Julia Tulipan | Paleo Low Carb https://paleolowcarb.de Personal (Online) Coach - Ernährung und Training Mon, 12 Jun 2017 17:57:38 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.8 Macht Erythrit dick? https://paleolowcarb.de/macht-erythrit-dick/ https://paleolowcarb.de/macht-erythrit-dick/#respond Mon, 12 Jun 2017 08:00:00 +0000 https://paleolowcarb.de/?p=29733 Der Wunsch nach der Süße ohne Reue ist groß. Im Laufe der letzten Jahrzehnte haben wir einige Substanzen entdeckt, oder im Labor erzeugt, die Süß schmecken, ohne jedoch Kalorien zu liefern. Manche dieser Substanzen haben sich als Gesundheitsschädlich erwiesen, manche scheinen unbedenklich zu sein.

Als “neue” Süßstoffe am Markt haben sich in den letzten Jahren, die sogenannten Zuckeralkohole etabliert. Die Ergebnisse einer aktuelleren Studie regen zur Sorge an – könnte Erythrit etwas mit Übergewicht zu tun haben?

Bevor wir auf den eigentlichen Artikel eingehen, möchte ich ein paar Worte zu Zucker und Süßstoffen generell loswerden. Generell ist erstrebenswert sich Süßigkeiten und Naschen abzugewöhnen. Egal ob Zucker oder Süßungsmittel, der Griff zum Goodie sollte die Ausnahme bilden.

Nun zur aktuellen Studie:

Hootman, Katie C., et al. „Erythritol is a pentose-phosphate pathway metabolite and associated with adiposity gain in young adults.“ Proceedings of the National Academy of Sciences (2017): 201620079.

Die Arbeit von Katie Hootman und Kollegen hat zu einem großen Aufschrei in der LCHF Gemeinde geführt. Erythrit soll zu Übergewicht führen, oder Übergewicht begünstigen? Kann denn das sein? Die Erythrit-Gegner haben auch nicht lange auf sich warten lassen und in der Studie eine Bestätigung der Grundsätzlichen Skepsis dem Zuckeralkohol mit dem suspekt wirkenden Namen gesehen. Erythrit, kann ja nicht gut sein, ist ja nicht „natürlich“ – oder doch? Aber dazu später.

Erst einmal zur eigentlichen Studie. Was wurde gemacht und was waren die Ergebnisse?

 

Methode

Untersucht wurden Collage Studenten (n=172) im Alter zwischen 18-19 Jahren. Die Auswahl der Teilnehmer war Randomisiert und auf gleichmäßige Verteilung der Geschlechter wurde geachtet. Erfasst wurden anthropometrische Daten, Blutplasma (nicht nüchtern) sowie die Körperzusammensetzung via DXA (dual -energy x-ray absorptiometry). Untersucht wurden verschiedene Metabolite (Stoffwechselprodukte) hinsichtlich ihrer möglichen Rolle als Prädiktor für die Entwicklung von Übergewicht.

Die Studenten wurden dann hinsichtlich ihrer Fettmasse und dem Hba1c eingeteilt. Daraus ergaben sich 4 Phänotyp Gruppen:

  • Fettmasse Zunahme in der Bauchregion (incident central adiposity gain)
  • Stabiles Fettmasse (stable adiposity)
  • Hba1c in den Top 25%
  • Hba1c in den untersten 10%

Ergebnisse der Studie

Nach einem Jahr haben 75% der Studenten an Körpergewicht zugelegt. (>0.5kg). Bei 66 Teilnehmern konnten die Forscher eine Fettzunahme in der Bauchregion feststellen.

Metabolite als Prädiktor für Fettzunahme in der Bauchregion

Die Forscher haben sich verschiedene Metabolite angesehen. Neben Erythritol, auch Fructose, Lactat, Valin und Leucin. Es gab Unterscheide in allen genannten Metaboliten zwischen den Gruppen, allerdings erreicht nur Erythritol das Signifikanzlevel. Interessant ist, dass die höchsten Eryhtritol Konzentrationen in der Gruppe zu finden waren, mit der geringsten Zunahme an Bauchfett. Während die niedrigsten Erythritol Werte in der Gruppe mit den Größten Veränderungen der Bauchfettmasse zu beobachten waren.

Eigensynthese von Erythritol

Nimmt man Erythrit über die Nahrung auf, dann werden 90 – 95% über den Harn ausgeschieden. 5 – 10% werden zu Eryhtronat oxidiert. Der menschliche Körper ist allerdings auch in der Lage Erythritol selber aus Glucose zu synthetisieren.

Diskussion

Die Autoren der Studie fanden signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen was Fructose und Erythritol Konzentrationen betrifft. Sie sehen eine positive Assoziation zwischen Erythritol im Plasma und dem Auftreten von Fettmassezuwachs in der Bauchregion. Weitere Untersuchungen werden benötigt um diese Ergebnisse verstehen zu können.

 

Assoziation ist kein ursächlicher Zusammenhang

Soweit die Kurzfassung der Studie. Bevor wir die Ergebnisse weiter besprechen und in wie weit sie für uns relevant sind, ein paar Worte zu statistischen Zusammenhängen. Die Forscher sehen eine positive Assoziation. Das bedeutet, dass Wert A und Wert B gemeinsam auftreten, einen ursächlichen Zusammenhang kann man aus dieser Studie noch nicht ableiten. Wir können also nicht sagen: A verursacht B.

Endogene Produktion vs. Exogene Exposition

Was die Autoren der Studie auch bemerken ist, dass wir noch nicht wissen, was das mit der exogenen Aufnahme von Erythrit zu tun hat, und ob überhaupt. Das Erythrit, das die Autoren in den Blutproben gefunden haben, stammt ja aus endogener Synthese, und zwar aus Glucose.

Jetzt kommen wir zu einem interessanten Punkt. Die Autoren schreiben, dass in bisherigen Studien nicht gezeigt werden konnte, dass Menschen Erythritol endogen synthetisieren können. Sie zitieren dazu eine Studie aus dem Jahr 1993 von Hiel et. al.[1] Dies scheint jedoch nicht mehr ganz aktuell zu sein. Bei weiterer Recherche stellt sich heraus, dass Erythrit von Föten diverser Wiederkäuer selbst produziert wird[2], und nicht nur von Wiederkäuern, sondern auch vom Menschen.

 

Erythrit und andere Polyole im menschlichen Fötus und der Plazenta

2005 im Journal „Pediatric Research“, welches zu Nature Publishing gehört, veröffentlichte Brusati et al. eine Arbeit mit dem Titel: „Fetal and Maternal Non-glucose Carbohydrates and Polyols Concentrations in Normal Human Pregnancies at Term“[3]. Andere Zucker und Zuckeralkohole wie Inositol, Sorbitol und Erythrit, sind wichtige Energielieferanten für das Ungeborene. Diese Zuckeralkohole finden sich in signifikanten Mengen in der Nabelschnur und, in geringeren Mengen, auch im Blut der Mutter. Besonders interessant ist, dass es zwischen Mutter und Fötus einen relativ großen Konzentrationsgradienten gibt. Dies unterstützt die Annahme, dass der Fötus selbst Polyole (Inositol, Sorbito und Erythritol) synthetisiert.

[…] Finally, that polyol concentrations are elevated sufficiently in fetal blood to lead to the establishment of relatively large fetal–maternal concentration gradients for polyols such as inositol, sorbitol, and erythritol suggests that the trophoblast may be relatively impermeable to these compounds. The presence of large fetal–maternal concentration ratios for the polyols also suggests that the reduction of sugars to their corresponding alcohols is favored. The role of the polyols in developing tissues is currently unknown. […]

 

Erythrit in Samen und Reproduktionsorganen

Die biologische Bedeutung von Polyolen hat zugenommen, da man größere Mengen in Samen und Reproduktionsorganen findet [4] [5].  Erythritol Produktion beim Rind, steigt mit Fortschreiten der Trächtigkeit an und erreicht einen Peak in der Mitte der Trächtigkeit[6]. Die Bedeutung und der Fokus der Forscher auf Erythritol, gerade in der Veterinärmedizin, hat einen etwas mit einem Bakterium namens Brucella zu tun. Brucellen sind kurze, stabförmige Bakterien. Sie kommen in Geschlechtsorganen und Harntrackt von Rindern, Schafen und Schweinen vor. Sie führen, unter anderem, zu Placentitis, Frühgeburten[7] und Vergrößerung der Geschlechtsorgane. Brucellen haben eine besondere Vorliebe für Erythritol entwickelt. Mit steigender Erythritolkonzentration, steigt auch die Anfälligkeit für eine Brucelleninfektion.

Das heißt jetzt nicht, dass Erythritaufnahme über die Nahrung zu einer Brucelleninfektion führt. Die metabolische Besonderheit der Geschlechtsorgane, liefern Nährstoffe, die dem Stoffwechsel von Brucella sehr entgegenkommen. So etwas nennt man auch Parasite-Host Co-Evolution.

Erythritol im Serum als Indikator für Übergewicht

Welche Rolle könnte Erythritol im Serum nun als Marker für Übergewicht spielen? Das ist ja die zentrale Frage.

Wir wissen nun, dass die endogene Synthese von Erythritol nicht wirklich etwas Ungewöhnliches ist und sehr wohl im Menschen bereits beschrieben wurde. Erythritol ist besonders hoch konzentriert in Samen, Geschlechtsorganen, Plazenta, Nabelschnurblut und im Fötus selbst. Erythritol, und andere Polyole dürften eine Rolle in sich entwickelnden Geweben spielen. Mannose ist zum Beispiel notwendig für die Synthese von Glycoproteinen und Glycophospholipiden[8].

Die signifikant höheren Plasmalevel von Erythritol in der Gruppe, die eine deutliche Zunahme an Bauchfettmasse hatten, gegenüber der Gruppe mit stabiler Adipositas, sind interessant und könnten ein Hinweis auf Fehlregulation im PPP (Penthosephosphat Pathway) sein. Bei Übergewicht und Fettleibigkeit sehen wir oft, dass Signalwege überexpremiert werden, welche Zellwachstum, Proliferation und generell anabole Prozesse regulieren. Ähnliches könnte auch hier der Fall sein.

Endogene Erythritsynthese könnte auch ein Marker für gestörte Energiegewinnung sein. Wird aus Glucose-6-Phospaht nicht Pyruvat, sondern vermehrt Erythritol synthetisiert, könnte das auch ein Hinweis auf eine gestörte Glycolyse sein.

Eine andere Hypothese, die ich nicht allzu weit hergeholt finde, wäre die der Dysbiose. Wir wissen, dass Bakterien in unserem Darm eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Übergewicht spielen. Erythritolsynthese wurde zuerst bei Bakterien beschrieben. Es wäre durchaus denkbar, dass das Erythritol im Plasma seinen eigentlichen Ursprung in bakterieller Synthese im Darmlumen hat, von dort, über eine gestörte Barrierefunktion der Darmwand, in das Blut übertritt und aus diesem Grund dort auch nachweisbar ist. Ähnliches sehen wir bei Lipopolysacchariden (LPS). LPS sind Bestandteile der Zellmembran von Gram-negativen Bakterien. Sie provozieren eine starke Immunantwort und können im Plasma nachgewiesen werden.

Fazit

Abschließend bleibt zu sagen, dass wir eigentlich noch nicht wirklich viel wissen. Von der Beobachtung höherer Erythritolwerte im Plasma bei Übergewichtigen, zu der Vermutung, Erythrit fördert Übergewicht – das ist schon ein sehr großer Schritt und höchst spekulativ. Ich denke aber, es ist eine spannende Beobachtung, die definitiv weiterer Forschung bedarf. Vor allem im Hinblick auf meine Alternativhypothesen was die Aktivierung von Wachstumsfaktoren, die Fehlregulation der Energiegewinnung oder sogar die bakterielle Komponente betrifft.

Podcast

Diese Folge findest du auch als Podcast der Evolution Radio Show, Folge Nummer 115 hier

Referenzen

[1] Hiele, Martin, et al. „Metabolism of erythritol in humans: comparison with glucose and lactitol.“ British Journal of Nutrition 69.01 (1993): 169-176.

[2] Peter D. Constable Kenneth W Hinchcliff Stanley H. Done Walter Gruenberg. Veterinary Medicine – A textbook of the diseases of cattle, horses, sheep, pigs and goats, Edition 11. October 25, 2016 Elsevier Health Sciences

[3] Brusati, Valentina, et al. „Fetal and maternal non-glucose carbohydrates and polyols concentrations in normal human pregnancies at term.“ Pediatric research 58.4 (2005): 700-704.

[4] Clark, J. B. K., et al. „D-Mannitol, erythritol and glycerol in bovine semen.“ Journal of reproduction and fertility 13.2 (1967): 189-197.

[5] Lewin LM, Yannai Y, Melmed S, Weiss M 1982 myo-Inositol in the reproductive tract of the female rat. Int J Biochem 14:147–150

[6] Samartino, L. E., Traux, R. E., and Enright, F. M. (1994). Invasion and replication of Brucella abortus in three different trophoblastic cell lines. Zentralblatt Veterinarmedizin Reihe B. 41, 229–236. doi: 10.1111/j.1439-0450.1994.tb00223.x

[7] Letesson, Jean-Jacques, et al. „Brucella Genital Tropism: What’s on the Menu.“ Frontiers in Microbiology 8 (2017).

[8] Brusati, Valentina, et al. „Fetal and maternal non-glucose carbohydrates and polyols concentrations in normal human pregnancies at term.“ Pediatric research 58.4 (2005): 700-704.

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Ist Abnehmen das Allheilmittel? – Was bleibt, wenn der Schutzpanzer nicht mehr da ist? https://paleolowcarb.de/ist-abnehmen-das-allheilmittel-was-bleibt-wenn-der-schutzpanzer-nicht-mehr-da-ist/ https://paleolowcarb.de/ist-abnehmen-das-allheilmittel-was-bleibt-wenn-der-schutzpanzer-nicht-mehr-da-ist/#respond Thu, 08 Jun 2017 08:00:00 +0000 https://paleolowcarb.de/?p=29757 Der Anfang – wie die seelischen Veränderungen ihren Lauf nahmen

Als dicker Mensch muss man im Laufe seines Lebens dank gesellschaftlich geprägter Stigmata und Schönheitsideale so einiges an Beleidigungen, Demütigungen und Ausgrenzung über sich ergehen lassen. Beginnt dies schon in der Kindheit, wirkt sich die darunter leidende Seele zwangsläufig auch unvorteilhaft auf die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit aus und es verwundert demnach nicht, wenn sich tief im Unterbewusstsein ein Gefühl der Minderwertigkeit ausbildet. Dies gilt vor allem, wenn man in einem System aufwächst, in dem es hauptsächlich darauf ankommt, im allgemeinen Strom möglichst unauffällig mitzuschwimmen, als viel mehr Wert auf die Entwicklung einer selbstbewussten Persönlichkeit zu legen. Um sich vor verletzenden Angriffen irgendwie zu schützen, wird der Aufbau eines Schutzpanzers unterschwellig zur Überlebensstrategie – sowohl psychisch als auch physisch. Die Toleranzgrenze und somit auch der Beginn der eigenen Verhaltensänderung mag bei jedem anders sein. Spätestens mit Eintritt in die Pubertät war mein persönlicher „Beschützer“, wie ich heute weiß, schon sehr stark ausgeprägt. Ich war nach außen hin meistens die stets gut gelaunte, fröhliche, temperamentvolle Schülerin und für jeden Schabernack zu haben. Schon meine Grundschullehrerin sagte einmal, ich hätte es „faustdick hinter den Ohren“. Sicher habe ich damit schon damals unbewusst versucht, meine durch das Übergewicht bedingten Defizite im Aussehen und beim Sport zu kaschieren und trotzdem Anerkennung und Beliebtheit zu erlangen, was mir wohl auch ganz gut gelungen ist. Die ersten wirklich schmerzlichen Erfahrungen machte ich dann in der Zeit der ersten Discobesuche. Der flotte Feger war ich mangels fetziger Klamotten und der unpassenden Figur noch nie – wohl eher das Modell „Mauerblümchen“. Aber die so genannte „langsame Runde“ war für mich jedes Mal der Horror. Das andere Geschlecht hat mich quasi wie Luft behandelt, was sich auch im weiteren Verlauf meines dicken Lebens kaum änderte. Ich blieb meistens als Einzige meiner ansonsten schlanken Clique, um Fassung ringend, in der Ecke sitzen. Schon damals kamen mir erstmals die Gedanken, dass ganz sicher kein Junge mit mir tanzen will, weil ich dick bin und wie es wohl sei, wenn ich schlank wäre. Abnehmen könnte möglicherweise diese Probleme lösen!

Der Schutzpanzer wächst. – Oder: Die Umgebung formt den Menschen!

Was mich nicht umbringt macht mich stärker! Getreu diesem Motto entwickelte ich mit zunehmender Anzahl der auf mein Übergewicht bezogenen Verletzungen eine gewisse Lebenseinstellung, die lautete „Pfeif drauf, wer mich nicht will wie ich bin, soll mich auch nicht haben wie ich einmal sein werde!“ Mein Optimismus, in absehbarer Zukunft auch schlank zu sein, wie damals noch die Mehrheit der Bevölkerung, war bis dahin ungebrochen. Die ersten praktischen Erfahrungen und natürlich beste Kenntnisse über die Theorie des Abnehmens, also das Zahlenspiel von Kalorien-Input vs. Kalorien-Output, hatte ich ja schon längst. Mit einer gewissen Unnahbarkeit, manche meinten sogar es wirke teilweise abweisend und überheblich, ging ich durchs Leben und merkte gar nicht, wie sich mit jedem durch JoJo-Effekte hinzu gewonnenen Kilo mein Wesen veränderte. Mein „Beschützer“ entwickelte mit großer Virtuosität immer neue Strategien, um mich, also mein innerstes ICH, vor weiteren Schäden zu bewahren. Meine einst relativ unbeschwerte Fröhlichkeit war inzwischen allenfalls noch aufgesetzt und mein Humor nahm immer häufiger sarkastische Züge an – gute Miene zum bösen Spiel! Das anfänglich einzige Problem bei der Partnersuche war mittlerweile das kleinste aller Übel. Die auf meine Fettleibigkeit bezogenen diskriminierenden Erlebnisse erstreckten sich inzwischen auch auf andere Lebensbereiche, wie z. B. Beruf oder Teilnahme am öffentlichen Leben. Mit fast schon unterwürfiger Dankbarkeit, dass mich trotz meines unästhetischen Anblicks ein Arbeitgeber überhaupt angestellt hat, gab ich im Job beständig mehr als nur 100 %, da ich mit dem vermeintlichen „Schönheitsbonus“ nicht hervorstechen konnte, mit dem andere schlanke Kolleginnen bei augenscheinlich geringerer Leistung und Qualifikation mit scheinbar spielerischer Leichtigkeit glänzende Karrieren hinlegten. Durch die immer wiederkehrenden Niederlagen beim Gewichtsmanagement nach jeder erfolgreichen Abnahme wurde es auch nicht besser. Meine Minderwertigkeitskomplexe nahmen parallel zum Gewicht ständig zu und mein Selbstwertgefühl sank in Richtung Nullpunkt. Da es mich immer noch nicht umbrachte, machte es mich nur noch härter – zu mir selbst und sicher auch zu meiner Umgebung. Offensichtlich wirkte ich nach außen hin trotzdem sehr selbstbewusst, was mir öfters von anderen bescheinigt wurde. Das hatte ich wohl meiner knallharten Selbstironie zu verdanken. Der Mix aus Demütigungen, die Frustration darüber, es mit dem Abnehmen einfach nicht dauerhaft zu schaffen und auch die zunehmende Entwicklung von Misstrauen und Angst führten letztlich dazu, dass essen für mich nicht mehr nur Nahrungsaufnahme war, sondern vielfältige Funktionen übernahm: Essen – insbesondere Schokolade – erzeugte die ansonsten weitestgehend vermissten Glücksgefühle. Es wurde zu meinem Seelentröster, diente dem Stressabbau und der Trauer- und Frustbewältigung.

