv dicker und kränker und benötigten immer mehr Medikamente gegen die heutzutage inzwischen allgegenwärtigen Volkskrankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes und erhöhte Blutfettwerte.

 

Schon die Einleitung, in welcher der damals beklagenswerte und scheinbar ausweglose Gesundheitszustand des LCHF-Urgesteins Sten Sture Skaldemann („Skaldemann-Ratio“) beschrieben wird, macht den Leser neugierig. Die Spannung steigt insbesondere durch die Sätze:

„Er beschloss, die restliche Zeit seines Lebens all das zu essen, worauf er seit Langem verzichtet hatte. Er würde alles, was ihm schmeckte, hemmungslos genießen. Was er damit erreichte, hatte er am allerwenigsten erwartet. Ein Jahr später war er schlank und gesund.“

Denn wer will das nicht: Alles essen was einem schmeckt, hemmungslos genießen und dabei nach einem Jahr schlank und gesund sein? Das klingt ja eigentlich zu schön, um wahr zu sein – doch dieser Mann hatte es ja bewiesen, dass es funktioniert! Spätestens hier wurde ich gierig nach mehr und war sofort an das Buch gefesselt.

Schon das Inhaltsverzeichnis ist äußerst übersichtlich und aussagekräftig. Alle die es eilig haben – so wie ich im Mai 2014 – können anhand der kurzen knackigen Kapitelüberschriften schnell und gezielt die essenziellen Themen sofort herausfiltern. Auf diese Weise war es mir z. B. möglich, meinen Schnellstart in Sachen LCHF hinzulegen. Ich wollte wirklich nicht einmal mehr die Zeit warten, die ich für das Lesen des gesamten Buches benötigt hätte. So habe ich mir auf einen Blick die Kapitel, die mir am wichtigsten zu wissen erschienen, herausgepickt und im Laufe eines Abends erst einmal nur diese gelesen, was für das erste Grundverständnis zum Loslegen reichte. Nach den ersten eigenen Erfahrungen und vor allem spürbaren Ergebnissen habe ich den Rest nachgeholt und konnte so bei einigen Themen schon zustimmend mit dem Kopf nicken, was für mich zugleich eine tolle Bestätigung war, dass alles stimmt, was Dr. Eenfeldt schreibt. Das gibt einem gerade am Anfang den richtigen Rückenwind und fördert die Hartnäckigkeit, an der Sache dran zu bleiben.

 

Die Veränderungen unserer Ernährung aus dem Blickwinkel der Evolution

Als Einführung entführt Eenfeldt seine Leser auf eine spannende Zeitreise: Rückwärts – Vorwärts – Wegweiser. Im 1. Kapitel schildert er eindrucksvoll quasi im Zeitraffer die zeitlichen Abläufe der Veränderung unserer Nahrung während Millionen von Jahren der Evolution und zwängt diese der Übersichtlichkeit halber in ein einziges Menschheitsjahr. Damit will er vor allem veranschaulichen, dass tausende Jahre Ackerbau zwar scheinbar eine lange Zeit sind, aber verglichen mit den Zeiträumen, die nötig sind, um unsere Gene grundlegend zu verändern, kaum der Rede wert. So lebten wir in diesem sinnbildlichen Menschheitsjahr 364 Tage als Jäger und Sammler und aßen, was wir in der Natur fertig vorfanden – Tiere, Fische, Eier, Nüsse, Wurzeln, Früchte (die damals auch noch nicht mit dem heutigen Zuchtobst zu vergleichen waren) und andere essbare Teile von Pflanzen. Dafür waren wir geschaffen und genetisch angepasst. Doch am letzten Tag des Jahres veränderte sich alles sehr schnell in drei Schritten. Am frühen Morgen dieses letzten Tages verbreitete sich der Ackerbau weltweit und es ist fraglich, ob wir uns in so kurzer Zeit daran gewöhnen konnten. Für die anderen zwei großen Veränderungen hatten wir keine Chance zur Anpassung, nämlich als durch die Industrialisierung die neue Nahrung in Fabriken hergestellt wurde, in denen billig weißes Mehl gemahlen werden konnte und alles außer der reinen Stärke entfernt wurde. Das war in der Silvesternacht jenes letzten Tages, „gerade noch rechtzeitig, um die Champagnerflasche vor dem Anstoßen auf das neue Jahr zu entkorken“ – was für ein bildhafter Vergleich! Die dritte letzte Veränderung, nämlich die Angst vor Cholesterin und Fett und dem damit einhergehenden Fettentzug aus unserer Nahrung und Ersatz durch billigen Zucker, verstärkte zusätzlich die Folgen der vorangegangenen Veränderungen. Sie kam quasi gerade rechtzeitig zum Mitzählen des Countdowns vor dem Zwölf-Uhr-Schlag, wenn man mit dem Champagnerglas schon zum Anstoßen bereit steht. Wenn man diese Zusammenhänge so klar und deutlich vor Augen geführt bekommt, leuchtet einem eigentlich sofort ein, womit die Gesundheitsprobleme der modernen westlichen Welt zusammenhängen  – Zucker und weißes Mehl, eine Nahrung für die wir nicht geschaffen sind!

