Eine Sache, bei der sich eigentlich alle Ernährungsformen einig sind ist, Lebensmittel, die den Blutzucker stark ansteigen lassen sollten nur sparsam konsumiert werden. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt daher sogenannte „komplexe“ Kohlenhydrate. Zu solchen komplexen Kohlenhydraten zählt zum Beispiel Stärke wie man sie in Kartoffeln oder Nudeln findet. Es handelt sich dabei um lange Ketten aus Zuckermolekülen. Auf der anderen Seite stehen die einfachen Kohlenhydrate, wie etwa Haushaltszucker. Der Kristallzucker, egal ob braun ob weiß, besteht nur aus zwei Zuckermolekülen. Je kürzer und somit einfacher ein Kohlenhydrat gebaut ist, um so schneller kann es zerlegt und über die Darmzellen ins Blut aufgenommen werden.

Kohlenhydrate müssen erst in Einfachzucker zerlegt werden bevor sie ins Blut aufgenommen werden können.

Bisher war man der Meinung, dass alle Menschen mehr oder weniger gleich auf einfache und komplexe Kohlenhydrate reagieren. Eine Forschungsgruppe vom Weizmann Institute of Science aus Israel haben sich genau das angesehen. David Zeevi und seine Kollegen ließen 800 Personen eine Woche lange alle Mahlzeiten tracken, gewisse standardisierte Testmahlzeiten essen und über einen speziellen Sensor kontinuierlich Blutzucker messen. Zusätzlich wurden Stuhlproben genommen um das Mikrobiom zu analysieren.

Was die Wissenschaftler herausgefunden haben ist tatsächlich erstaunlich. Manche Menschen reagieren so wie man es erwarten würde, nämlich mit einem hohen Blutzuckeranstieg in Reaktion auf das Eis und mit einem geringeren Blutzuckeranstieg nach dem Sushi. Doch nun kommt es, es gibt Menschen, die genau anders reagieren. Bei diesen Personen schießt der Blutzucker nach Sushi in die Höhe, während das Eis kaum Auswirkung hat.

Aus den Blutzuckerdaten, den Mikrobiomanalysen und Blutanalysen gelang es dem Team von Dr. Zeevi mit Hilfe eins speziellen entwickelten Computerprogramms, die Zusammenhänge herauszurechnen und ein Modell für personalisierte Ernährungsempfehlungen zu entwickeln.

Sie testeten ihr Berechnungsmodell mit weiteren 100 Testpersonen. Basierend auf deren Mikrobiomanalyse und anderen Parametern, die z.B. mit einem Fragebogen erfasst wurden, konnten mit Hilfe des Programms die richtige Ernährung für die jeweilige Person bestimmt werden. Richtige Ernährung heißt in diesem Fall, eine Ernährung die den Blutzucker so gering wie möglich ansteigen lässt. Das Besondere sollte vielleicht noch einmal erwähnt werden war, dass es sich immer um normal high-carb Mahlzeiten handelte. Nur die Art der Kohlenhydrate war zwischen den Personen unterschiedlich.

Dies soll uns wieder daran erinnern, dass es tatsächlich sehr große individuelle Unterschiede gibt und vielleicht erklärt, warum manche Menschen mit scheinbarem „Junk“ doch recht gut klarkommen, zumindest was den Blutzucker angeht. Die Kohlenhydrate generell zu reduzieren ist immer noch die sicherste Art auch den Blutzucker zu senken. Trotzdem zeigt es, wie wichtig das Testen und Ausprobieren ist, um auch die persönliche Toleranzgrenze für Kohlenhydrate herauszufinden.

Die Forscher haben eine sehr schöne Video-Zusammenfassung ihrer Studie erstellt. Die ganze Studie kann man kostenlos im Internet lesen.

Ein Interview mit David Zeevi 


Zeevi, David, et al. „Personalized nutrition by prediction of glycemic responses.“ Cell 163.5 (2015): 1079-1094.

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Mag. Julia Tulipan
Julia Tulipan ist Biologin (Mag.) und Personal Fitness and Health Trainer (Dipl.) und schreibt für verschiedene Online-Magazine und für ihr eigenes Blog paleolowcarb.de vor allem zu den Themen gesunde und artgerechte Ernährung und Bewegung. Julia hat selbst lange mit ihrer Gesundheit gekämpft. So wurde ihr Interesse an gesunder Ernährung geweckt. Seither hat sie sich mit Low Carb und der Paleo-Ernährung Stück für Stück mehr Lebensqualität zurück erkämpft.

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