Spätestens hier begann meine Zuckersucht.

Aber nicht nur das, mit wachsender Fettschicht, die ihren Höhepunkt mit einem Gewicht von 133 kg erreichte, war mein Beschützer inzwischen zur alles beherrschenden Großmacht herangereift. Ich war nahezu immun gegen äußere Einflüsse jeglicher Art geworden. Ich ertrug einfach alle Angriffe ruhig, gelassen und ohne jegliche Gegenwehr mit einem freundlichen Lächeln, was potentielle Angreifer wahrscheinlich erst richtig animierte. Mein Beschützer leistete wirklich ganze Arbeit! Auch die ständigen Gesundheitsappelle, doch nun endlich mal abzunehmen, wenn ich nicht noch Diabetes oder einen Herzinfarkt bekommen wöllte, prallten mehr oder weniger wirkungslos an mir ab. Innerlich stand ich unter enormen Druck, war ich doch bestens informiert über die Risiken und Nebenwirkungen der Adipositas und wusste selbst, dass es fünf vor zwölf war. Es war eine Art hilflose Verzweiflung. Ich war regelrecht beseelt von dem Gedanken, abzunehmen und endlich schlank zu sein und diesmal für immer. Aber ich war mir auch darüber im Klaren, dass es wahrscheinlich „wie immer“ laufen würde und ich zumindest in diesem Leben niemals so richtig dauerhaft schlank werden würde. Eine gewisse Resignation machte sich in mir breit und ich tröstete mich mit Schokolade und der Ausrede, dass wohl Gene an meinem Schicksal Schuld seien und ich nun mal gern und viel esse. Außerdem entwickelte ich auch eine leicht verzerrte Selbstwahrnehmung. Wenn ich bewusst in den Spiegel schaute, fand ich mich gar nicht so extrem fett. Es war ja „zum Glück“ alles gleichmäßig bei mir verteilt und insofern in gewisser Weise doch „gut proportioniert“. Meine Selbstironie tat ihr übriges, um die bittere Wahrheit so gut es ging schön zu reden. Erschrocken über mich selbst bin ich nur manchmal, wenn ich zufällig beim Vorbeilaufen an einer Schaufensterscheibe mein Spiegelbild oder mich auf Fotos sah. Dann musste ich mir für einen kurzen Moment eingestehen, dass gar nichts mehr gut ist. Trotz allem war meine Welt zu diesem Zeitpunkt noch soweit in Ordnung.

 

Der Verlust des Arbeitsplatzes  – wie Abnehmen zum vermeintlichen Allheilmittel avancierte

Ausgerechnet als mein „Schutzpanzer“ auf dem Höchststand war, verlor ich erstmals meinen Arbeitsplatz. Die Voraussetzungen für die bevorstehende Jobsuche waren denkbar ungünstig: Ich hatte so gut wie keine tragbaren Bewerbungsoutfits im Kleiderschrank, ganz zu schweigen von Anzügen oder Kostümen nebst passendem Schuhwerk. Ebenso wenig ahnte ich, welches Ausmaß an Grausamkeiten, Demütigungen und Ausgrenzung mich wegen meines Übergewichts auf dem Arbeitsmarkt erwarten würde und dass ich mit diesen Erlebnissen einmal ganze Buchbände füllen könnte. Recht schnell musste ich erfahren, dass im Bewerbungsgeschäft gutes Aussehen ein ziemlich dominantes Kriterium ist, womit ich zu diesem Zeitpunkt absolut nicht dienen konnte. Zu Gesprächen wurde ich recht häufig eingeladen, kassierte danach aber reihenweise herbe Niederlagen. Déjà-vu – Da war es plötzlich wieder mein Problem: Ich bin einfach zu fett und wenn ich abnehmen würde, dann wäre bestimmt alles viel einfacher! So richtig allgegenwärtig und alles beherrschend wurde dieser eine Gedanke aber erst, als die Reaktionen meiner Gesprächspartner auf mein Äußeres nicht mehr nur abwertende bis vernichtende Blicke waren, sondern es dann auch manchmal zu verbalen Demütigungen kam. Meine eigentlich gut funktionierende „Nano-Beschichtung“, an der bisher alles abgeperlt war, bekam langsam Risse. Ich verlor erstmals die Fassung, was mir auch heute noch sehr peinlich ist, als ich einmal folgendes zu hören bekam: „Wenn Sie den Job haben wollen, dann müssen Sie abnehmen; wir unterstützen Sie auch dabei.“ Dieser Satz, der nur die Spitze des Eisberges darstellte, traf mich bis ins Mark und ich war fertig mit mir und der Welt. Spätestens ab da hatte Abnehmen den Olymp des Allheilmittels erklommen. Ich war regelrecht vernarrt in den Gedanken, dass sich meine gesundheitlichen und inzwischen auch sozialen Probleme in Luft auflösen würden, wenn ich doch endlich schlank wäre. Manifestiert wurde das durch weitere quälende Erfahrungen als Dicke auf dem Arbeitsmarkt.

 

Endlich schlank – und was nun?

Als ich Dank eines glücklichen Zufalls zu LCHF gekommen bin und sich meine Gewichtskurve endlich auf rasante Talfahrt begab, glaubte ich erstmals seit langer Zeit wieder daran, es doch noch schaffen zu können mit dem dauerhaften Abnehmen und natürlich auch der Auflösung aller Probleme. Ich sehnte mich dem Tag entgegen, an dem ich auf der Straße wegen meines Übergewichts nicht mehr wie ein bunter Hund auffallen würde und mir endlich die Welt zu Füßen liegt. Doch parallel zu meinen purzelnden Pfunden begann sich für mich paradoxerweise die Situation im Job zunehmend zu verschlechtern. Auf den Gedanken fixiert, dass schlank alles einfacher werden würde, erreichte ich mit dem Knacken der U-70-Marke mein Ziel und ich musste anfangen, mein neues Körpergefühl zu realisieren und mich daran zu gewöhnen. In mir herrschte ein leichtes Chaos. Ich fühlte mich irgendwie dünnhäutiger, angreifbarer als je zuvor, was mir auch ein wenig Angst machte und mich meinen Mitmenschen gegenüber manchmal gereizt und aggressiv erscheinen ließ. Zum einen war ich überwältigt von dem noch nie da gewesenen Erfolg, aber beim Blick in den Spiegel fand ich, doch irgendwie immer noch die Alte zu sein. Von vielen Leuten wurde ich mit Lob und Komplimenten überschüttet, womit ich nicht wirklich umgehen konnte, weil ich das von früher nicht kannte. Es gab aber auch Leute, die meine Verwandlung mit keiner Silbe kommentierten und so taten, als sei nichts passiert, was mir insgeheim fast angenehmer, ja vertrauter war aber mich äußerlich auch irgendwie verletzte. Da kamen mir erste Zweifel, dass Schlanksein vielleicht doch nicht alles ist. Dank der reichlich vorhandenen Ketone und verbesserten Gehirnleistung, hatte sich auch meine ganze Persönlichkeit sehr verändert. Meine Wortwahl und Ausdrucksweise änderten sich, was wohl auch nicht jedem gefiel. Ich bin insgesamt nachdenklicher, tiefgründiger, kantiger, impulsiver und natürlich selbstbewusster geworden. Unterwürfig und dankbar war ich im Job plötzlich auch nicht mehr.

Für meine Gesundheit war Abnehmen wirklich das Allheilmittel. Es hat sich entgegen aller Unkenrufe alles zum Guten gewendet und ich hoffe, dass das noch lange so bleibt. Ich gebe mein Bestes. Dass sich durch Abnehmen oder Schlanksein auch alle sozialen Probleme in Luft auflösen, ist allerdings ein Irrglaube. Nur bedingt und zu einem geringen Teil mag das vielleicht stimmen. Es sind sogar neue Probleme hinzugekommen, mit denen ich vorher niemals gerechnet hätte. Im alltäglichen Leben ist vieles deutlich einfacher und besser geworden, z. B. enge Sitze in öffentlichen Verkehrsmitteln oder beim Kleidungskauf von Verkäufern überhaupt erst mal als potentielle Kundin wahrgenommen zu werden. Meine überdimensionalen Erwartungen an den Arbeitsmarkt/die Jobsuche als schlanker Mensch wurden leider so gar nicht erfüllt. Sicher habe ich keine schlimmen Erlebnisse mehr bezüglich meiner Figur. Aber zu glauben, dass Schlanksein einen wesentlichen Vorteil darstellt und man sich den besten Job nur auszusuchen braucht und mit spielerischer Leichtigkeit Karriere machen kann, war definitiv falsch. Es ist, gemessen an den Ergebnissen, genauso schwer wie es schon immer war. Daran hat sich nichts geändert! Auch wenn die umhüllende Schutzschicht verschwunden ist, ist mein Beschützer auch heute noch sehr aktiv, nämlich um das Erreichte mit allen Mitteln gegen äußere Angriffe zu verteidigen. Das äußert sich vor allem darin, dass jedes Kilo, welches ich aufgrund ganz normaler Gewichtsschwankungen vielleicht temporär mal mehr auf dem „Tacho“ habe, bei mir sofort eine gewisse Sorge oder Angst davor auslöst, bald wieder dick zu sein, auch wenn ich mir relativ sicher bin, die für mich passende Lebensweise gefunden zu haben, um dies zu verhindern.

Tja, den Burschen werde ich wohl so schnell nicht los! Vielleicht gelingt es mir ja, ihn mehr und mehr im Zaum zu halten, bis er irgendwann nicht mehr viel zu melden hat.

Mentale Klarheit und emotionale Stabilität durch zuckerfreie Ernährung – Interview mit Kathrin Koehler vom LCHF Institut

http://www.evolutionradioshow.de/104

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Evolution Radio Show - Was du gegen das viele Sitzen tun kannst – so schlimm ist Sitzen – Interview mit Christian Kollitsch von prinzippaleo.de http://www.evolutionradioshow.de/114 Tue, 06 Jun 2017 08:10:00 +0000 https://paleolowcarb.de/?guid=0c357ed0bbce5aaaa5d140fdd5415cd9

In Folge #114

Das Video der aktuellen Folge direkt auf Youtube öffnen Und nicht vergessen: Wenn du uns auf Youtube siehst, und wenn du es noch nicht getan hast, dann abonniere unseren Kanal „Evolution Radio Show“ Wenn du das Podcast hörst, dann findest du die Links für Apple iTunes und Android hier auf unserer Homepage

Kurze Zusammenfassung

Mein heutiger Gast ist der Physiotherapeut Christian Kollitsch. Wenn er nicht gerade Menschen dabei hilft, ihren Bewegungsapparat wieder in Balance zu bringen, dann arbeitet er als Trainer und schreibt auf seinem Blog - prinzippaleo - über Ernährung und artgerechte Bewegung. Wir sprechen heute über das Thema “Sitzen”. Wir sind eigentlich nicht dafür gemacht, mehrer Stunden pro Tag zu sitzen. Es ist unphysiologisch und eigenlicht gar nicht artgerecht Kompressionssocken - http://amzn.to/2qChPGJ IKEA bietet höhenverstellbare Schreibtische an. Die Serie heißt BEKANT und es gibt viele verschiedene Ausführungen. http://www.ikea.com/de/de/catalog/products/S19006337/#/S19006323 In dieser Folge erfährst Du :
  • Welche schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen das Sitzen mit sich bringt
  • Die Vorteile eines Stehtisches Einfache Übungen für das Büro und Zuhause und
  • Wie du am besten den Umstieg auf einen Stehtisch schaffst

Bücher

Paleo Diät - Die Vorteile der modernen Steinzeitküche

BUCH

Paleo Fitness - Der Trend zu natürlicher Bewegung und Regeneration

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Produkte

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Weitere Folgen

Upgrade für die Füße - alles was Du über das Barfußlaufen wissen musst. Interview mit Constantin Gonzales

Artikel

http://www.zeitschrift-sportmedizin.de/artikel-online/archiv-2014/heft-1/sitzende-lebensweise-als-ein-gesundheitlich-riskantes-verhalten/ https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3404815/ http://www.juststand.org/tabid/674/language/en-US/default.aspx https://www.steelcase.com/content/uploads/2015/01/Research_JIM_Review_British_Journal_0108.pdf https://www.prinzippaleo.de/warum-sitzen-das-neue-rauchen-ist/ http://www.sedentarybehaviour.org/

Webseiten

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Transkript der kompletten Folge – Selbstoptimierung von Körper und Geist – Anja Leitz im Interview https://paleolowcarb.de/transkript-der-kompletten-folge-selbstoptimierung-von-koerper-und-geist-anja-leitz-im-interview/ https://paleolowcarb.de/transkript-der-kompletten-folge-selbstoptimierung-von-koerper-und-geist-anja-leitz-im-interview/#respond Thu, 01 Jun 2017 08:00:00 +0000 https://paleolowcarb.de/?p=29753 Transkript von: Kathrin Koloc

In Folge #93 der EvolutionRadio Show, hatte ich Anja Leitz zu Gast. Anja ist Neurofeedback-Therapeutin und eine Expertin für alles was mitochondriale Gesundheit angeht. In ihrem Therapiezentrum in der Schweiz, hat sie ein Paradies für Biohacker aufgebaut und jeden, der die innere Uhr wieder ins Lot bringen möchte. Ihr unglaubliches Wissen rund um Kältetherapie, Licht, Zellgesundheit und hormonelle Balance ist einfach atemberaubend. Wir haben jetzt das ganze Interview als Transkript für Dich hier zum Nachlesen!

Intro – Julia:

Folge 93, Kann man mit Licht und Kälte die Gesundheit beeinflussen? Ich spreche heute mit Anja Leitz. Sie ist Therapeutin für Neurofeedback und Stoffwechselstörungen und sie beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Chronobiologie und der Wirkung von Licht, Kälte und Ernährung auf die kleinsten Einheiten in unserem Körper, nämlich den Zellen. Wenn du deine Gesundheit auf die nächste Ebene heben möchtest, dann ist dieses Interview genau das Richtige für dich. Evolution Radio Show, dein Programm für evolutionäre Gesundheit, Training und höchste Performance!

Herzlich Willkommen zu einer neuen Episode der Evolution Radio Show. Mein heutiger Gast ist Anja Leitz. Sie ist ausgebildete Neurofeedback-Therapeutin und Ernährungsexpertin mit Schwerpunkt auf neurologischen Stoffwechselstörungen und Degenerationen, Fettstoffwechsel und evolutionsmedizinische Ernährung. Sie leitet das Therapiezentrum Steinfels in der Schweiz und neben ihrer Tätigkeit als Therapeutin schreibt sie auch Bücher, wie z. B. das Buch „Backen Low Carb“ mit Ulrike Gonder zusammen und das erst kürzlich erschienene Buch „Better Body – Better Brain“, das Handbuch zur Selbstoptimierung von Körper und Geist.

Wichtige Schlüsselaussagen

– Audiominute 0:06:33.1, Anjas zeitliche Entwicklung –

– Audiominute 0:06:33.1, Anjas zeitliche Entwicklung –

– Audiominute 0:10:58.5, Aussage: Ernährung, Temperatur, Licht sind alles sog. Zeitgeber. –

– Audiominute 0:12:06.8 , Beginn Thema Licht –

– Audiominute 0:15:05.5, permanenter Sonnenschutz und Vitamin-D-Mangel

– Audiominute 0:17:33.3, Vorbereitung des Körpers und der Zellen auf Sonnenlicht –

– Audiominute 0:23:07.5, Tipps für die dunkle Jahreszeit, Wirkung von Melanin und Melatonin

– Audiominute 0:32:32.2 , Themenwechsel: Winter/Kälte-

– Audiominute 0:41:02.9, Wirkung von Omega 3 und Omega 6 auf das Kälteempfinden

– Audiominute 0:44:40.7, Nach dem Essen muss es einem sehr warm werden, wenn nicht, passt es nicht zum Zellstoffwechsel!

– Audiominute 0:46:23.0, Buchtipp und Kontaktmöglichkeiten zu Anja

 

Julia:

Liebe Anja, herzlich willkommen zur Evolution Radio Show!

Anja:

Ja, hallo Julia.

Julia:

Ich freue mich wirklich sehr, dass ich dich endlich begrüßen darf. Wir versuchen das ja schon relativ lange, aber du bist ja immer sehr sehr beschäftigt.

Anja:

Ja, leider.

Julia:

Oder auch vielleicht gut. Ich meine, es ist ja eh gut, dass man was zu tun hat und dass man beschäftigt ist, und deswegen freue ich mich einfach wirklich, dass wir jetzt endlich die Gelegenheit haben.

Anja:

Ich mich auch.

Julia:

Ich bin auch ein großer Fan von dir und sehr begeistert von deinen Büchern.

Anja:

Danke.

Julia:

Bevor wir jetzt zum eigentlichen Thema kommen, würde ich gern, dass du vielleicht unseren Zuhörern und Zuschauern mit ein paar Worten beschreibst, wie du eigentlich in dieses doch sehr eher unkonventionelle Feld hineingerutscht bist.

– Audiominute 0:02:18.3, wie Anja dazu gekommen ist –

Anja:

Ja, das ist eigentlich eine lange Geschichte, die ich mal lieber versuche so kurz wie möglich zu halten. Ich habe hier eine Praxis und bin immer sehr am experimentieren dran und stellte fest, dass viele meiner Patienten gar nicht mehr im gleichen Maße auf die Behandlungen ansprachen wie noch vor 10, 12 Jahren. Dann habe ich nachgedacht, woran das liegen könnte, alles Mögliche ausprobiert und untersucht und festgestellt, dass sich das Umfeld vieler Menschen stark verändert hat. Das ist ja ein schleichender Prozess wie sich unsere Umwelt um uns herum verändert und wir sind uns dessen gar nicht bewusst, dass das einen Einfluss auf unsere Biologie haben könnte. Und da ich mich ja natürlich in erster Linie vor 12 Jahren mit dem Gehirn beschäftigt hatte – da merkt man das am schnellsten – und mir fiel auf, dass egal in welcher Altersklasse, degenerative Krankheiten im Gehirn und Störungen zu beobachten waren, die sonst relativ einfach zu beheben waren. Dann hatte ich in Amerika auf budget cruise unter anderem nachgelesen und bin dann auf die Themen Chronobiologie gestoßen, hatte selber auch durch meinen Beruf, weil ich sitze ja in meiner Praxis 12 Stunden am PC, und hatte dann festgestellt, hm, irgendwie ist mein Schlaf auch nicht mehr so toll. Ich hatte gemerkt, dass ich gar nicht mehr so einen guten Schlaf hatte. Dann bei meinen Patienten war das noch viel stärker der Fall. Dann hatte ich festgestellt, dass Kinder, Erwachsene viele Depressionsfälle, gar kein Elan, keine Motivation mehr da war. Dann bin ich über das auf das Licht gestoßen und dachte mir, irgendwie muss es dort Zusammenhänge geben. Ja und so habe ich angefangen dann die Wirkmechanismen des Lichts, welche Funktion und welche Wirkung hat die Chronobiologie auf unser Befinden, hatte mich damit stark beschäftigt. Dabei bin ich zeitgleich immer mehr in die Ernährung reingerutscht, weil ich selbst Hobbykoch bin und das ist immer so ein ganz guter Startpunkt, wenn man das Essen selber sehr liebt und hatte dann ausprobiert, wie könnte ich denn eigentlich das Essen besser gestalten, so dass ich mit allem was ich esse den Stoffwechsel verbessere. Dann habe ich mich mit der Evolution beschäftigt. Dann habe ich mich mit der Physik beschäftigt. Dann habe ich mich mit der Chemie beschäftigt und dann habe ich festgestellt, meine Güte, das hängt alles zusammen.