 

Der Wahrheit eigentlich schon so nahe und trotzdem wider besseren Wissens – die Katastrophe nimmt ihren Lauf

Eenfeld erklärt sehr gut anhand mehrerer Beispiele, worauf diese Erkenntnis beruht und zwar auf Beobachtungen von Entdeckungsreisenden und missionierenden Ärzten zu indigenen Völkern im Verlauf des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Waren dort Krankheiten wie Karies, Diabetes, Krebs und Adipositas weitestgehend unbekannt, so häuften sich diese plötzlich einige Jahrzehnte nachdem die neue westliche Nahrung bei ihnen Einzug gehalten hatte und das überall auf der Welt. Es ist eigentlich unbegreiflich, dass sich trotz all dieser dokumentierten Erfahrungsberichte die volle Verzuckerung unseres Planeten auf dramatische Art und Weise, nämlich der epidemieartigen Erkrankung der Weltbevölkerung, durchsetzen konnte. Obwohl wir der Wahrheit schon einmal so nahe waren, stehen wir heute vor einer kaum noch beherrschbaren Welle aus Krankheiten der westlichen Zivilisation und unsere Gesundheitssysteme stehen mittlerweile kurz vorm Kollaps. Dabei verdeutlicht Eenfeldt immer wieder in seinem Buch, dass man sich mit richtiger Nahrung gesund essen kann. In seiner Heimat, dem LCHF-Mutterland Schweden, werden seit dem Jahr 2000 die fettarmen Ernährungsrichtlinien zunehmends angezweifelt. Der Butterverkauf ist im Ansteigen und die Zunahme der Fettsucht stagniert – so kann es gehen!

 

Doch wem haben wir diesen katastrophalen medizinischen Irrtum zu verdanken? Auf wessen Mist sind Fettangst und die Heiligsprechung von Zucker und Kohlenhydraten eigentlich gewachsen? Wer es vorher noch nicht wusste, erfährt es in diesem Buch. Äußerst detailreich schildert Eenfeldt, wie ein sehr strebsamer Mann namens Ancel Keys, der sich selbst und seine Theorien perfekt zu vermarkten wusste, als charismatische Leitfigur auf tragische Art und Weise die ganze Welt zum Opfer seiner Irrlehren machte und Cholesterin, ergo Fett, aus reiner Selbstsicherheit und ohne hinreichende Beweise zum Killer Nr. 1 erklärte. Zahlreiche Politiker, Forscher und Lobbyisten witterten darin ihre große Chance und folgten ihm blind. Besonders begeistert war die Lebensmittelindustrie, die damit ab den achtziger Jahren den Freibrief hatte, unser Essen aus billigen Zutaten (Zucker und Stärke) herzustellen, um es dann unter dem Slogan „light“ teuer zu verkaufen. Das Resultat dieser Fetthysterie ist heute bekannt: Eine nie da gewesene Epidemie aus Fettsucht und dem metabolischen Syndrom, gefolgt von unseren neuen Volkskrankheiten wie z. B. Krebs und Demenz. Die Botschaft vom bösen Fett kannte keine Grenzen und erreichte trotz Mauer und Stacheldraht auch die DDR, denn ich kann mich noch gut an diese Zeit erinnern. Plötzlich gab es zu Hause kaum noch Butter und dafür vermehrt Magarine, die hauchdünn auf Knäckebrot gekratzt wurde und oben drauf gab es eine noch dünnere Scheibe Putenbrust in Aspik – bloß kein Fett! Im Buch erfährt man auch, dass es seinerzeit schon Widerstand und Warnung vor dem eigentlichen Übeltäter, Zucker, gab. Der größte Widersacher Ancel Keys’ war Professor Yudkin, der kein so guter Redner war und von Keys systematisch in seiner Glaubwürdigkeit zerstört und verspottet wurde. Mit seinem frühen Abgang in Pension verpuffte leider auch die Warnung vor Zucker und die Ergebnisse der Aufzeichnungen über jene Völker, die nach der Veränderung ihrer Nahrung immer kränker wurden, gerieten ebenso in Vergessenheit.