Julia:

Ja.

Anja:

Wunderbar, jetzt wird’s dann kompliziert, und habe dann angefangen, anhand von all diesen Erkenntnissen Rezepte zusammenzustellen, die ich dann an meinen Patienten ausprobiert hatte. Dann hatte ich mit Licht experimentiert und mit der Chronobiologie und stellte fest, ach du meine Güte, ich bewirke Wunder! Das war ein ganz toller Aha-Moment. Ich war natürlich immer das erste „Guine pig“ sozusagen und bevor bei mir nicht etwas funktioniert, probiere ich das nicht an anderen aus und habe bei mir ganz tolle Sachen festgestellt. Dann mussten meine Kinder herhalten, dann musste mein Hund herhalten, mein Mann herhalten und mittlerweile ist das für die Normalzustand, aber damals war das schon recht revolutionär. Und dann mussten meine Patienten herhalten und Gott sei Dank haben die so ein Urvertrauen in mich, dass sie da mitgemacht haben und seit dem gibt es kein zurück mehr und das funktioniert wunderbar. Ich habe dann angefangen, immer mehr damit zu machen, Vorträge zu geben und am Schluss dann auch Bücher zu schreiben und ja, so bin ich nun hier bei dir.

– Audiominute 0:06:33.1, Anjas zeitliche Entwicklung –

Julia:

Und nun bist du hier. Ja, das ist sicherlich wahrscheinlich ein über einen sehr sehr langen…, wie viel Jahre…, oder was war das so für ein Zeithorizont, jetzt diese ganze Entwicklung, die du uns jetzt beschrieben hast?

Anja:

Also das geht jetzt schon mindestens 15 Jahre.

Julia:

Ok, Wahnsinn, ja.

Anja:

Intensiv, also wirklich intensiv, so dass ich muss zugeben, dass mich das Tag und Nacht beschäftigt, würde ich sagen etwa 7 Jahre.

Julia:

Man sieht einfach, meine ich auch, also auch die Zuhörer und Zuschauer, sollten das auch merken, dass es einfach mit wirklich intensivem Studium über 7 oder 15 Jahre hinweg verbunden ist, all dieses Wissen zu absorbieren, umzusetzen, zu verstehen, weil wie du gesagt hast, das mit den Fällen zusammenhängt.

Anja:

Das ist etwas, was man nicht von heute auf morgen lernt, das ist ganz klar. Das sage ich auch immer den Leuten auf unseren facebook-Gruppen oder Leuten in meiner Praxis. Jeder heutzutage denkt ja, er kann sich unheimlich gut informieren. Man hat ja diese Rieseninformationsflut und Bildungsmöglichkeiten durch Internet oder Literatur. Und die Leute sind auch immer – ich will jetzt das Wort „gebildet“ mal ganz oberflächlich benutzen – die Leute sind immer gebildeter auf einer breit gefächerten, vielleicht oberflächlichen Weise, was sehr viele Vorteile hat, aber auch sehr viele Nachteile. Aber dieses zusammenhängende Verständnis, dass man das erlangt, das braucht A sehr viel Zeit oder sehr viel Übung, sehr viel Austausch. Ich meine ich tausche mich täglich mit ganz vielen Leuten aus und profitiere davon auch enorm und es ist ja ein großer Zeitaufwand und selbst dann versteht man noch nicht immer alles. Ich sitze auch an vielen Themen dran oder lese von anderen und denke oh Gott, meine Güte. Ich meine, das müsstest du doch locker verstehen und verstehe einfach nur Bahnhof. Und das ist normal, das ist auch nicht schlimm.

Julia:

Das ist irgendwie so eben immer, wenn man reinschaut. Das ist wie so ein Fraktal. Es wird immer feiner und feiner und feiner und immer tiefer und wenn man glaubt, man hat es verstanden, gibt es noch eine Ebene.

Anja:

Dann kommt ein anderer Satz dazu, wo man sagt, hätte ich den Satz nur nicht gelesen, jetzt verstehe ich wieder gar nichts mehr. Aber das ist das Schöne daran, oder? Für mich ist das eine Riesenmotivation. Ich liebe es, wenn ich etwas nicht verstehe. Das spornt mich unheimlich an. Da schütte ich dann im wahrsten Sinne Unmengen an Dopamin aus, weil ich dann denke, nee –das ist jetzt ne Knacknuss, das muss ich jetzt herausfinden. Und ich mache es auch sehr gerne, weil ich kriege fast einen Kick daraus, wenn ich das dann meinen Leuten in der Praxis erzählen kann und sagen kann: Stellt euch mal vor, ist das nicht der Wahnsinn, das probieren wir jetzt aus! Und dann kommen ganz tolle Resultate heraus und man lernt aus genau diesen praktischen Anwendungsmöglichkeiten und das fehlt natürlich sehr vielen Leuten. Viele Leute sind reine Theoretiker, das merkt man. Ich lerne von den Theoretikern, aber ich bearbeite es eigentlich nur, indem ich es anwende und teste. Das ist ganz ganz wichtig.

Julia:

Du hast ja vorhin schon angesprochen zwei Elemente auf jeden Fall, die dich beschäftigt haben, das waren einerseits das Licht, die Chronobiologie und auch die Ernährung. Und es gibt noch einen dritten Aspekt, den du auch in dem Buch sehr ausführlich beschreibst,

Anja:

Mein Hobby!

Julia:

…nämlich Temperatur und Kälte.

Anja:

Genau.

Julia:

Und wie all diese Faktoren auf den Körper, auf die Zellgesundheit wirken und ich würde gerne mit dir versuchen, all diese Punkte ein bisschen anzusprechen, weil man kann einfach nur wirklich einen ganz kleinen oberflächlichen Blick darauf werfen, aber dass einfach die Zuhörer und Zuschauer sehen, was da einfach alles am Werk ist.

– Audiominute 0:10:58.5, Aussage: Ernährung, Temperatur, Licht sind alles sog. Zeitgeber. –

Anja:

Ja, vielleicht sollten wir dazu sagen, diese Elemente, die du angesprochen hast: Ernährung, Temperatur, Licht – das sind ja alles so genannte Zeitgeber. Ein Zeitgeber ist ein Fachbegriff aus der Chronobiologie. Das heißt, diese Faktoren, von denen wir jetzt gleich sprechen werden, sind Sachen, die unsere Biologie massiv beeinflussen. Das heißt, das sind, wie das Wort schon sagt, Zeitgeber. Anhand von Temperatur, Licht und Ernährung können wir unserem Körper sagen, wie viel Uhr es ist und welche Jahreszeit es ist, und das ist ganz wichtig. Als Organismus müssen wir immer wieder neu eingestellt werden, um in unserer Umwelt effektiv leben zu können. Daher kommen diese Themen, die wir jetzt ansprechen.

Julia:

Ich glaube auch, dass das einfach auch Faktoren sind, die auch einfach unterschätzt werden von vielen. Ich meine gerade so etwas wie Licht

– Audiominute 0:12:06.8 , Beginn Thema Licht –

Anja:

Das ist gar nicht bewusst.

Julia:

Ich meine gerade so etwas wie Licht, man denkt sich, ja, Licht halt. Wir sind ja ständig davon umgeben, eigentlich wir leben…

Anja:

Das ist etwas Selbstverständliches.

Julia:

…genau, und man kann sich nicht vorstellen, dass so etwas irgendwie auf der einen Seite Schaden anrichten kann aber auch therapeutisch eingesetzt werden kann.

Anja:

Ich würde das sogar anders formulieren. Ich würde das umdrehen wie du das gesagt hast.

Julia:

Ok.

Anja:

Licht ist in erster Linie ein Lebenselement, kann in zweiter Linie therapeutisch eingesetzt werden und in dritter Linie ist es schädlich. Der Fokus ist wirklich auf Licht als ein ganz wichtiges Element in unserem Leben. Ohne Licht kein Leben.

Julia:

Genau! Und da ist, glaube ich, ja auch vielleicht Licht, muss man teilweise sagen, gleich Sonnenlicht. Und da ist ja wirklich auch gerade in den letzten Jahrzehnten eine richtige Hysterie, ach bloß nicht in die Sonne gehen, weil da kriegt man Hautkrebs und die Kinder müssen eingeschmiert werden und Sonnenbrille tragen und am besten vermummt. Wie siehst du das?

Anja:

Ja, ich bin natürlich ein absolutes Sonnenbaby, war ich schon immer, Gott sei Dank. Das hat mir schon oft die Haut gerettet im wahrsten Sinne des Wortes. Sicherlich – ich fange jetzt mal hier diplomatisch an – ist Sonnenlicht mit Vorsicht zu genießen. Sonnenlicht kann natürlich sehr aggressiv sein und ich lebte mit meiner Familie in Neuseeland und musste das sehr schnell lernen, weil unsere kleine Tochter im Schatten im Kinderwagen saß und innerhalb von Minuten Hautveränderungen erlebt hatte und ich dachte, das kann jetzt nicht wahr sein! Oder? Ok, hier muss ich schützen. Um dem einmal vorweg zu nehmen: Das heißt in Neuseeland hatten wir für die Kinder solche kleinen Sonnen-T-Shirts und Sonnenhüte. Nichtsdestotrotz hatten wir soweit es geht auf Sonnencreme verzichtet. Hier in unseren Gefilden, wo die Sonne wesentlich schwächer ist, verwenden wir nie Sonnencreme. Für die meisten Menschen ist es mit dem Sonnenlicht an sich wie ich finde ja ein Unterschied zu welcher Uhrzeit, zu welcher Tageszeit ich draußen sitze, wie ich mich exponiere, was für ein Hauttyp ich bin, in welchem Gesundheitsstatus ich bin, ist es im Hochsommer, ist es im Winter. Das spielt ja alles eine Rolle, wie gefährlich kann denn die Sonne sein.

– Audiominute 0:15:05.5, permanenter Sonnenschutz und Vitamin-D-Mangel

Prinzipiell sollte jeder regelmäßig in die Sonne rausgehen, um UV-Licht, besonders UVB-Licht, zu tanken, um den Vitamin-D-Spiegel auffüllen zu können. Wir haben mittlerweile Dank der – ich sag es jetzt mal offen –idiotischen Empfehlungen, nonstop Sonnencremes zu benutzen und sich irgendwelche Chemikalien auf die Haut zu schmieren – einen dermaßen chronischen Vitamin-D-Mangel schon bei Kleinkindern bis ins hohe Alter, der gar nicht mehr zu reparieren ist, weil einfach mit Vitamin-D-Tabletten aufzufüllen, das funktioniert leider sehr schwierig, auch wenn die Ärzte das immer noch probieren. Sie müssten mittlerweile kapiert haben, wenn ich jemandem jeden Tag Vitamin-D-Tropfen gebe und am Schluss der Vitamin-D-Wert immer noch nicht so richtig da ist, dann stimmt ja irgendetwas nicht. Also so funktioniert das leider nicht, indem man einfach irgendwelche Tabletten oder Hochdosis-Vitamin-D-Tabletten nimmt, weil die Wirkmechanismen für Vitamin D gar nicht richtig verstanden werden. Vitamin D ist ein Hormon, das ganz besondere Wirkmechanismen hat und für uns ein ganz wichtiger zellulärer Schutz ist und UV-Licht kann gefährlich sein, hat aber auch ganz wichtige Wirkmechanismen in jeder einzelnen Zelle von uns. Auch unsere DNA speichert UV-Licht aus einem bestimmten Grund und wenn wir uns nonstop dagegen wehren, UV-Licht über die Haut oder über das Auge aufnehmen zu können, gehen wir Stück für Stück zu Grunde.

Julia:

Ich glaube, dass es immer auch darum geht…

Anja:

Ich bin sprachlos!

Julia:

Ja, ich bin echt sprachlos. Ich meine auch bei der Sonne geht es sicherlich auch irgendwo darum „Die Dosis macht das Gift“ und da ist sicherlich auch, was du auch sagst. Ich meine Verbrennungen zu holen, das ist nie eine gute Idee.

Anja:

Das ist logisch! Der Hit ist ja der, wenn du sagst ‚Die Dosis macht das Gift’, Wenn man den Körper richtig vorbereitet für die Sonne, für das UV-Licht – wir sind evolviert unter UV-Licht.

Julia:

Ja.

– Audiominute 0:17:33.3, Vorbereitung des Körpers und der Zellen auf Sonnenlicht –

Anja:

Wenn der Körper, die Zusammensetzung, die Zellen alles richtig, ich sag jetzt mal ordnungsgemäß funktionieren, dann schadet uns das Sonnenlicht, das UV-Licht nicht. Ich kann zum Beispiel, egal wo, ob ich jetzt auf den Kanaren sitze oder in Neuseeland sitze oder hier sitze oder in den Bergen, 5 Stunden im Bikini dort sein und ich bekomme keinen Sonnenbrand, weil ich absolut perfekt vorbereitet bin, um Licht zu tanken.

Julia:

Ist es dann, wenn du sagst eben die Zellen oder man muss vorbereitet sein, hat es damit zu tun, dass ich mich an die Sonne gewöhne, oder hat es mit Ernährung zu tun oder wie kann ich mich vorbereiten auf die Sonne?

Anja:

Das ist ja etwas, was jetzt auch in meinem Buch beschrieben wird. Das hängt mit ganz vielen Sachen zusammen. Das hängt natürlich mit der Haut zusammen, mit der Hautbeschaffenheit. Das hängt damit zusammen, mit deinem Cholesterinwert, wie ist dein Cholesterin aufgebaut, wie viel oxidiertes Cholesterin hast du. Das hängt damit zusammen, wie die Zellmembran jeder einzelnen Zelle beschaffen ist, weil wir Photonen über die Seitenketten der Zellen, also z. B. von aromatischen Aminosäuren, absorbieren wir UV-Licht über die Seitenketten und über die Pi-Elektronenwolke. Wenn jetzt die Zellmembran zusammengesetzt ist aus – ich sage mal ganz krass – aus Transfetten, hier nehmen wir gleich die großen Buh-Männer der Nation, ja die ganz bösen gleich. Also wenn ich jetzt hier so ein Transfettbaby bin und setze mich dann in die Sonne, bin wahrscheinlich auch noch dehydriert, weil ich regelmäßig Alkohol trinke, rauche usw. und sofort, und sitze die meiste Zeit am PC, setze noch eine Sonnenbrille dazu auf, schmiere mich noch etwas mit Sonnencreme irgendwo so am Dekolleté ein, dass ich ja nicht verbrenne, sonst geht’s ja noch – dann ist die Sonne ätzend, dann macht die mich kaputt, das vertrage ich nicht. Wir müssen gutes Cholesterin in großen Mengen haben. Wir müssen gute Fettsäuren, Phospholipide in den Zellmembranen drin haben, die mit dieser Photonenwucht – UV-Licht ist ja extrem hartes Licht, kann ja in verschiedene Weise auf uns treffen, als Partikel oder als Welle, und einen Partikel muss man sich vorstellen, wie wenn ich jetzt gerade draußen in der Sonne liege und jemand nimmt seinen Billard-Stab und bähhmm!, haut mich hier in die Ecke mit der Photonenwucht. Ja da muss ich ja irgendwie aufnehmen können, da muss ich ja irgendwie reagieren können mit dieser Wucht und dazu habe ich diese speziellen Fettsäuren, die mit dieser Photonenwucht zurechtkommen, das aufnehmen und sofort in Energie umwandeln. Und das ist toll. Wenn ich in der Sonne sitze, dann macht es bei mir bähhmm und ich fühle mich einfach nur genial, ich fühle mich einfach genial. Sitze ich im Dunkeln im Zimmer, bin ich fast schlapp, da fehlt mir das Licht. Aber wenn jemand mit der Photonenwucht nicht zurechtkommt, dann kriegen die natürlich Sonnenallergien noch und nöcher. Die kriegen sofort Verbrennungen.

Julia:

Das heißt man kann sich…, ist es dann auch eine Möglichkeit sozusagen, wenn man jetzt auch eine Ernährungsumstellung macht und viele von deinen Tipps aus dem Buch umsetzt, ist das auch eine Möglichkeit, um irgendwie selber zu sehen, ob sich der Status verändert, also daran zu sehen, wie man auf Sonne reagiert, z. B.?

Anja:

Ja, ja – und der verändert sich zu 100 %.

Julia:

Ja?

Anja:

Du hast gar keine Chance, weil jede Zelle in unserem Organismus sich verändern möchte, um Sonne tanken zu können. Das darf man nie vergessen: Wir machen hier gar keinen Akt, sondern in dem Moment, wo wir unserem Körper die Möglichkeit geben, ursächlich, ursprünglich zu handeln, funktioniert das blitzschnell, weil das ja alles ist was unser Körper möchte, machen wir es ja nicht.

Julia:

Also ist das der positive Aspekt, wenn man wirklich umstellt, wenn man etwas verändert, dass es dann auch eine Verbesserung gibt, dass es einen Weg zurück gibt.

Anja:

Jede auch nur kleine Veränderung bewirkt Großes!

Julia:

Ich meine, wir leben ja leider in unserer modernen Welt, in der wir halt leben. Wir möchten auch teilweise vielleicht nicht wirklich mehr im Wald leben oder in einer Höhle und es sind ja auch angenehme Seiten der Zivilisation, die wir alle genießen, und viele sind halt auch – ja müssen eben vielleicht immer irgendwo drinnen sitzen, unter Tage, oder jetzt kommt der Winter. Was sind da so kleine vielleicht 2 – 3 Tipps, die man umsetzen kann. Und wie kann ich vielleicht da schon etwas tun in Richtung Licht?

 

– Audiominute 0:23:07.5, Tipps für die dunkle Jahreszeit, Wirkung von Melanin und Melatonin

Anja:

Ok, also jetzt kommt ja der Winter – auch meine Lieblingszeit. Da kommen wir nachher glaube ich noch drauf auf die Kälte. Ja, und im Winter haben wir wesentlich weniger Licht, aber das ist ja auch gut so. Alle haben so Angst davor, ‚Jetzt kommt die dunkle Zeit.’, ‚Ich bekomme Depressionen.’, ‚Ich nehme zu.’, ‚Alles ist schrecklich.’ Nein, Winter ist eine herrliche Zeit, weil – wenn wir das richtig nutzen – da kommen wir auch gleich drauf zu sprechen – wir aufgrund der reduzierten Lichtverhältnisse regenerieren. Alles läuft ja rhythmisch ab. Im Sommer haben wir Lichtstress, auch wenn er positiv ist. Aber er ist auch negativ – Zwielicht, harte Strahlung, Aktivität, kurze Nächte. Im Winter sollte eigentlich eine Entschleunigung stattfinden, eine Regeneration, weil diese zwei wichtigen Hormone Melatonin und Melanin, die zwei schönen M’s – ich nenne sie immer die M&M’s – die haben ja eine Wechselwirkung. Das heißt im Winter produzieren wir aufgrund der höheren Dunkelheit mehr Melatonin. Das ist das Nachthormon. Das wird ausgeschüttet, wenn es dunkel wird. Und das Melanin ist das Sonnenhormon, zusammen mit dem Vitamin D. Und das sind die zwei Sachen, die Licht absorbieren. Melanin, nur zur Erklärung, ist ein Pigment, das unsere Haut braun erscheinen lässt. Wir haben es auch in den Augen. Aber Melanin ist ein wahnsinniger Sonnenschutz. Das ist eigentlich die Sonnenschutzcreme der Natur, hat aber auch noch aber noch ganz andere biophysikalische Eigenschaften. So, jetzt der kommt der Winter und wir haben weniger UV-Licht, weniger Lichtintensität. Das heißt wir brauchen das Melanin nicht mehr, oder nur sehr gering. Dafür steigt aber der Melatonin-Spiegel stark an, oder er sollte. Jetzt kommen wir zu den Tipps, weil das nämlich genau nicht in unserer heutigen Gesellschaft passiert. Melatonin wird nur ausgeschüttet, wenn es keine große Lichtintensität hat, am Abend. Das heißt früher, wenn es draußen dunkel wurde, gingen wir schlafen oder hatten das Lagerfeuer an oder irgendeine Öllampe und noch später dann eine Glühlampe. Glühlampen haben ein Lichtspektrum, das stark im roten Licht ist. Unsere Augen, also das Melatonin reagiert auf Blaulicht bis ins Grünlicht die Frequenzen. Wenn wir jetzt also den ganzen Tag drinnen sitzen, wie jetzt ich auch am PC, obwohl ich f.lux installiert habe – das können wir nachher auch noch kurz erwähnen – aber am Abend haben wir heutzutage alle Lichter an. Wir haben ja heutzutage die tollsten Beleuchtungssysteme in den Häusern. Wir haben den Fernseher an, wir kommunizieren auf dem Telefon oder auf dem iPad, wir gehen in den Ausgang, überall ist Beleuchtung die ganze Nacht durch. Viele Leute schlafen nicht mal in Dunkelheit, weil die Straßenbeleuchtung an ist oder weil sie eben irgendwelche Geräte mit einem Lichtchen an ihren Betten haben oder was weiß ich. Ich meine bei mir, ich wage es ja gar nicht zu sagen, aber ich rege mich schon auf. Ich haben so ein open planned Schlafzimmer mit Badezimmer und an meiner Toilette – da habe ich mich beschwert, es ist unfassbar was mich heutzutage schon aufregt – ist ein Dusch-WC, ist so eine kleine Diode. Jetzt haben doch diese Idioten die blau gemacht! Und diese Diode, wenn du da nur in der Dunkelheit drauf gehst – und es lacht jetzt jeder und glaubt mir keiner – diese Diode das kann in die Kniekehle leuchten oder sonst wohin, stoppt oder reduziert die Melatoninproduktion. So sensibel ist unser Organismus! Das heißt, das geht also nicht nur über die Augen sondern auch über die Haut, das Auge reagiert natürlich viel stärker. Wenn wir also jetzt am Abend immer Lichter anhaben, was ja jeder hat, dann produzieren wir immer weniger Melatonin, unsere Zwirbeldrüse schrumpft, verkalkt durch elektromagnetische Felder noch dazu, das heißt wir haben so eine verdörrte kleine Kaffeebohne im Hirn, die eigentlich gar nichts mehr bewerkstelligt. Und dieses Melatonin, was ein ganz wichtiges Hormon ist, um uns zu regenerieren, das ist auch ein wichtiger Zellschutz, es hat ganz viele biologische Funktionen, verursacht systemische Krankheiten. Dessen sind die Leute sich nicht bewusst. Und das ist z. B. etwas, was wir ganz wichtig im Alltag einbauen sollten. Wenn wir am Tag im Büro sind, sind wir schon enorm vielen unterschiedlichen Lichtfrequenzen ausgesetzt, leider nicht den natürlichen. Das heißt, die natürlichen wichtigen Lichtfrequenzen sind UV und Infrarot und Rotlicht. Im Büro haben wir aber hauptsächlich kaltes oder warmes Weißlicht mit den höchsten Lichtspitzen im Blaulichtbereich. Das heißt wir sind dem den ganzen Tag ausgesetzt. Dann kommen wir heim und sind eigentlich toxisch belastet. Man muss das mal so sagen: Das ist eine große toxische Belastung im Körper, und was machen wir anstatt Gegenmittel zu nehmen? Alles hat in der Natur immer ein Gegenmittel, weil es Schäden gibt und man kann Schäden auch reparieren. Das ist das Tolle an der Natur. Man muss nur die Mittel auch verwenden. Und das Gegenmittel zu Blaulicht ist Rotlicht bis in den Infrarotbereich. Das ist ganz wichtig. Das heißt wir müssen am Abend das Blaulicht abziehen, stoppen und dafür mehr ins rote Infrarotlicht gehen, aber auch nur in niedrigen Intensitäten, weil sonst wieder die Melatoninausschüttung gestoppt wird. Und das wichtige an der Melatoninausschüttung – das hatte ich im Buch sehr schön gezeigt – das ist der Anfang der nächtlichen Hormonregulation. Wenn der Anfang schon nicht stimmt – nichts mehr! Am Morgen haben wir schon wesentlich weniger Dopamin, die Männer haben wesentlich weniger Testosteron, die Frauen kommen in eine Hormonkrise, die Schilddrüse hat falsche TSH-Werte. Wir haben zu viel Prolaktin am Morgen. Wir können nicht klar denken. Wir sind erschöpft, obwohl wir gerade geschlafen haben.

Julia:

Das heißt also eigentlich eine der wichtigsten Sachen, die man wirklich sofort umsetzen kann ist, dass man einfach am Abend schaut, dass man vor allem das blaue Licht total reduziert. Das kann man ja vielleicht mit Blaulichtblocker-Brillen zumindest versuchen.

Anja:

Es gibt Brillen die das blockieren. Die habe ich auch am Nachmittag schon an, besonders im Winter, im Sommer nicht. Man kann sich andere Lichtquellen installieren. Ich schicke z. B. die meisten Leute in den Tierhandel und lasse irgendwelche Reptilienlampen kaufen, die nur das Infrarotspektrum oder Rotlichtspektrum oder UV-Spektrum haben. Man kann alte Glühbirnen nehmen oder es geht auch oft im Internet, wo man wieder Glühbirnen kaufen kann – also wieder Glühbirnen installieren. Ich habe überall kleine Tischlämpchen stehen, wo noch Glühbirnen drin sind und dann mache ich eine als Hintergrundbeleuchtung an, wenn ich etwas mehr Licht als nur Kerzen haben möchte, wenn ich Fernsehen schaue oder etwas machen muss. Es sollte sich jeder für den PC und für seine Geräte f.lux installieren. Das filtert auch relativ effektiv das blaue Licht heraus. Das sind alles wichtige und gute Hilfsmittel, aber man darf nicht vergessen, es sind Hilfsmittel, die es uns ermöglichen, regulierter zu leben, aber es ist nicht die beste Lösung.

Julia:

Ja, aber es ist zumindest eine erste Hilfe sozusagen.

Anja:

Es ist ganz wichtig, weil wenn wir es nicht machen, gehen wir peux a peux kaputt.

– Audiominute 0:32:32.2 , Themenwechsel: Winter/Kälte-

Julia:

Ja, ich meine du hast es ja vorhin schon ein paar mal angesprochen – das ist unser nächstes Thema, das ich noch kurz ansprechen möchte mit dem Winter. Es wird kälter und eben auch Temperatur ist ja ein wichtiger Zeitgeber und es sollte dem Körper jetzt auch sagen, es ist Zeit für Regeneration. Aber das Problem ist ja, dass wir nicht nur in einer hell erleuchteten Welt leben, sondern auch in einer konstant temperierten Welt. Ich habe nur gelesen letztens, dass alleine die Raumtemperatur, sozusagen was offiziell als Raumtemperatur gilt, glaube ich in den 60ern noch 19 °C waren und heute haben wir 22 °C. Allein daran sieht man schon, da hat sich auch etwas in der offiziellen Wahrnehmung, was Raumtemperatur betrifft geändert.

Anja:

Ja wir sind für Kälte empfindlicher geworden, Frauen ganz schlimm. Also Frauen haben alle kalte Hände und kalte Füße.

Julia:

Ja, alles kalt, genau.

Anja:

Alle frieren. Ich habe da relativ wenig Geduld dafür, weil ich das Gegenteil bin, aber ja, es ist leider so. Ja, Kälte und Temperatur ist ja wie gesagt ein anderer Zeitgeber den wir angesprochen haben. Sagen wir mal so, unser Körper muss ja wissen, ist jetzt November oder ist jetzt Juli. Wie weiß denn der Körper das? Das weiß er zum einen über Lichtverhältnisse, ist UVB im Lichtspektrum drin, ist UVA drin, wie ist die Intensität – hatten wir eben darüber gesprochen. Das ist das eine. Aber das muss alles zur gleichen Zeit ablaufen und nicht in Verschiebung. Zur gleichen Zeit esse ich etwas. Ich frühstücke, ich esse Mittagessen, ich habe Abendessen. Die Nahrung, die ich zu mir nehme, auch Nahrung enthält so genannte Lichtinformationen in Form von Kohlenhydraten. Aber Lichtinformation ist auch in Proteinen und Fetten drin. Aber die Lichtinformationen werden anhand der Nahrungskette gespeichert und landen bei uns in Form von Elektronen im Darm an. Das heißt, wie können lesen anhand von Nahrung. Wenn ich jetzt also – jetzt haben wir November, bei mir ist Schnee – wenn ich jetzt Mangos esse, oder Bananen aus Südamerika, dann sagt mein Darm: Ja Anja, bist du im Urlaub oder was? Ist jetzt Sommer ausgebrochen bei dir? Aber eben hast du ja noch im Eisbad gesessen! Also irgendetwas stimmt jetzt hier nicht ganz, und UVB hast du auch nicht getankt! Nee, und dann kommen die Uhren durcheinander und streiken. Und schon fühlen wir uns auf Deutsch gesagt Scheiße. Das geht ganz schnell. Darum: was ich esse ist die andere Information.

Julia:

Genau.

Anja:

Darum sollte man ja jetzt nur die Sachen essen, die auch lokal wachsen, weil die genau die Lichtinformation zur Abgleichung mit dem Datum im Kalender enthalten. Wir synchronisieren wie wir das auf dem iPhone machen, wir müssen synchronisieren. So, und jetzt kommt noch die Temperatur dazu. Jetzt sitze ich doch den ganzen Tag in der überhitzten Bude und denke, haaa, herrlich wohlig warm, mach noch die ganzen Lampen an, räkle mich rum bis 12 Uhr nachts und jede einzelne Zelle in mir erhält einen Jetlag. Zellulärer Jetlag fühlt sich anders an, als wenn man einen Jetlag im Flugzeug verspürt, obwohl es identisch gleich ist. Aber den spüren wir, weil wir definitiv merken, oh – ich weiß gerade gar nicht wo ich stehe, muss ich jetzt schlafen gehen, habe ich jetzt Hunger oder nicht, was mache ich denn jetzt? Unsere Zellen sind so richtig geplagt wenn das passiert, weil sie wissen nicht, soll ich jetzt das machen, soll ich jetzt das machen oder soll ich jetzt das machen? Was mache ich denn jetzt? Schütte ich jetzt das aus? Wenn ich jetzt das ausschütte, dann reagiert der Nachbar vielleicht blöd und dann wird der sauer und dann reagiert der Nachbar blöd und eigentlich will mein Hirn jetzt das und der Darm sagt mir das – oh verdammt! Und dann entstehen Krankheiten, weil diese Dissonanzen sind in so einem inneren Clinch diese Zellen, die zerreißt es schier, weil sie doch alles so gut machen wollen und es gar nicht können und das ist wie wenn mein Hund sich schämt, weil er was macht, von dem er genau weiß, das darf ich gar nicht machen. Aber sein Instinkt sagt ihm, das will ich jetzt machen und mache ich jetzt auch und dann sitzt er da und ist völlig am Ende danach. So geht es unseren Zellen nonstop, und das ist ja wirklich eine Plage, die wir uns selber zufügen. Wenn wir jetzt aber, wo November ist, die Heizung runter drehen – ganz wichtig in der Nacht – und am Tag je nach dem; ich habe in der Praxis auch die Heizung an, weil mir sonst die Patienten vom Stuhl fallen. Ich bin ja schon einiges gewohnt, aber da hörts dann auf. Aber in der Nacht gilt: Melatoninausschüttung senkt auch die Körpertemperatur. Das ist ein wichtiges Signal. Das braucht nicht viel, aber in der Nacht ist unsere Körpertemperatur geringer, weil sonst die ganzen Hormonkreisläufe nicht ablaufen können. Darum sollten wir auf jeden Fall nicht in beheizten Zimmern schlafen und uns daran gewöhnen, auch nachts kühlere Temperaturen verkraften zu können. Wer das nicht kann hat große Probleme, weil der Körper ein offenes System ist. Wir gleichen immer aus, und diese Fähigkeit etwas auszugleichen muss geübt werden. Gesundheit bedeutet eigentlich, dass wir uns immer den Umständen gut und schnell anpassen können. Wer das nicht kann, bleibt auf der Strecke. Also, wie kann man das üben? Man kann das z. B. üben, in dem man regelmäßig sich etwas Kälte aussetzt. Man kann sich nach dem heißen duschen kalt abduschen. Das macht schon mal einen großen Unterschied. Ich rede jetzt nicht von drei Tropfen Wasser und dann großes Geschrei, sondern ich rede von dem Wasserstrahl auf jeder Hautstelle, sagen wir mal zwei Minuten bis die Haut rot wird. Wenn die Haut rot wird: Klasse! Das ist Klasse. Wir verändern auch unseren Fetthaushalt, allein schon dadurch. Wir sind wacher. Wir schütten Metoponin aus. Und wenn wir das dann noch damit kombinieren – der beste Trick ist: ab unter die kalte Dusche, raus aus der Dusche, Fenster auf, Brille runter und fünf Minuten in den Himmel schauen. Das ist schon der beste Trick aller Zeiten. Wenn ich das jeden Morgen mache, habe ich schon die halbe Show gewonnen. Und wenn ich abends dann noch das Licht auslasse, bin ich schon fast dort.

Julia:

Wahnsinn!

Anja:

Es ist so einfach, es machen!

Julia:

Ja, toll und den Kaffee kann ich mir auch gleich sparen in der Frühe.

Anja:

Ja, und wenn ich dann wirklich mutig bin und sage, so jetzt will ich’s wissen. Jetzt zeige ich meinen Zellen, wer hier der Master ist, dann lasse ich die Wanne volllaufen, nicht mit warmen Wasser natürlich, sondern mit kaltem Wasser, schaue rein und sage: wow, steige rein, halte die Luft an, atme dann tief durch, halte das die erste Minute aus, denn dann ist das Schlimmste vorbei, und dann genieße ich eine halbe Stunde kaltes Wasser und meine ganzen Zellen liegen drin, aalen sich und denken, ja, wir sind in der Vergangenheit angekommen, alles ist gut. Die regenerieren sich, super.

Julia:

Super.

Anja:

Einfach Mut haben, muss man mal probieren. Aber das ist nicht für jeden etwas. Die Frage wolltest du mir doch bestimmt jetzt auch gleich stellen, oder?

Julia:

Ja, genau.

– Audiominute 0:41:02.9, Wirkung von Omega 3 und Omega 6 auf das Kälteempfinden

Anja:

Es ist nicht für jeden etwas, weil wenn wir jetzt sagen wir mal totale Omega-6-Babys sind, und wer das weiß was das ist, das sind Fettsäuren, die wir in allem Essen drin haben, ich rede jetzt so von den schrecklichen Omega-6-Fettsäuren, sie sind jetzt nicht unbedingt schrecklich aber sie sind auch nicht sonderlich positiv, besonders nicht in hohen Mengen, dann haben wir relativ hohe Entzündungsfaktoren in uns drin, vertragen wir die Kälte nicht. Man muss sich das so vorstellen, Fische im Meer, also in nördlichen Gewässern, wo das Wasser sehr kalt ist, haben ja einen hohen Omega-3-Gehalt aus einem Grund.

Julia:

Ja, genau.

Anja:

Wogegen wenn ich Tilapia aus dem Süden esse, dann esse ich Omega 6. Der braucht das nämlich nicht, weil der ja im warmen Wasser praktisch wie so ein kleines Schweinchen sudelt. Und die Fische aus den nördlichen kalten Gewässern haben viel Omega 3, weil diese Omega-3-Fettsäuren die Zellmembran sehr flexibel machen. Das sieht man ja auch, dass diese Fette bei kalten Temperaturen nicht fest werden.

Julia:

Genau.

Anja:

Also die schwimmen in diesen Gewässern rum diese Kaltwasserfische und wenn wir jetzt wie Kaltwasserfische in der Badewanne schwimmen wollen, dann braucht man auch etwas mehr von diesen Omega-3-Fettsäuren. Bin ich aber voll mit Omega 6, Transfettsäuren und sonst was voll gestopft, fällt mir das etwas schwer und ich bekomme so einen furchtbaren Stich hier im Gehirn. Das nennt sich dann brain freeze, woran ich es ziemlich schnell merke, oh mein Gott, ich glaube ich bin eher ein Tilapia.

Julia:

Ja. Sind das auch die Personen die einfach wirklich extrem kälteempfindlich sind, also die eigentlich auch frieren, wenn es relativ warm ist oder die überhaupt mit kaltem Wasser nicht wirklich umgehen können?

 

Anja:

Nein, das hat einen anderen Grund, und zwar zwei Gründe mindestens. Ich erwähne jetzt mal nur zwei, weil das wird sonst zu knapp hier. Einer ist die Schilddrüse.

Julia:

Genau, ja.

Anja:

Wenn die Basaltemperatur wie bei vielen Frauen konstant zu niedrig ist, dann sind das so genannte kleine Zitterfrauen, die einfach schon bei dem Wort Kälte anfangen zu frieren und das ist ein Lichtproblem. Die Schilddrüse ist Licht reguliert und natürlich braucht es auch Jod. Aber ist ein anderes Thema. Das Zweite hat mit Hormonen zu tun, weil auch die Hormonausschüttung, wie ich vorhin angesprochen habe, wird ja über das Licht reguliert und über die Fettsäuren, über das Cholesterin mit reguliert. Das heißt, wenn wir als Frau jetzt eine Östrogendominanz haben, sind wir extrem kälteempfindlich. Das schmerzt dann richtig. Östrogene werden im Fett, in den adipösen Zellen abgelagert, und wenn wir dann im kalten Wasser sitzen, das kann dann fast schon richtige wie Verbrennungen geben. Das tut richtig weh dann. Entweder man sagt, da muss ich jetzt durch. Man muss aber auf jeden Fall die Östrogendominanz angehen und Kälte erhöht den Progesteron-Spiegel. Das hilft der Östrogendominanz entgegen zu wirken. Und wenn ich dann noch mit Licht arbeite, kann ich meine Schilddrüsenfunktion verbessern. Also insofern hört das auf. Und dann kommt noch der letzte Aspekt mit der Kälte. Wenn ich das richtige Essen esse – was ist richtig, da wollen wir jetzt auch nicht drüber diskutieren – aber jedenfalls essen, wenn ich jetzt esse – das sollten sich deine Zuhörer genau merken – wenn ich etwas esse, muss mir danach sehr warm werden. Wenn das nicht passiert, passt das Essen für meinen Zellstoffwechsel nicht.