 

Das Weltbild zerfällt – höchste Zeit für ein Umdenken und Paradigmenwechsel

Zum Glück widmet Dr. Eenfeldt einen großen Teil seines Buches nicht nur den traurigen Irrtümern der Vergangenheit sondern natürlich auch realistischen Perspektiven, um den gefährlichen Trend in der Gesundheit der Weltbevölkerung zu stoppen und gibt vor allem auch medizinisch nicht ausgebildeten Anfängern viele ganz einfache Anleitungen und Ratschläge, wie das Ganze funktionieren kann. Bei mir hat das sofort gegriffen, eben weil er alles so einleuchtend und zugleich unterhaltsam anhand von einfachen Beispielen erklärt. Am meisten beeindruckt und zugleich auch schockiert hat mich das Kapitel „Die Kost umstellen und nicht den Körper.“ Hier werden einem wirklich die absurden Auswirkungen des verzweifelten Kampfes gegen Übergewicht und Diabetes deutlich vor Augen geführt, indem sich Menschen gefährlichen operativen Eingriffen an gesunden Organen unterziehen, um am Ende doch wieder nur kläglich zu scheitern, obwohl es mit den längst bekannten und dokumentierten Forschungsergebnissen vergangener Zeiten, also richtiger Nahrung, ganz einfach zu bewerkstelligen wäre. Es ist ein Drama!

 

Sehr anschaulich und durch Studien, Forschungsergebnisse und Beobachtungen untermauert erklärt Eenfeldt in einem weiteren Teil des Buches die unverkennbaren Ursachen der Krankheit des Westens, dem metabolischen Syndrom und den häufigsten Folgen, die diese im Schlepptau hat, wie z. B. Epilepsie, Hormonstörungen wie PCOS, Prostataerkrankungen, Krebs, Schlafapnoe, Sodbrennen, Gallensteine, Gicht, Akne, Arthrose, Karies… – die Liste ist lang. Immer wieder führt er dabei dem Leser vor Augen, wie man mit der richtigen Ernährung all das innerhalb kürzester Zeit ausmerzen bzw. im Verlauf deutlich verbessern oder lindern kann. Er gibt dabei nicht nur allgemeine Ratschläge sondern ganz konkrete praktische Tipps, wie Entrümpeln der Speisekammer, Rezepte, Verhalten bei Einladungen/Auswärts essen, Alternativen für Brot, Kartoffeln, Desserts und Snacks. Einen runden Abschluss bildet schließlich das Kapitel „Fragen, Antworten und Mythen“, welches wie ich finde auch die letzten Unsicherheiten und Zweifel für solch eine tief greifende Ernährungsumstellung beseitigt und selbst den letzten wankelmütigen Leser davon überzeugt, nun endlich zur Tat zu schreiten und es einfach auszuprobieren.

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Fazit

Alles in allem ist das Buch ein harmonischer Mix aus wissenschaftlichen Belegen und Studien und unterhaltsamen Berichten und Erzählungen. Dabei werden sehr gut sowohl die ganz frühen Anfänge als auch die aktuellen Aspekte der Ernährungsforschung mit den jeweiligen Hauptakteuren beschrieben. Es ist leicht verständlich und durch den flüssigen Schreibstil kommt beim Lesen zu keiner Zeit Langeweile auf. Meine Empfehlung lautet deshalb ganz klar: Dieses Buch sollte für jeden Interessierten die erste Pflichtlektüre für einen einfachen und schnellen Einstieg ins LCHF-Leben sein, noch vor allem anderen. Es liefert das notwendige Grundverständnis und ist die perfekte Wissensgrundlage und Handlungsanleitung für jedermanns ganz persönliche köstliche Revolution!

 

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Kathrin Koloc

Kathrin Koloc

Kathrin Koloc, Dresdnerin, von Beruf Managementassistentin und Fremdsprachentalent, ist 2014 über einen äußerst glücklichen Zufall zu LCHF und der ketogenen Ernährung gekommen und hat spontan ihren Lebensstil darauf umgestellt und angefangen, von da ab auch ihre Gesundheit selbst zu managen. Damit konnte sie sich innerhalb eines reichlichen Jahres von ihrer schweren Fettleibigkeit befreien und ein neues schlankes Leben beginnen. Sie hat seit dem ihren heutigen Lebensstil zur Passion gemacht und sich tiefgründig in die Materie mit all ihren Facetten eingelesen und weitergebildet. Wissbegierig, stets auf neue Erkenntnisse bedacht und anhand ihrer eigenen Erfahrungen und Selbstversuche geht sie beharrlich ihren Weg und versucht zielstrebig auch noch die letzten Hürden und Altlasten zu bewältigen, hin zu bestmöglicher Gesundheit und Vitalität. Ihr Wissen und das Erlebte möchte sie gern weitergeben, um damit anderen Betroffenen zu helfen und sie zum Erfolg zu führen.