– Audiominute 0:44:40.7, Nach dem Essen muss es einem sehr warm werden, wenn nicht, passt es nicht zum Zellstoffwechsel!

Julia:

Aha, das ist ein super Tipp. Und da denke ich oft, also jetzt gerade an mich nämlich, weil bei mir das oft passiert, dass ich dann richtig glühe nach dem essen. Also ich strahle so viel Wärme auf einmal aus, das ist Wahnsinn, unglaublich.

Anja:

Das ist genau das Bild, super! Das ist Ernährung, weil was passiert: du erzeugst anhand von den Nährstoffen die du isst eine vergrößerte Ordnung in deinem System. Das hat auch wieder mit Photonen zu tun. Und dann wird ein Teil als Wärme abgegeben. Stell dir vor, du machst das mehrmals am Tag, dann hast du einen geordneten Zustand in dir anstatt Chaos und dein Körper kann natürlich dann Wärme mit Leichtigkeit produzieren. Du hast einen Energieüberschuss. Also liebe Frauen, esst ruhig etwas, das euch vielleicht gegen den Strich geht. Fette z. B. machen unheimlich warm. Eiweiß macht warm. Die richtige Kombination macht warm. Die richtige Menge macht warm. Darum frieren ja alle Frauen auch bei Diäten.

 

– Audiominute 0:46:23.0, Buchtipp und Kontaktmöglichkeiten zu Anja

Julia:

Ja, das war jetzt super viel Information und wir haben wirklich jedes Thema ja nur ganz kurz angerissen. Aber ich glaube es war wirklich für jeden etwas dabei. Man muss irgendwann leider zu einem Schluss kommen. Aber ich möchte einfach noch mal auch auf dein Buch hinweisen und ich halte das jetzt auch kurz in die Kamera. Man sieht, es ist wie ein Arbeitsbuch. Überall schauen Zettel heraus.

Anja:

Richtig, so musst du es auch benutzen. Klasse! Das Buch ist nicht ein Buch, das man einmal anschaut und dann sagt, ach das war jetzt interessant. Sondern es ist A ein Arbeitsbuch bei einem Reset. Das ist nicht etwas was man einmal macht, sondern man holt sich immer wieder Informationen raus. Und wenn man das gemacht hat, kann man wieder an sich arbeiten, weil sich Sachen verändern. Und beim nächsten Durchlauf verändert man etwas und macht was anders oder sagt, jetzt konzentriere ich mich mehr auf das Licht, jetzt konzentriere ich mich auf die Temperatur oder sonst etwas.

Julia:

Genau. Deswegen kann ich das Buch eben „Better Body – Better Brain“, im Riva-Verlag ist es erschienen, nur jedem wirklich ans Herz legen. Ich finde das gehört einfach in jeden Haushalt und muss genauso ausschauen mit vielen Zetteln drin, wirklich als Arbeitsbuch. Es ist ein wirklich tatsächliches Arbeitsbuch. Und wir werden natürlich auf jeden Fall da auch hin verlinken. Wenn jetzt dich jemand erreichen möchte, suchen möchte, unter welcher Web-Adresse findet man dich am besten?

Anja:

Man kann mich unter www.therapiezentrum-steinfels.ch finden.

Julia:

Super. Dann werden wir da natürlich auch hinweisen. Es gibt auch eine facebook-Gruppe.

Anja:

Oder natürlich auf facebook. Es gibt meine Seite vom Therapiezentrum Steinfels, wo ich jeden Tag darüber berichte und erzähle, wo man mir auch Fragen stellen kann. Und es gibt auch noch meine facebook-Gruppe, die nach dem Buch benannt ist. So hat man eigentlich fast zu viel Kontakt mit mir.

Julia:

Genau. Da werden wir überall hin verweisen, auf jeden Fall. Dann liebe Anja, vielen vielen Dank für deine kostbare Zeit. Es hat uns sehr gefreut. Und liebe Zuschauer und Zuhörer, ich bin mir sicher, euch hat das auch genauso gut gefallen wie mir. Wir freuen uns, wenn ihr dieses podcast teilt mit Freunden, mit Bekannten. Vielleicht kennt ihr jemanden der genau von diesem Wissen profitieren kann, dann unbedingt teilen oder auf www.evolutionradioshow.de abonnieren bzw. auf YouTube. Vielen Dank fürs Zuschauen!

Anja:

Tschüß.

 

 

 

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Ketoazidose bei gesunden Menschen – ist das möglich? https://paleolowcarb.de/ketoazidose-bei-gesunden-menschen/ https://paleolowcarb.de/ketoazidose-bei-gesunden-menschen/#respond Tue, 23 May 2017 07:05:08 +0000 https://paleolowcarb.de/?p=29728 Daniela Pfeifer hat mich auf einen Artikel aufmerksam gemacht, der seit einiger Zeit die Runde in diversen Facebook Gruppen macht und für Verunsicherung und Verwirrung sorgt.

Es handelt sich dabei um eine Case Study (Fallstudie), aus dem Jahr 2015. Die Studie wurde im Journal of Medical Case Reports publiziert[1].

Der Titel des Artikels lautet:

„Ketoacidosis associated with low-carbohydrate diet in a non-diabetic lactating woman: a case report.“ (Ketoazidose im Zusammenhang mit einer kohlenhydratreduzierten Diät bei einer nicht-diabetischen stillenden Frau: eine Fallbeschreibung)

Ich habe diesen Artikel auf der Evolution Radio Show als Video publiziert:

Warum ist das aufregend?

Wer einer ketogenen bzw. einer LCHF Ernährung folgt, wird unweigerlich mit dem Begriff der Ketoacidose konfrontiert werden. Solltest Du noch einmal die Grundlagen zur Ketose auffrischen wollen, dann lies doch diesen Artikel (Ketonkörper, wie sie entstehen und was sie im Körper tun).

Ketonkörper – wie sie entstehen und was sie im Körper tun

Was ist Ketoazidose?

Die Ketoacidose ist ein gefährlicher Stoffwechselzustand, verursacht durch einen langanhaltenden und absoluten Insulinmangel. Durch den Insulinmangel können die Zellen keine Glucose aus dem Blut aufnehmen. Das Gehirn nimmt dies als akuten Energiemangel war und worauf hin Adrenalin, Noradrenalin und andere Insulin Antagonisten freigesetzte werden. Dies führt zu erhöhter Freisetzung von Fett aus dem Fettgewebe und zu ungebremster Bildung von Ketonkörpern.

Insulin selbst wirkt hemmend auf die Ketonkörperproduktion. Das unkontrollierte Ansteigen der Ketonkörper im Serum wird durch eine negative Feedback Loop verhindert. Die Ketonkörper beta-Hydroxybutyrat und Acetoacetat stimulieren ihrerseits dosisabhängig die Produktion von Insulin.

Ursachen für die Entstehung einer Ketoacidose

Diabetische Ketoacidose

Die häufigste Ursache für eine Ketoacidose ist ein entgleister Diabetes. Hiervon sind vor allem Typ-1 Diabetiker und insulinpflichtige Typ-2 Diabetiker betroffen.

Der relative oder absolute Insulinmangel mit erhöhten gegenregulatorischen Hormonen (vor allem Glukagon, aber auch Katecholamine, Wachstumshormon und Cortisol) stimulieren die Lipolyse, und in weiterer Folge die Herstellung von Acetyl-CoA aus Fettsäure. Die große Menge an erzeugtem Acetyl-CoA übersteigt die Kapazität des Krebs-Zyklus, und der Überschuss wird auf die Ketonkörperproduktion überführt.

Zweitens führt der Mangel an Insulin zu einer verminderten Glukoseausnutzung und einer Verringerung der Oxalacetatproduktion (Acetyl-CoA kondensiert mit Oxalacetat, um in den Krebs-Zyklus einzutreten). Die reduzierte Menge an Oxaloacetat verringert weiter die Fähigkeiten des Krebs-Zyklus, um Acetyl-CoA aufzunehmen. Acetyl-CoA wird dann vom Eintritt in den Krebs-Zyklus abgeleitet und tritt stattdessen in den ketogenen Weg ein[2].

Alkoholische Ketoacidose

Eine weitere Möglichkeit ist die alkoholische Ketoacidose. Alkohol hemmt die Gluconeogenese und die Oxidation freier Fettsäuren in der Leber. Alkoholmissbrauch ist zusätzlich oft mit Mangelernährung, entleerten Glykogenspeichern und anderen metabolischen Stressoren verbunden[3].

Salicylatvergiftung

Salicylat- oder auch Aspirinvergiftung kann sowohl akut als auch chronisch auftreten. Die Acidose entsteht durch mehrere Mechanismen. Einerseits durch das uncoupling der mitochondrialen oxidativen Phosphorylierung, was zu einem Wechsel auf anaerobe Glycolyse, einem Anstieg von Lactat und schließlich zu einer Lactatacidose führt. Auf der anderen Seite erhöhen Salicylate den Fettabbau. Zu guter Letzt trägt die Salicylsäure selbst zu einer Acidose bei.

Angeborene Stoffwechselstörungen

Es gibt einige seltene angeborene Stoffwechselerkrankungen, die die Entstehung einer Ketoacidose begünstigen. Solche schweren Stoffwechselstörungen zeigen sich meistens schon in früher Kindheit durch Episoden wiederkehrender Ketoacidose.

Hintergrund der Fallstudie

Nun zur eigentlichen Fallbeschreibung. Vorgestellt wird der Fall einer 32-jährigen Frau. Sie stillt ihren 10 Monate alten Sohn. 10 Tage, nachdem sie mit einer LCHF Diät gestartet hat, wird sie mit Übelkeit und Erbrechen in das Spital eingeliefert.

Daten bei Einlieferung

Wert Messung
Blutzucker 70 mg/dl
Ketonkörper im Serum 7.1 mmol/l

 

Behandlung

Intramuskuläre Vitamin B Injektion, Glucoseinfusion sowie Insulin (4 Units in 24 h). Die Frau wurde nach drei Tagen entlassen.

Eine Diabetes mellitus Erkrankung wurde durch entsprechende Labortest ausgeschlossen (…normal blood glucose and C-peptide, glycated hemoglobin (HbA1c) 37mmol/mol and negative autoantibodies: islet antigen number 2 (IA2) <15 kE/L, reference <15 and glutamic acid decarboxylase (GAD) <5 kE/L, reference <5. No drugs could be detected in her blood and her kidney function was normal (S-creatinine 67μmol/L, reference 45 to 90…).

Kein Hinweis auf Drogenmissbrauch, kein Hinweis auf eine gestörte Nierenfunktion. Die Diagnose lautet: Ketoacidose durch Hungern.

[…] The lack of other possible explanations supported the primary diagnosis: ketoacidosis due to starvation. […]

Was lernen wir aus diesem Fall?

Zu aller erst wollten wir festhalten, dass ein Ketonwert von 7.1 mmol/l normalerweise noch nicht als Ketoacidose eingestuft wird. In der diabetischen Azidose sprechen wir von Werten ≥15 mmol/l. Nur um sich die Verhältnisse bewusst zu machen.

Nichts destotrotz muss man anerkennen, dass es in gesunden Menschen, unter bestimmten Voraussetzungen, zu einem sehr hohen Anstieg an Ketonkörpern kommen kann, und dies mit Unwohlsein, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen einhergeht. Fälle von Ketoacidose, ohne Diabetes, sind sehr selten uns dies ist der erste Fall, in dessen Zusammenhang LCHF erwähnt wird. In wieweit ein ursächlicher Zusammenhang mit der Ernährungsform selber besteht unterliegt reiner Spekulation, denn in allen anderen berichteten Fällen scheinen außergewöhnliche physiologische Stressoren den gemeinsamen Nenner zu bilden. Extremes Fasten, Stillen und Fasten, Infektionen und in einem Fall eine Magenverkleinerung, dürften den Push-Faktor in die Ketoacidose dargestellt haben[4] [5] [6] [7] [8] [9].

Laktations-Ketose oder Ketoacidose der Milchkuh

Die Laktations-Ketose ist gut beschrieben in der Veterinärliteratur[10]. Milchkühe produzieren gigantische Milchmengen. Es wird angenommen, dass Laktations-Ketose auftritt, weil das Tier während der Laktation oftmals nicht in der Lage ist, eine ausreichende Energieaufnahme und Gluconeogenese zu gewährleisten, um den erhöhten Substratbedarf der Laktation gerecht zu werden. Die Milchproduktion während der Laktation ist extrem energieintensiv, was zu einer hohen Glukoseausnutzung führt. Wiederkäuer sind auf hepatische Glukoneogenese als Glukosequelle für die Milchproduktion angewiesen. Wenn eine ausreichende Energieaufnahme und Gluconeogenese nicht aufrechterhalten werden kann, ergibt sich ein hypoglykämischer, hypoinsulinämischer Zustand. Genau wie beim Menschen stimuliert dies den Abbau von Fettgewebe, die Erhöhung der Substratverfügbarkeit und die Ketonbildung[11].

„Längeres Fasten in Kombination mit verschiedenen Formen von Stress bringt stillende Frauen in Gefahr für Hunger Ketoazidose und sollte daher vermieden werden.“

Laktations-Ketose beim Menschen

Laktations-Ketose beim Menschen ist extrem selten, aber nicht unmöglich. Die Entstehung einer solchen Ketoacidose hat ihren Ursprung in einer energetischen Unterversorgung. In allen anderen Fällen, außer dem oben beschriebenen, war der Auslöser ein massives kalorisches Defizit und nicht die Umsetzung einer LCHF Ernährung[12].

Fasten und drastische Kalorienrestriktion kann während der Stillzeit tatsächlich gefährlich sein und zu einer Laktations-Ketoacidose führen[13]. Die Autoren einer anderen Fallstudie kommen zu folgendem Schluss: „Während unter normalen Umständen das Fasten höchstens nur milde Azidose verursacht, kann es während der Laktation gefährlich sein. Längeres Fasten in Kombination mit verschiedenen Formen von Stress bringt stillende Frauen in Gefahr für Hunger Ketoazidose und sollte daher vermieden werden.“

Mehr zur Energiegewinnung aus Ketonkörpern

Ketose, Fettverbrennung und metabolische Flexibilität

Fazit

Es gibt keine Hinweise darauf, dass LCHF oder ketogene Ernährung bei gesunden Menschen zu einer lebensbedrohlichen Ketoazidose führen kann. Jedoch können gesunde Menschen, unter besonderen Bedingungen, eine Ketoazidose erleiden. Solche Bedingungen wären extremes Fasten, Infektionen, Laktation, Operationen – bzw. eine Kombination dieser Bedingungen. Stillende Frauen haben einen sehr hohen Energiebedarf und aus diesem Grund ist das durchführen jeder kalorienrestriktiver Diät absolut zu vermeiden.

Referenzen

[1]von Geijer, Louise, and Magnus Ekelund. „Ketoacidosis associated with low-carbohydrate diet in a non-diabetic lactating woman: a case report.“ Journal of medical case reports 9.1 (2015): 224.

[2] Wallace TM, Matthews DR. Recent advances in the monitoring and management of diabetic ketoacidosis. QJM. 2004 Dec;97(12):773–80.

[3] Cartwright MM, Hajja W, Al-Khatib S, et al. Toxigenic and metabolic causes of ketosis and ketoacidotic syndromes. Crit Care Clin. 2012 Oct;28(4):601–31.

[4] Szulewski A, Howes D, Ross Morton A. A severe case of iatrogenic lactation ketoacidosis. BMJ Case Reports. 2012. doi:10.1136/bcr.12.2011.5409

[5] Chernow B, Finton C, Rainey TG, O’Brian J. ‘Bovine ketosis’ in a nondiabetic postpartum woman. Diabetes Care. 1982;5(1):47–9. doi: 10.2337/diacare.5.1.47

[6] Sandhu HS, Michelis MF, DeVita MV. A case of bovine ketoacidosis in a lactating woman. NDT Plus. 2009;2:278–9

[7] Heffner AC, Johnson DP. A case of lactation “bovine” ketoacidosis. J Emerg Med. 2008;35:38. doi: 10.1016/j.jemermed.2007.04.013

[8] Altus P, Hickman JW. Severe spontaneous ‘bovine’ ketoacidosis in a lactating woman. J Indiana State Med Assoc. 1983;76:392–3.

[9] Monnier D, Goulenok T, Allary J, Zarrouk V, Fantin B. Starvation ketosis in a breastfeeding woman. Rev Med Interne. 2015; Epub Apr 22.

[10] Holtenius P, Holtenius K. New aspects of ketone bodies in energy metabolism of dairy cows: a review. Zentralbl Veterinarmed A. 1996 Dec;43(10):579–87.

[11] Oetzel GR. Herd-level ketosis diagnosis and risk factors. Presentation at the 40th annual conference of the American Association of Bovine Practitioners; 2007 Sep 19; Vancouver, British Columbia, Canada. Madison, WI: University of Wisconsin, School of Veterinary Medicine; 2007.

[12] Gleeson, Sarah, Eoin Mulroy, and David E. Clarke. „Lactation ketoacidosis: an unusual entity and a review of the literature.“ The Permanente Journal 20.2 (2016): 71.

[13] Hudak, Sarah K., et al. „Ketoacidosis in a non-diabetic woman who was fasting during lactation.“ Nutrition journal 14.1 (2015): 117.

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Evolution Radio Show - Was Welt und Klima wirklich hilft: Wie die Agrarindustrie die Erde verwüstet und was wir dagegen tun können – Interview Dr. Anita Idel http://www.evolutionradioshow.de/112 Mon, 22 May 2017 07:02:00 +0000 https://paleolowcarb.de/?guid=725471a5d9f3faa1e32f38a0fa855d69

In Folge #112

Das Video der aktuellen Folge direkt auf Youtube öffnen Und nicht vergessen: Wenn du uns auf Youtube siehst, und wenn du es noch nicht getan hast, dann abonniere unseren Kanal „Evolution Radio Show“ Wenn du das Podcast hörst, dann findest du die Links für Apple iTunes und Android hier auf unserer Homepage

Kurze Zusammenfassung

Frau Dr. Anita Idel ist Tierärtzin, Mediatorin und Buchautorin. Sie war Lead-Autorin im Weltagrarrat (International Assessment of Agricultural Science, Knowledge and Technology for Development IAASTD). Die ausgebildete Tierärztin arbeitet als Projektmanagerin und Beraterin für eine nachhaltige Landwirtschaft. Im Zentrum steht die Integration nachhaltiger Tierhaltungs- und insbesondere Beweidungssysteme zur Förderung der Bodenfruchtbarkeit, der biologischen Vielfalt und der Tiergesundheit. Was wenigen bewußt ist, die heutigen Kornkammern der Welt sind ehemalige Steppenböden (also Grasland) – ihre gigantische Fruchtbarkeit ist durch jahrtausendelange Beweidung entstanden. Weidetiere und Wiederkäuer haben seit der letzten Eiszeit einen entscheidenden Beitrag zur Entwicklung der Böden und deren Fruchtbarkeit geleistet. Ob die Prärie in Nordamerika, die Pampa in Argentinien, die Schwarzerdeböden in der Ukraine – sie alle sind Steppenböden, die ihre gigantische Fruchtbarkeit ihrer Nutzungsart verdanken: Jahrtausendelange Beweidung hat meterdicke Humusschichten entstehen lassen und bewahrt. Die intensive Landwirtschaft, mit gigantischen Monokulturen und Kunstdünger, das verschwinden extensiver Beweidung und die Intensivierung der Tierhaltung, all das lässt die fruchtbare Bodenschicht und auch Kohlenstoff aus dem Boden verschwinden. Frau Dr. Idel spricht in dem Interview über die Zusammenhänge und welchen Beitrag die Kuh zum Klimaschutz leisten kann.

Bücher

Die Kuh ist kein Klimakiller!: Wie die Agrarindustrie die Erde verwüstet und und was wir dagegen tun können (Agrarkultur im 21. Jahrhundert) - Anita Idel

Mit ihrem viel beachteten Buch „Die Kuh ist kein Klimakiller“, das im Mai 2016 in sechster Auflage im Metropolis Verlag erschienen ist, leistet Dr. Idel einen sehr wichtigen Beitrag zur aktuellen Nachhaltigkeitsdebatte: Sie diskutiert die Unterschiedlichkeit von Agrarsystemen und verdeutlicht die Potenziale nachhaltiger Tierhaltung für die Welternährung. In den Fokus stellt sie mit den „globalen Landschaftsgärtnern“ den Beitrag der Rinder zur Bodenfruchtbarkeit – bis zur und seit der Sesshaftwerdung des Menschen. Entgegen der gängigen Wachstumsrhetorik erhält die Diskussion über die Naturschutzziele im Agrarraum dadurch im Hinblick auf die Erhaltung der Biodiversität und die primärästhetische Qualität der Landschaft eine neue Dimension Die Autorin liefert in ihrem preisgekrönten Werk in sehr unterhaltsamer Weise eine Fülle fundierter Fakten und Denkanstöße und damit ein besonders überzeugendes Plädoyer für den Erhalt des artenreichen Grünlands – für nachhaltigen Natur- und Klimaschutz! Die Kuh ist kein Klimakiller!: Wie die Agrarindustrie die Erde verwüstet und und was wir dagegen tun können Vortrag Video Bio-Fach 2014

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Buchrezension „THE OBESITY CODE…UNLOCKING THE SECRETS OF WEIGHT LOSS” https://paleolowcarb.de/buchrezension-the-obesity-code-unlocking-the-secrets-of-weight-loss/ https://paleolowcarb.de/buchrezension-the-obesity-code-unlocking-the-secrets-of-weight-loss/#respond Thu, 18 May 2017 08:00:55 +0000 https://paleolowcarb.de/?p=29698 „THE OBESITY CODE…UNLOCKING THE SECRETS OF WEIGHT LOSS”

(Der Code der Fettleibigkeit…Die Entschlüsselung der Geheimnisse der Gewichtsabnahme)

Autor: Dr. Jason Fung (Facharzt für Nephrologie/Nierenerkrankungen, Kanada)

Dieses Buch, welches in deutscher Übersetzung momentan noch nicht erhältlich ist, hat das Potential, alle bisher gängigen Lehren und Theorien über Fettleibigkeit, Gewichtsregulierung und Diabetes Typ 2 über den Haufen zu werfen. Es ist in allgemein verständlicher Sprache geschrieben, folgt einem roten Faden und lässt sich überaus flüssig lesen. Fungs unterhaltsame und humoristische Note sorgt immer wieder für Schmunzeln oder Lachen.

Dem Leser werden die Augen geöffnet über die verheerenden Auswirkungen offizieller Ernährungs- und Behandlungsempfehlungen. Am Ende herrscht Klarheit, basierend auf einer unwiderlegbaren Biologie mit logischer Einfachheit, über die Ursachen der über den Globus schwappenden Adipositas- und Diabetes Typ 2- Epidemie.

Die meisten Menschen haben zumindest schon einmal in ihrem Leben versucht abzunehmen und mussten dabei erfahren, dass es mit den gebetsmühlenartig gepredigten Ratschlägen von Ärzten und Ernährungsberatern, man solle einfach weniger essen und sich mehr bewegen, dauerhaft nicht funktioniert. Man unterliegt unweigerlich dem Jo-Jo-Effekt.

Zwangsläufig sucht man dann die Schuld in der eigenen Willensschwäche und mangelnden Disziplin. Mit der Lektüre dieses Buches konnte ich die Last dieser Schuldgefühle gänzlich abwerfen und weiß nun genau, dass nicht Kalorien oder Makronährstoffe darüber entscheiden, ob man Gewicht verliert, sondern was und wann wir essen und wie die hormonelle Antwort unseres Körpers darauf ist. Das war für mich nach all meinen vergeblichen Abnehmversuchen überraschend und tröstlich zugleich.

Was läuft falsch? Wie konnte es dazu kommen, dass wir mittlerweile Fettleibigkeit an unsere Kinder vererben?

Diesen Fragen geht Dr. Fung auf den Grund und es gelingt ihm von Kapitel zu Kapitel aufeinander aufbauend, die Theorie von Kalorienaufnahme vs. Kalorienverbrennung als Schlüssel zum Gewichtsmanagement zu entkräften.

Fung vertritt den Standpunkt, dass die Ursachen der Fettleibigkeit nicht in einer kalorischen, sondern in einer hormonellen Dysbalance zu suchen sind und stellt dabei das Insulin als mächtigstes Hormon zur Gewichtsregulierung in den Mittelpunkt. Basierend auf dieser Hormon-Theorie sieht Fung die Insulinresistenz als größte Ursache für die Entstehung von krankhaftem Übergewicht. Sämtliche seiner Thesen sind durch wissenschaftliche Studien an Menschen und Beobachtungen an seinen Patienten belegt. Er räumt mit Mythen und Irrtümern auf, denen sowohl Abnehmwillige als auch Ärzte und Gesundheitsbehörden mangels besseren Wissens regelmäßig unterliegen.

Doch lassen Sie mich nun meine persönlichen Erkenntnisse und Lehren aus dem Buch schildern.

 

„Übergewicht kommt von übermäßiger Kalorienzufuhr und zu wenig Bewegung.

Wer abnehmen will, muss weniger Kalorien aufnehmen als er verbraucht und sich mehr bewegen.“

Falsch! Der menschliche Stoffwechsel ist ein sich im Wesentlichen über Hormone selbst regulierendes System (Homöostase). Gängigen Ernährungslehren folgend war ich immer der Annahme, dass Kalorienaufnahme und Kalorienverbrennung unabhängig voneinander erfolgen und eine Kalorie eben eine Kalorie und das Ganze mit reiner Mathematik zu regeln sei. Dem ist nicht so, wie Fung erklärt.

Hunger und Sättigung unterliegen nicht ausschließlich unserem Willen, eine bestimmte Anzahl von Kalorien aufzunehmen oder durch Bewegung zu verbrauchen. Sie stehen unter dem modulierenden Einfluss von Hormonen.

Ebenso wenig können wir willentlich beeinflussen, wofür der Körper die aufgenommene Energie verwendet, ob z.B. zur Regulierung der Körpertemperatur, für Reparaturprozesse, Haar- und Nagelwachstum oder eben zur Fettspeicherung.

Eine Kalorie aus Olivenöl erzeugt nicht die gleiche Stoffwechsel- und Hormonreaktion wie eine Kalorie aus Zucker. Diese Erkenntnis ist das eigentliche Debakel, glaubte ich doch immer, durch den um ca. 50 % niedrigeren Energiegehalt von Kohlenhydraten gegenüber Fett davon die doppelte Menge essen zu können, umso länger satt zu sein und weniger Hunger zu haben. Die Annahme, allein durch Kalorien zählen Gewicht abnehmen zu können, ist ein großer Irrtum.

Was verursacht dann Gewichtszunahme?

Fung stellt dem Leser die provokante Frage:„Wie kann ich jeden Menschen fett machen?“ Seine Antwort: „Indem ich Insulin verschreibe!“ Mit der Verabreichung von Insulin wird zwangsläufig jeder an Gewicht zulegen, egal was er isst und egal ob er willensstark ist und Sport betreibt.

Patienten, die regelmäßig Insulin spritzen und Ärzte die es verschreiben, kennen diese bittere Wahrheit schon längst. Die Hypothese, dass Insulin ein Dickmacher ist, lässt sich also recht einfach beweisen. Absolut logisch und nachvollziehbar ist somit auch, dass ein andauernd hoher Insulinspiegel die Fettspeicher wachsen lässt und unser „Fett-Thermostat“, also das vorherbestimmte Körpergewicht (Body set weight) zu hoch eingestellt wird.

Spätestens an dieser Stelle des Buches drängt sich mir der Gedanke auf, dass es wohl mein vorherbestimmtes Schicksal ist, fettleibig zu sein. Und dass mein Körper auch nach meiner erzielten Gewichtsabnahme zwangsläufig immer wieder zu diesem Ausgangsgewicht aufgrund meiner vorherigen lebenslangen Adipositas und Insulinresistenz zurückkehren wird.

Fung erklärt das mit deutlichen Worten: Jemand, der über Jahrzehnte im Teufelskreis aus wachsender Insulinresistenz und Fettleibigkeit feststeckte (so auch ich), hat selbst bei einer Ernährungsumstellung immer noch einen hohen Insulinspiegel, der das Body set weight (das Fett-Thermostat) zu hoch eingestellt bleiben lässt.

Und somit steigt das Gewicht unausweichlich immer wieder. Je länger man fett war, umso schwerer wird es, dieses Übel auszurotten. Fettleibigkeit ist ein sich selbst vorantreibender Kreislauf, der umso schwieriger zu durchbrechen ist, je länger er bestanden hat.

Ernährungsumstellung allein ist nicht das Allheilmittel. Dieser knallharte Faustschlag in mein Gesicht deprimierte und beängstigte mich so sehr, dass ich am liebsten das Buch hinschmeißen und heulen wollte. Doch so viel vorab: Die versöhnliche Problemlösungsstrategie verrät Fung im letzten Drittel des Buches (Part Six, The Solution). Gott sei Dank habe ich weitergelesen!

Die Ursache für permanent hohe Insulinspiegel erklärt Fung mit unserem heutigen Lebensstil, der im Wesentlichen aus Dauerstress, nicht mehr ausreichenden Esspausen und dem bevorzugten Verzehr von hoch verarbeiteten stärke- und zuckerhaltigen Lebensmitteln besteht, die bequem, schnell und ständig verfügbar sind.

Allgegenwärtig und auch für mich noch stark in Erinnerung geblieben sind dabei die gepredigten Ratschläge, man solle lieber 5 – 6 kleine Mahlzeiten am Tag statt 2 – 3 Hauptmahlzeiten (wie noch zu Großmutters Zeiten) und wenn nötig, bei aufkommenden Hungergefühlen Zwischenmahlzeiten in Form von Obst, wenig Fett, und überwiegend satt machenden Kohlenhydraten zu sich nehmen.

Wie ich lerne, ist das Frühstück nicht die wichtigste Mahlzeit, welche für einen schwungvollen Start in den Tag zwangsläufig benötigt wird, sondern eine Mahlzeit des Tages. Denn jeden Morgen, noch bevor wir erwachen, wird unser Körper von einem mobilisierenden Hormoncocktail und Blutzuckeranstieg durchflutet (Dawn-Phänomen), der uns fit für den Tag macht. Ein Frühstück ist somit überflüssig.

Die Nahrungsmittelindustrie hält aber für jede Gelegenheit den passenden Snack bereit. Unser Stoffwechsel kommt kaum noch zur Ruhe und der Nachschub an Insulin reißt nicht ab und strömt mit nahezu jeder Nahrungsaufnahme ins Blut.

Sogar Eiweiß hat ähnliche Effekte auf das Insulin wie Kohlenhydrate/Zucker, auch wenn es den Blutzuckerspiegel nicht anhebt. Es ist nur eine logische Konsequenz, dass dieser übermäßige Insulinausstoß auf Dauer unsere Insulinsensitivität absenkt. Es werden immer größere Mengen an Insulin benötigt, um die gleiche Wirkung zu erzielen. Das führt zu einer Insulinresistenz und wir werden jährlich immer dicker und kränker.

Damit erklärt Fung auch die Weitergabe von Fettleibigkeit an unseren Nachwuchs schon im Mutterleib. Hohe Insulinspiegel im mütterlichen Blut übertragen sich auf den Fötus und folglich kommt der Säugling dann bei der Geburt mit erhöhtem Insulinspiegel und verminderter Insulinsensitivität auf die Welt. Damit ist der Grundstein zum Dickwerden gelegt.

Fung arbeitet sehr analytisch alle in Frage kommenden Faktoren für eine Insulinausschüttung heraus: das sind z.B zugesetzer Zucker, Weißmehlprodukte, zu viel tierisches Eiweiß, das Stresshormon Cortisol, Schlafmangel oder ständiges snacken.

Das Ergebnis ist eine sich entwickelnde Insulinresistenz, die aufgrund eines andauernd hohen Insulinspiegels entsteht, welcher wiederum die Dosis des ausgeschütteten Insulins immer weiter erhöht, was letztlich die Resistenz immer stärker werden lässt – ein Teufelskreis!

Ein extra Kapitel widmet Fung dabei den besonders gefährlichen und schädlichen Auswirkungen der heutzutage allgegenwärtigen und in Übermaßen verzehrten Fructose (Stichwort Fettleber).

Nachdem Fung zweifelsfrei herausgearbeitet hat, dass Insulin und Insulinresistenz die treibenden Faktoren für die Entwicklung von krankhaftem Übergewicht sind, werde ich langsam unruhig betreffend der Lösung dieses Problems. Von einer kohlenhydratarmen, fettreichen Ernährung mit natürlichen unverarbeiteten Lebensmitteln muss ich nicht mehr überzeugt werden, denn damit konnte ich ja mein Gewicht schon erheblich reduzieren.

Dass Sport wichtig ist und viele positive Effekte hat, jedoch kein Wundermittel zur Gewichtsabnahme ist, wird in diesem Buch auch sehr gut erklärt. Wie aber kann ich meinen Gewichtsverlust dauerhaft managen und mein persönliches Fett-Thermostat noch weiter herunterregeln? Wissend, dass meine Altlast namens Insulinresistenz immer wieder versuchen wird, dies zu boykottieren.

Ich befürchtete, das könnte ein langfristiges Projekt werden und hoffte, dass mich das Buch dafür wenigstens mit einem passablen Werkzeug wappnen würde. Ich sollte nicht enttäuscht werden – das Beste zum Schluss!

Der Fokus liegt also darauf, die Insulinproduktion zu dämpfen und den Insulinspiegel abzusenken. Doch wie soll das gehen, wenn jegliche Nahrungsaufnahme Insulin provoziert?

 

Zur Dämpfung der Insulinantwort nennt Fung zwei wesentliche Schutzfaktoren, nämlich mehr Ballaststoffe und Essig (z. B. 2 EL naturtrüben Apfelessig in 1 Glas Wasser gelöst) in der täglichen Ernährung. Ballaststoffe können Insulin stimulierende Effekte von Kohlenhydraten reduzieren. Essig kann helfen, die Menge des ausgestoßenen Insulins zu reduzieren. Da ich schon so viel Gutes über Apfelessig gehört habe, beschließe ich, ab sofort ca. 15 min vor jeder Mahlzeit 2 EL Apfelessig zu mir zu nehmen. Auch wenn das nicht besonders lecker ist und zunächst Überwindung kostet.

Einziges und zugleich effektivstes Mittel zur Absenkung des Insulinspiegels und langfristigen Bekämpfung einer Insulinresistenz ist jedoch das Fasten. Evolutionsgeschichtlich musste der Mensch schon immer mit Zeiten ohne Nahrung klarkommen. Aber heutzutage bei all dem Überfluss hungern, soll das die Lösung sein?

Als ob Fung die Aufschreie der Leser schon ahnen würde, stellt er die Unterschiede zwischen hungern und fasten klar: Hungern ist ein unfreiwilliger und unkontrollierbarer Zustand aufgrund fehlender Nahrungsmittel. Fasten hingegen bedeutet freiwilliger Verzicht auf Nahrung in einem von uns selbst bestimmten Zeitfenster. Seine äußerst detailreiche Behandlung des Themas Fasten stellt für mich den aufschlussreichsten und zugleich amüsantesten Teil des Buches dar.

Ironisch und anhand nachweislicher Argumente widerlegt Fung bekannte und propagierte Vorurteile, Ängste und Behauptungen über das Fasten. Behauptungen, die auch ich regelmäßig in meinem Bekanntenkreis höre, wenn ich über meine Fastenaktivitäten berichte.

Fung unterscheidet eindeutig zwischen Hungern, also der gängigen Lehre von der Kalorienrestriktion, die genau zu diesen nachteiligen hormonellen Anpassungseffekten führt, und zwischen sauber durchgeführtem Fasten (0 kcal), welches genau das Gegenteil bewirkt.

 

Hier nun die drei gängigsten Mythen und Fungs Gegenargumentation:

 

„Beim Fasten verliert man Muskelmasse und verbrennt Eiweiß.“

 

Fung: Muskelabbau/Eiweißverbrennung passiert nur bei einem extrem niedrigen Körperfettanteil von weniger als 4 %, worüber sich die meisten von uns nicht sorgen müssen. Der menschliche Körper ist so gebaut, um Zeiten ohne Nahrung zu überstehen. Fett ist gespeicherte Energie und Muskeln sind Funktionsmasse. Die Situation wäre in etwa damit zu vergleichen, einen großen Stapel Feuerholz zu horten, aber stattdessen das Sofa zu verfeuern – wirklich blöd! Warum glauben wir, dass der menschliche Körper so dumm ist? Unser Körper erhält die Muskelmasse so lange, bis die Fettspeicher so niedrig sind, dass er um zu überleben, keine andere Wahl hat, als Muskeln zur Energiegewinnung zu nutzen.

„Das Gehirn braucht Glukose, um zu funktionieren.“

 Fung: Falsch! Das menschliche Gehirn kann Ketone als Energiequelle nutzen.

Wäre Glukose absolut überlebensnotwendig, würden die Menschen nicht überleben, da nach 24 Stunden ohne Nahrung die Glykogenspeicher leer sind. Hätte unser Gehirn keine Alternative, würden wir alle zu „blubbernden Idioten“ verkommen, da unsere Gehirne „abschalten“ würden. Unser Intellekt, ein Vorteil gegenüber wilden Tieren, würde dann einfach verschwinden. Fett ist ein Langzeitspeicher, während Glukose/Glykogen ein schnell verfügbarer Kurzzeitspeicher ist. Wenn der Kurzzeitspeicher verbraucht ist, greift der Körper ohne Probleme auf seine Langzeitspeicher zurück. Die tatsächlich benötigte geringe Menge Glukose wird in der Leber über Glukoneogenese bereitgestellt.

„Fasten versetzt dich in den Hungermodus und fährt den Stoffwechsel/Grundumsatz herunter.“

 Fung: Wenn dem wirklich so wäre, hätte das einen großen Nachteil für das Überleben der menschlichen Spezies bedeutet. Denn wenn während einer Periode ohne Nahrung der Stoffwechsel herunterfahren würde, hätten wir weniger Energie für Jagd und Nahrungssuche. Mit verminderter Energie stünden die Erfolgschancen also schlechter. Mit jedem weiteren Tag ohne Nahrung würden wir schwächer und die Chancen auf erfolgreiche Jagd würden weiter sinken. Ein gefährlicher und nicht überlebbarer Teufelskreis – einfach dumm! Es gibt einschließlich dem Menschen keine tierische Spezies, die sich so entwickelt hätte, dass sie jeden Tag 3 Mahlzeiten brauchen würde. Dieser Mythos kommt wahrscheinlich daher, dass hungern im Sinne von Kalorienrestriktion tatsächlich zu einem verminderten Stoffwechsel führt und man deshalb annimmt, dass sich dieser Effekt bei einer Restriktion auf 0 kcal um ein Vielfaches steigern würde.

 

Anhand beeindruckender Zahlen belegt Fung die hormonellen Auswirkungen des Fastens: Fasten stimuliert die Ausschüttung von Wachstumshormonen, diese bewirken den Erhalt von Muskel- und Knochenmasse. Während einer fünftägigen Fastenperiode wird die Ausschüttung von Wachstumshormonen mehr als verdoppelt!

Nach 24 Stunden Fasten beginnt der Adrenalinspiegel zu steigen. 48 Stunden Fasten steigert die metabolische Rate um 3,6 %. Nach einer viertägigen Fastenphase ist der Grundumsatz um bis zu 14 % gestiegen. Anstatt also den Stoffwechsel zu verlangsamen, wird dieser auf Touren gebracht. Der Insulinspiegel sinkt umso mehr, je länger man fastet. Der Blutzuckerspiegel hingegen bleibt stabil.

Auch bei verlängerten Fastenperioden konnten Studien keine Mangelernährung oder Mikronährstoffdefizite nachweisen. Studien zu Alternate Day Fasting (ADF), dem periodischen Fasten über einen Zeitraum von 70 Tagen, zeigten einen Gewichtsverlust von 6 %, während der Fettanteil um 11,4 % sank. Der Anteil der Magermasse inklusive Muskeln und Knochen veränderte sich dabei nicht. Auch deutliche Verbesserungen beim LDL-Cholesterin und den Triglyceriden wurden gemessen.

 

Wieviel Beweise brauchen Skeptiker noch?

Mich jedenfalls hat Fung mit seiner zwingenden Logik restlos von der Wirksamkeit und Effizienz des Fastens überzeugt.

Im Sommer 2016 habe ich das Buch gelesen, danach stand mein Plan fest: Ich werde es ausprobieren und die am besten zu meinem Alltag passenden Varianten dann fest in mein Leben integrieren. Ich bin überzeugt, dass dies neben einer kohlenhydratarmen, fettreichen und natürlichen Ernährung die einzig logische Konsequenz für meinen Kampf gegen Insulinresistenz und Gewichtszunahme ist und ich so mit der nötigen Geduld auch noch die letzten hartnäckigen Kilos bezwingen kann.

Mittlerweile faste ich regelmäßig: einmal 2 Tage die Woche, manchmal 16:8 oder 24 bzw. 36 Stunden. Auch 7 Tage durchgehend habe ich schon problemlos überstanden. Das einzig Unangenehme ist, dass ich nach ca. 20 Stunden Fasten leicht zu frösteln beginne.

Dank meiner Erkenntnisse weiß ich aber, was dass bedeutet: meine Glykogenspeicher sind leer. Nun wird das Notstromaggregat, also der Zugriff auf die Fettreserven, eingeschaltet.

Nach einer anfänglichen Adaptionsphase habe ich heutzutage weder Hunger noch sonstige Einschränkungen. Meine Gedanken sind klarer und konzentrierter und beim Sport bin ich viel leistungsfähiger. Adrenalin für die erfolgreiche Jagd ;-).

Fungs Erkenntnisse und Argumente kann ich anhand meiner eigenen Erfahrungen nur bestätigen.

Dieses Buch ist das perfekte Handwerkszeug, um endlich erfolgreich und dauerhaft abzunehmen. Es regt den Leser zum Nach- und Umdenken an und ist für alle Ratsuchenden ein ideales Nachschlagewerk.

Im Anhang beantwortet Fung häufig gestellte Fragen zum Fasten und stellt sogar verschiedene Fastenprotokolle zur Verfügung. Ebenso findet man praktische Anleitungen sowohl zum Verhalten beim Fasten als auch zur Stressminderung und Verbesserung des Schlafes. Also eigentlich alles, was man zur Absenkung des Insulinspiegels gebrauchen kann.

Seien Sie neugierig und tasten Sie sich langsam Schritt für Schritt mit Jason Fungs Hilfe voran! Eröffnen Sie Ihrer Gesundheit ganz neue Horizonte! Es lohnt sich!

Ich wünsche mir, dass spätestens mit Erscheinen einer deutschen Ausgabe des Buches viel mehr Ärzte einen Paradigmenwechsel wagen. Mögen sie mutig Jason Fungs Beispiel der Implementierung neuer (eigentlich ganz alter) Therapiekonzepte zur Behandlung von Adipositas und Diabetes Typ 2 folgen!

 

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Evolution Radio Show - Upgrade für die Füße – alles was Du über das Barfußlaufen wissen musst. Interview mit Constantin Gonzales http://www.evolutionradioshow.de/111 Mon, 01 May 2017 09:18:00 +0000 https://paleolowcarb.de/?guid=0e24fc03962bc6745e4f53b07c77bffb In Folge #111 Das Video der aktuellen Folge direkt auf Youtube öffnen Und nicht vergessen: Wenn du uns auf YouTube siehst, und wenn du es noch nicht getan hast, dann abonniere unseren Kanal „Evolution Radio Show“ Wenn du das Podcast hörst, dann findest du die Links für Apple iTunes und Android hier auf unserer Homepage

Kurze Zusammenfassung

Constantin Gonzalez ist Diplom-Informatiker und arbeitet in der IT-Branche. Seit 2008 beschäftigt er sich intensiv mit Ernährung, Gesundheit und aktueller Forschung dazu. Mit dem Blick eines Technologen versucht er, das Signal vom Rauschen in der verwirrenden Welt der Ernährungs-Theorien zu trennen und die Gebrauchsanweisung für den Menschen (wieder) zu finden. Auf der Suche nach einem Erklärungsmodell fiel ihm die Paleo-Ernährung auf. Endlich eine Möglichkeit, das Wissen um Ernährung in ein fundiertes, strukturiertes und sinnvolles Modell einzuordnen, das die Herkunft des Menschen mit seinem genetischen Erbe, modernste Erkenntnisse aus Biochemie und Medizin sowie neue und alte Erfahrungen aus verschiedenen Kulturen zu einem stimmigen Modell verbindet. Mit der Paleo-Ernährung hat Constantin 18 kg abgenommen und ist fitter als je zuvor. „Wehwehchen“ und „Zipperlein“ sind verschwunden, Sport ist kein notwendiges Übel, sondern macht Spaß. Ein Thema, mit dem sich Constantin besonders viel beschäftigt, ist Barfußlaufen. Hersteller von Sportschuhen wollen uns einreden, dass der menschliche Fuß etwas zerbrechliches, ja Imperfektes ist, das evolutionär nur gezwungenermaßen damit zurecht kommen musste zum Gehen genötigt zu werden, und daher Hilfe braucht. Daher wird in der Werbung immer die Dämpfung der Schuhe hervorgehoben: Der Aufprall beim Laufen muss ja abgefedert werden, damit er nicht die empfindlichen Knochen und Gelenke von Fuß, Knie und Becken trifft. Einmal mehr haben Evolutionsforscher inzwischen herausgefunden, dass das Gegenteil der Fall ist: Die hohe Komplexität des menschlichen Fußes ist natürlich ein Ergebnis von Millionen von Jahren von Evolution. Es handelt es sich um ein hochspezialisiertes Organ, dass sich optimal an seine Aufgabe, das Gehen, Laufen und Sprinten, angepasst hat. Um das zu erleben, muss man dem Fuß erst einmal seine Arbeit machen lassen! Unter anderem in dieser Folge • Warum es wichtig ist, wieder ohne Schuhe laufen zu lernen • Wie man am besten anfängt und worauf Du unbedingt achten solltest • Die besten Schuhe für den Barfußläufer • Welche Vorteile es hat, öfter mal mit nackten Füßen durch die Wiese zu gehen Unter anderem in dieser Folge
  • Warum es wichtig ist, wieder ohne Schuhe laufen zu lernen
  • Wie man am besten anfängt und worauf Du unbedingt achten solltest
  • Die besten Schuhe für den Barfußläufer
  • Welches Vorteile es hat, öfter mal mit nackten Füßen durch die Wiese zu gehen

Ressourcen

Artikel zum Barefoot Running auf Paleosophie Harvard professor Daniel Lieberman has ditched his trainers and started running barefoot. His research shows that barefoot runners, who tend to land on their fore-foot, generate less impact shock than runners in sports shoes who land heel first. This makes barefoot running comfortable and could minimize running-related injuries. YouTube Video “Nature” Mehr dazu lesen: A softer ride for barefoot runners Original Artikel: Foot strike patterns and collision forces in habitually barefoot versus shod runners Barefoot Runners - Harvard University http://barefootrunning.fas.harvard.edu/ This website has been developed to provide an evidence-based resource for those interested in the biomechanics of different foot strikes in endurance running and the applications to human endurance running prior to the modern running shoe.

Bücher

Buch Paleo nach Jahreszeiten - Das erste saisonale Paleo-Kochbuch

Monica Schlatter (Autor), Nadja Reinmann (Autor), Constantin Gonzalez Klappentext: “Paleo nach Jahreszeiten“ nimmt Sie mit auf eine spannende Reise durch eine kulinarische Vielfalt an alltäglichen, unkomplizierten und pfiffigen Paleo-Rezepten im Rhythmus der Jahreszeiten. Diese sorgen für eine natürliche Abwechslung im Speiseplan und versorgen uns mit den richtigen Mikronährstoffen zur richtigen Zeit. Und nicht nur das! Allerlei Wissenswertes und Spannendes rund um die jeweiligen Lebensmittel und saisonalen Themen werden anschaulich illustriert. Wissen Sie was man alles mit Artischocken anstellen kann oder wieso man Rote Beten roh essen sollte? Auch die schier unendlichen Zubereitungsarten der frühlingshaften Spargelstangen, der herbstlichen Kürbisgewächsen oder der Winter-Highlights wie Kohl und Co. werden erklärt und in überraschende Kreationen verpackt. Da das Thema zurück zur Natur in diesem Buch eine grosse Rolle spielt, darf das Spezialthema „Barfußlaufen“ nicht fehlen. Abgerundet wird das Ganze mit Fitnessübungen, die Sie täglich fit halten. Die Verbindung von über 180 exklusiven saisonalen Rezepten, modernen Erkenntnissen und wunderschönen Fotografien macht das Buch zu einem unverzichtbaren Begleiter für alle (Jahres-)Zeiten. Lassen Sie sich inspirieren! „Paleo-Kochbücher sind ja inzwischen keine Seltenheit mehr. Doch das aktuelle Werk Paleo nach Jahreszeiten ist etwas Besonderes und wird dem Begriff „Paleo“ über das Kochen hinaus gerecht. Dabei stellen die drei Autoren nicht nur leckere und typisch saisonale Rezepte vor, sondern verweisen auch auf das ebenfalls Paleo-typische Fasten – ein ganz wesentlicher Bestandteil der Ernährung früherer Generationen und extrem gesund!“ – Prof. Dr. Jörg Spitz, Akademie für Menschliche Medizin GmbH „Paleo ist aktuell eine der populärsten Ernährungsformen. Wenn Du nur ein Buch dazu liest, dann empfehle ich dieses. Wegen seines praktischen Ansatzes. Denn Theorie ohne praktische Umsetzung ist wertlos. So folgen nach einer Einleitung & Erklärung der Paleo Ernährung über passende 180 Rezepte – für jede Jahreszeit und jeden Geschmack“. – Wolfgang Unsöld, Strength Coach & Gründer des YPSI „Die Paleo-Ernährung ist ein effektives Werkzeug zum Erreichen ernährungsspezifischer Ziele. Paleo nach Jahreszeiten schafft mit klaren Worten einen kompakten Überblick über alle praxisrelevanten Elemente des Konzepts und liefert neben zahlreichen Rezepten auch Anregungen zum lebenswichtigen Aspekt der Bewegung. Ein sinnvoller Ausgangspunkt für eigene Anpassungen und Integration in den individuellen Lebensstil.“ – Felix Olschewski, Autor und Gründer von Urgeschmack Abnehmen mit PaleoLowCarb - jetzt zum Kurs anmelden und losstarten

Webseiten

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Buchrezension – Paleo nach Jahreszeiten https://paleolowcarb.de/buchrezension-paleo-nach-jahreszeiten/ https://paleolowcarb.de/buchrezension-paleo-nach-jahreszeiten/#respond Fri, 28 Apr 2017 08:00:00 +0000 https://paleolowcarb.de/?p=29546 Sich nach einem evolutionärem Vorbild zu ernähren und zu leben, verändert ja nicht nur die Auswahl der Lebensmittel, sondern auch, dass man die Saisonalität im Auge behält. Wir leben in einer Welt, in der wir IMMER Zugriff auf Essen haben. Es gibt rund ums Jahr Gemüse und Obst in den Regalen der Supermärkte. Und wir finden nicht nur heimisches Obst und Gemüse in Hülle und Fülle. Aus aller Herren Länder – Kokosnüsse, Avocados, Bananen, Orangen und Kiwis – vor 50 Jahren noch eine Kuriosität, heute Normalität. Dass das noch nicht so lange her ist, wird einem im Gespräch mit Großeltern und Eltern klar. Ich muss immer an eine Geschichte von meinem Papa denken. Erzählte er doch oft von den seltsamen „gelben Gurken“ (Bananen), die die US-Soldaten nach dem 2. Weltkrieg manchmal an die Kinder verteilten.

Saisonales Kochen und die Verwendung heimischer Obst und Gemüsesorten, ist sicherlich etwas, auf das man gerne größeren Fokus setzen sollte. Das Problem ist nur, dass die wenigsten von uns wissen, was denn nun eigentlich gerade in Saison ist und an passenden Rezeptideen mangelt es dann häufig auch. Genau das haben sich Monica Schlatter, Nadja Reinmann und Constantin Gonzales auch gedacht und Rezeptesammlung unter dem schönen Titel herausgebracht: „Paleo nach Jahreszeiten“.

Das Buch Beginnt mit einer kurzen Einführung in Grundprinzipien der Paleoernährung. Danach kommt auch schon der Rezepteteil. Entsprechende den Jahreszeiten – Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Zu jeder Jahreszeit gibt es ein kurzes Einführungskapitel, in dem die Autoren, die Besonderheiten der jeweiligen Jahreszeit und der entsprechenden Nahrungsmittel eingehen. Die Rezepte sind bodenständig, aber keineswegs langweilig. Das Buch gibt viele Ideen und sensibilisiert für die saisonale Küche. Sicherlich eine Bereicherung für jeden, der sich nach evolutionären Gesichtspunkten ernährt, aber auch als Einstieg in die Paleoküche bestens geeignet.

Ich habe auch ein Interview mit Constantin Gonzales für die Evolution Radio Show gemacht. Wir sprechen über Barfußlaufen.

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Darum brauchst Du mehr Salz bei LCHF https://paleolowcarb.de/darum-brauchst-du-mehr-salz-bei-lchf/ https://paleolowcarb.de/darum-brauchst-du-mehr-salz-bei-lchf/#respond Wed, 26 Apr 2017 08:00:00 +0000 https://paleolowcarb.de/?p=29648 Beim Umstieg von einer kohlenhydratreichen Ernährung auf LCHF oder Keto, wirst du in den ersten Tagen, wenn du nicht gegensteuerst, gewisse negative Nebeneffekte bemerken. Es ist wichtig, sich dessen bewusst zu sein, und auch zu verstehen, warum es zu diesen Effekten kommt. Die erste und intuitive Reaktion wäre wohl, die Ernährungsumstellung abzubrechen, schließlich fühlt man sich nicht gut. Doch wie bei vielen Umstellungsprozessen, ist der Anfang manchmal etwas holprig. Es gibt einige Aspekte, die die Umstellungsphase oft schwierig gestalten. Gewohnheiten, oft über Jahrzehnte antrainiert, müssen umgelernt werden, Vielen bereitet der Zuckerentzug große Probleme und neue oder ungewohnte Lebensmittel stehen plötzlich auf der Speisekarte.

Einer der häufigsten Effekte, die in der Umstellungsphase auftreten, sind Kopfschmerzen, Schwächegefühl, Schwindel, niedriger Blutdruck oder sogar Gliederschmerzen. Auf Grund der Ähnlichkeit der Symptome mit einem grippalen Infekt, wird dieser Zustand auch gerne als „Atkins Flu“, Atkins Grippe“, „Keto Grippe“ oder „Low-Carb Grippe“ bezeichnet.

 

Was ist die „Low-Carb Grippe“ und was kann man dagegen tun?

Einer der Haupteffekte von LCHF ist, dass die Menge an Insulin, die im Laufe des Tages ausgeschüttet wird, deutlich sinkt[1].  Insulin hat viele Funktionen im Körper. Neben seiner Rolle in der Regulation des Blutzuckers, hemmt es die Bildung von AGE, stimuliert die Bildung von Glutathion (einem der wichtigsten körpereigenen Antioxidantien), verbessert die Vitamin C Aufnahme und stimuliert die Schilddrüse.

Eine andere Aufgabe, die Insulin noch hat, ist die Wiederaufnahme (Resorption) von Salz über die Nieren zu regulieren[2].  Salz-Transporter in den Nieren werden über Insulin gesteuert. Hyperinsulinämie (=dauerhaft erhöhter Insulinspiegel) begünstigt die Wiederaufnahme von Salz und auch anderen Elektrolyten. Sinkt der Insulinspiegel, dann wird in Folge auch mehr Salz über die Nieren und den Harn ausgeschieden. Gerade in der Anfangsphase, wenn der Insulinspiegel schnell sinkt, wird oft zu viel Salz und auch andere Elektrolyte ausgeschieden. Die Anpassung an die neuen physiologischen Gegebenheiten brauchen Zeit. Nach etwa einer Woche bis 10 Tagen hat sich die Niere an die neuen, niedrigeren Insulinlevel gewöhnt und die Salzresorption normalisiert sich. Dies ist auch ein Erklärungsmodell dafür, warum sich bei LCHF Wassereinlagerungen reduzieren und sich auch der Blutdruck normalisiert[3]. Mit dieser neu gewonnenen Homöostase (Gleichgewicht) kann und soll mehr Salz konsumiert werden. Wie auch Fett, scheint es, dass Salz nur im Kontext einer high-carb Ernährung ein Problem für unseren Körper darstellt. Durch die Überexpression von Insulin werden die natürlichen Regulationsmechanismen außer Kraft gesetzt.

Muss man sich 10 Tage lang quälen? Nein!

Salz ist ein wichtiger Elektrolyt im Körper und scheiden wir zu viel davon aus, dann können die Eingangs erwähnten Symptome die Folge sein. Glücklicherweise gibt es eine einfache Strategie um die unangenehmen Nebeneffekte der Umstellungsphase abzuschwächen. Der beste Weg ist, einfach mehr Salz beim Kochen zu verwende. Sollte das nicht ausreichen, dann kann man im akuten Fall einfach ein Glas Leitungswasser mit einem Teelöffel Salz trinken. Die angenehmere Varianten ist ein Glas Suppe.

Ich persönlich trinke am Liebsten einfach ein Glas klare Rinderknochensuppe oder Hühnersuppe. Optimaler Weise natürlich selbstgemacht. Hast Du keine selbstgemachte Suppe, dann kann man auch einen Suppenwürfel in heißem Wasser auflösen. Ein Rezept für Rinderknochensuppe findest Du hier.

Wichtig! Salz ist nicht gleich Salz

Du solltest immer unverarbeitetes Meersalz oder Steinsalz kaufe. Natürliches Salz ist wesentlich mehr als nur Natriumchlorid. Meersalz und Steinsalz enthalten noch viele andere Mineralstoffe. Tafelsalz wird auch oft mit Rieselhilfen versetzt, damit es nicht verklebt. Wirklich gutes Salz schmeckt mild und manchmal sogar etwas süßlich auf der Zunge. Niemals ist es scharf, wie hoch verarbeitetes Tafelsalz.

 

Suchst Du ein sehr gutes Buch zu dem Thema? Dann habe ich hier zwei Empfehlungen für dich.

Low Carb Baiscs von Daniela Pfeifer


[1] Noakes, Manny, et al. „Comparison of isocaloric very low carbohydrate/high saturated fat and high carbohydrate/low saturated fat diets on body composition and cardiovascular risk.“ Nutrition & metabolism 3.1 (2006): 7.

[2] Tiwari, Swasti, Shahla Riazi, and Carolyn A. Ecelbarger. „Insulin’s impact on renal sodium transport and blood pressure in health, obesity, and diabetes.“ American Journal of Physiology-Renal Physiology 293.4 (2007): F974-F984.

[3] Miller, Edgar R., Thomas P. Erlinger, and Lawrence J. Appel. „The effects of macronutrients on blood pressure and lipids: an overview of the DASH and OmniHeart trials.“ Current atherosclerosis reports 8.6 (2006): 460-465.

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Evolution Radio Show - In 10 Monaten 45 kg leichter – die Erfolgsgeschichte von Katrin Koloc http://www.evolutionradioshow.de/110 Fri, 21 Apr 2017 05:00:00 +0000 https://paleolowcarb.de/?guid=967ef4cf0369ef13731bdd1766a59611 MÜSLI, dem einzigen Low Carb Müsli mit weniger als 14g verwertbaren KH auf 100g. Ohne Zuckerzusatz, Ohne Getreide und ohne Soja, nur aus echten Zutaten.

Mehr darüber erfährst du auf www.mammutmüsli.at oder auf Amazon.de.

In Folge #110

Das Video der aktuellen Folge direkt auf Youtube öffnen Und nicht vergessen: Wenn du uns auf YouTube siehst, und wenn du es noch nicht getan hast, dann abonniere unseren Kanal „Evolution Radio Show“ Wenn du das Podcast hörst, dann findest du die Links für Apple iTunes und Android hier auf unserer Homepage

Kurze Zusammenfassung

„Sie leiden an den vielen Kohlenhydraten“ – ein Erfolgsbericht. Katrin kämpft mit ihrem Gewicht, schon seit frühester Jugend. Nach jeder Diät folgt der Jojo-Effekt und das alte Gewicht, und mehr, sind wieder drauf. Bei einer Routineuntersuchung im Krankenhaus trifft sie auf einen Arzt, ihren Retter, wie sich erst später herausstellen wird. Er ist der erste, der nicht von Fett und Kalorien einsparen spricht, sondern etwas sagt, dass Katrin noch nie gehört hat - „Sie leiden an den vielen Kohlenhydraten“. Damals wog Katrin 119 kg. Heute wiegt Katrin 75 kg und ist Gesund. In diesem Interview erzählt Katrin von ihrer Reise und den Stolpersteinen, denen sie auf ihrem Weg aus dem Weg gehen musste. Katrin ist heute gesund und fit, sie kann ihr Gewicht, das erste Mal in ihrem Leben halten, und das nur, weil sie sich entgegen den offiziellen Empfehlungen ernährt. Zitat von Katrin Koloc: "Mein Bluthochdruck ist weg, ich brauche keine Medikamente mehr, sämtliche Blutfettwerte sind seitdem im grünen Bereich – vorher war Cholesterin grenzwertig und die Triglyceride (Blutfett) stark erhöht. Jetzt habe ich mehr Energie, bin fitter, geistig wacher, leistungsfähiger, habe eine bessere Haut und besseren Schlaf und bin nicht mehr benebelt. Ich bedauere sehr, dass es nicht mehr Ärzte gibt, die so denken wie mein Glücksgriff“ Unter anderem in dieser Folge - LCHF bei schwerem Übergewicht, wie geht man es am besten an - Umgang mit Familie und Freunden - Einladungen und Feiern

Katrins' Abnehmreise in Bildern

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Erfolgsgeschichte online zum Nachlesen

https://lchfblog.de/2015/03/15/sie-leiden-den-vielen-kohlenhydraten-ein-erfolgsbericht/ http://lchf.de/kathrin-mein-mutiger-arzt-empfahl-mir-lchf https://www.echt-fett.at/2016/02/04/mit-diesen-worten-hat-mich-ein-arzt-gerettet-sie-leiden-an-zu-vielen-kohlenhydraten/ https://lchfblog.de/2016/02/04/lchf-plateau-ueberwinden/

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10 Gründe, warum du regelmäßig trainieren solltest https://paleolowcarb.de/10-gruende-warum-du-regelmaessig-trainieren-solltest/ https://paleolowcarb.de/10-gruende-warum-du-regelmaessig-trainieren-solltest/#respond Wed, 19 Apr 2017 08:00:55 +0000 https://paleolowcarb.de/?p=29627 Ein Training ist im Prinzip als jede Bewegung, die den Muskeln arbeiten lässt und den Körper dazu veranlasst, Kalorien zu verbrennen. Es gibt viele Arten von körperlicher Aktivität, einschließlich Schwimmen, Laufen, Joggen, Wandern und Tanzen, um nur einige zu nennen. Es hat sich gezeigt, dass es viele gesundheitliche Vorteile hat, aktiv zu sein, sowohl körperlich als auch geistig.

Hier sind die Top 10 der Dinge, von denen dein Körper und dein Gehirn bei regelmäßigem Training profitiert.

1. Training macht dich glücklicher

Es hat sich gezeigt, dass regelmäßiges Training die Stimmung verbessert und Gefühle von Depressionen, Angst und Stress verringern kann. Ein regelmäßiges Fitnesstraining erzeugt Veränderungen in den Teilen des Gehirns, die Stress und Angst regulieren. Es kann auch die Hirnempfindlichkeit für die Hormone Serotonin und Norepinephrin erhöhen und die Gefühle von Depressionen lindern. Darüber hinaus kann regelmäßiges Fitnesstraining die Produktion von Endorphinen erhöhen, die bekanntermaßen dazu beitragen, positive Gefühle zu erzeugen und die Wahrnehmung von Schmerzen zu reduzieren. Interessanterweise spielt es keine Rolle, wie intensiv das Training ist. Es scheint, dass deine Stimmung vom Training profitieren kann, unabhängig von der Intensität der körperlichen Aktivität. In der Tat, zeigte eine Studie mit 24 Frauen, bei denen Depressionen diagnostiziert worden war, dass regelmäßiges Training jedweder Intensitäten die Gefühle der Depressionen deutlich verringert (1). Eine andere Studie fragte 26 gesunde Männer und Frauen, die normalerweise regelmäßig trainierten, entweder für zwei Wochen weiter ins Fitnesstraining zu gehen oder damit aufzuhören. Diejenigen, die aufgehört haben, erfuhren Zunahmen der negativen Stimmungen (2).

2. Training fördert deinen Gewichtsverlust

Um die Wirkung von regelmäßigem Training auf den Gewichtsverlust zu verstehen, ist es wichtig, die Beziehung zwischen den Übungen und den Energieausgaben zu verstehen. Der Körper verbraucht Energie auf drei Arten: Verdauung von Lebensmitteln, Bewegungen und Unterstützung der Körperfunktionen wie Herzschlag und Atmung. Während einer Diät, senkt eine reduzierte Kalorienzufuhr die Stoffwechselrate, welche den Gewichtsverlust verzögert. Auch wenn es möglich ist, ohne Diät abzunehmen, ist es dennoch sinnvoll, zusätzlich Sport zu treiben. Es wurde nachgewiesen, dass regelmäßige Bewegung die Stoffwechselrate erhöht, mehr Kalorien verbrennt und hilft, Gewicht zu verlieren. Darüber hinaus haben Studien gezeigt, dass die Kombination von Aerobic-Übungen mit Krafttraining den Fettabbau und die Beibehaltung der Muskelmasse maximieren kann, welches wesentlich dafür ist, Gewicht zu verlieren (3). Krafttraining oder Cardiotraining sind entscheidend für die Unterstützung eines schnellen Stoffwechsels und du verbrennst somit mehr Kalorien pro Tag.

3. Regelmäßiges Training ist gut für deine Muskeln und Knochen

Das Training spielt eine wichtige Rolle beim Aufbau und der Erhaltung starker Muskeln und Knochen. Körperliche Aktivität wie Gewichtheben kann den Muskelaufbau stimulieren, wenn sie mit einer ausreichenden Proteinzufuhr gepaart wird. Übungen mit Gewichten helfen, Hormone freizusetzen, die die Fähigkeit der Muskeln, Aminosäuren zu absorbieren, fördern. Dies hilft den Muskeln, zu wachsen und reduziert ihren Rückgang. Wenn die Menschen altern, neigen sie dazu, Muskelmasse und Muskelfunktionen zu verlieren, was zu Verletzungen und Behinderungen führen kann. Regelmäßige körperliche Aktivität ist wichtig, um den Muskelverlust zu reduzieren und die Kraft zu erhalten, während man älter wird. Interessanterweise hat sich gezeigt, dass hochwirksame Übungen wie Krafttraining, Laufen oder Sport wie Fußball und Basketball, eine höhere Knochendichte bewirken als unwirksame Sportarten wie Schwimmen und Radfahren.

4. Regelmäßiges Training erhöht dein Energieniveau

Ein regelmäßiges Training kann ein echter Energie-Booster sein. Eine Studie ergab, dass sechs Wochen regelmäßige Bewegung die Müdigkeitsgefühle bei 36 gesunden Menschen reduzierte, die unter anhaltender Müdigkeit litten (4). Darüber hinaus kann ein regelmäßiges Fitnesstraining das Energieniveau bei Menschen mit chronischem Ermüdungssyndrom (CFS) und anderen schweren Erkrankungen deutlich erhöhen. In der Tat scheint ein regelmäßiges Training bei der Bekämpfung von CFS wirksamer zu sein als andere Behandlungen, einschließlich passiver Therapien wie Entspannungsmethoden. Darüber hinaus hat sich bei Fitnessübungen gezeigt, dass sie bei Menschen mit fortschreitenden Krankheiten wie Krebs, HIV / AIDS und Multipler Sklerose das Energieniveau erhöhen (5).

5. Training reduziert dein Risiko für chronische Krankheit

Der Mangel an regelmäßiger körperlicher Aktivität ist eine primäre Ursache für chronische Erkrankungen. Es hat sich gezeigt, dass ein regelmäßiges Training die Insulinsensitivität, die Fitness des Herz-Kreislauf-Systems und die Körperbeschaffenheit verbessern und gleichzeitig den Blutdruck und den Blutfettgehalt verringern. Im Gegensatz dazu kann ein Mangel an regelmäßiger Bewegung – auch kurzfristig – zu erheblichen Zunahmen des Bauchfetts führen, was das Risiko von Typ-2-Diabetes, Herzerkrankungen und frühem Tod erhöht (6). Daher wird eine tägliche körperliche Aktivität empfohlen (z.B. Laufen oder Krafttraining), um das Bauchfett zu reduzieren und das Risiko der Entwicklung dieser Krankheiten zu verringern.

6. Fitnesstraining sorgt für eine schöne Haut

Deine Haut kann durch zu viel oxidativen Stress im Körper erheblich leiden. Oxidativer Stress tritt auf, wenn die körpereigenen Antioxidans-Abwehrkräfte, die Schäden, die freie Radikale verursachen, nicht vollständig reparieren können. Dies kann die innere Struktur der Hautzellen beschädigen und das Hautbild somit verschlechtern. Obwohl auch eine intensive und erschöpfende körperliche Aktivität zu oxidativen Schäden beitragen kann, können regelmäßige, moderate Übungen die körpereigene Produktion von natürlichen Antioxidantien erhöhen, die die Zellen schützen (7). In gleicher Weise kann ein regelmäßiges Training den Blutfluss stimulieren und Anpassungen der Hautzellen bewirken, die dazu beitragen können, das Auftreten der Hautalterung zu verzögern.

7. Training hilft der Gesundheit des Gehirns und deinem Gedächtnis

Ein regelmäßiges Training kann die Gehirnfunktion verbessern und die Gedächtnis- und Denkfähigkeiten schützen. Zunächst erhöht es die Herzfrequenz, die den Blut- und den Sauerstofffluss zum Gehirn fördert. Ein Fitnesstraining kann auch die Produktion von Hormonen stimulieren, die das Wachstum von Gehirnzellen verbessern. Regelmäßige körperliche Aktivität ist bei älteren Erwachsenen besonders wichtig, da die Alterung – kombiniert mit oxidativem Stress und Entzündungen – Veränderungen in der Hirnstruktur und Hirnfunktion fördert. Bei regelmäßigem Training hat sich gezeigt, dass der Hippocampus, ein Teil des Gehirns, der für das Gedächtnis und das Lernen entscheidend ist, größer wird und wächst. Dies dient der Erhöhung der geistigen Funktion bei älteren Erwachsenen (8). Schließlich wurde in einer Studie nachgewiesen, dass die Veränderungen im Gehirn, die Alzheimer-Krankheit und Schizophrenie verursachen können, reduzieren werden (9). Regelmäßige Bewegung verbessert also den Blutfluss zum Gehirn und ist gut für Gehirn und dem Gedächtnis. Bei älteren Erwachsenen kann ein Fitnesstraining helfen, die geistige Funktion zu schützen.

8. Training hilft bei der Entspannung und verbessert die Schlafqualität

Regelmäßiges Training kann helfen, sich zu entspannen und besser zu schlafen. In Bezug auf die Schlafqualität stimuliert der Energieverlust, der während der Übungen auftritt, die energierückgewinnenden Prozesse während des Schlafes. Darüber hinaus ist die Zunahme der Körpertemperatur, die während der Übungen auftritt, dazu gedacht, die Schlafqualität zu verbessern, indem sie während des Schlafes absinkt. Viele Studien über die Auswirkungen von Übungen auf den Schlaf haben ähnliche Schlussfolgerungen ergeben. Eine Studie ergab, dass 150 Minuten moderate bis anstrengende Aktivität pro Woche zu einer bis zu 65 % verbesserten Schlafqualität führt (10). Eine weitere Studie zeigte, dass 16 Wochen körperliche Aktivität die Schlafqualität erhöhte und 17 Menschen mit Schlaflosigkeit half, länger und tiefer zu schlafen als die Kontrollgruppe. Es half ihnen auch, sich während des Tages energiegeladener zu fühlen (11). Darüber hinaus ist eine regelmäßige Bewegung für ältere Menschen von Vorteil, die von Schlafstörungen betroffen sind.

9. Training kann Schmerzen reduzieren

Ein regelmäßiges Training kann helfen, chronische Schmerzen zu reduzieren. In der Tat war die Empfehlung für die Behandlung von chronischen Schmerzen seit vielen Jahren Ruhe und Inaktivität. Allerdings zeigen neuere Studien, dass Übungen helfen, chronische Schmerzen zu lindern. Eine Überprüfung mehrerer Studien zeigte, dass regelmäßige Bewegung und Training den Teilnehmern mit chronischen Schmerzen half, ihre Schmerzen zu reduzieren und ihre Lebensqualität zu verbessern. Mehrere Studien zeigen, dass Fitness und Training helfen können, Schmerzen zu lindern, einschließlich chronischer Rückenschmerzen, Fibromyalgie und chronischer Weichgewebsschulterstörung, um nur einige zu nennen (12). Darüber hinaus kann die körperliche Aktivität auch die Schmerztoleranz erhöhen und die Schmerzempfindung verringern.

10. Regelmäßiges Training verbessert dein Sexualleben

Ein regelmäßiges Training und Fitnessübungen haben sich darin bewährt, den Sexualtrieb zu erhöhen. Regelmäßige Bewegung kann das Herz-Kreislauf-System stärken, die Durchblutung verbessern, die Muskelaktivität verbessern und die Flexibilität verbessern… was alles zu einem deutlich besseren Sexualleben führt. Wer sich regelmäßig körperlich betätigt, verbessert somit seine sexuelle Leistungsfähigkeit und sexuelle Lust… und erhöht die Häufigkeit der sexuellen Aktivität. Eine Gruppe von Frauen in denen 40er-Jahren beobachtete, dass sie Orgasmen häufiger erlebten, als sie anstrengendere Übungen, wie Sprints und Krafttraining, in ihren Lebensstil integrierten. Auch bei einer Gruppe von 178 gesunden Männern hatten die Männer, die mehr Trainingsstunden pro Woche gemeldet hatten, höhere sexuelle Funktionswerte. Eine Studie fand heraus, dass eine einfache Routine von einem sechsminütigen Spaziergang um das Haus bei 41 Männern ihre erektile Dysfunktionssymptome um 71 % verbesserte (13). Eine weitere Studie, die bei 78 sitzenden Männern durchgeführt wurde, zeigte, wie 60 Minuten Übungen pro Tag (dreieinhalb Tage pro Woche im Durchschnitt) ihr sexuelles Verhalten, einschließlich Häufigkeit, angemessenes Funktionieren und Zufriedenheit verbessert haben (14). Darüber hinaus zeigte eine Studie, dass Frauen, die unter polyzystischem Ovar-Syndrom leiden, welches die Lust auf Sex reduziert, ihren Sexualtrieb mit regelmäßigem Krafttraining für 16 Wochen erhöht hatten (15).

Fazit

Ein regelmäßiges Training bietet unglaubliche Vorteile, die fast jeden Aspekt deiner Gesundheit von innen heraus verbessern kann. Regelmäßige körperliche Aktivität wie Krafttraining, Laufen oder ähnliches kann die Produktion von Hormonen erhöhen, mit denen du dich glücklicher fühlst und auch helfen, besser zu schlafen. Fitnessübungen können auch das Aussehen der Haut verbessern, helfen, Gewicht zu verlieren, und das Risiko von chronischen Krankheiten verringern, sowie das Sexualleben verbessern. Ob man eine bestimmte Sportart ausübt oder der Leitlinie von 150 Minuten Aktivität pro Woche folgt, man wird unweigerlich die Gesundheit in vielerlei Hinsicht verbessern.

 

Über Laura Stein:
Dies ist ein Gastbeitrag von Laura Stein. Laura ist Autorin und Bloggerin auf www.foodfitness.de. In ihren Artikeln gibt Sie ihren Erfahrungsschatz aus jahrelanger Tätigkeit als Ernährungscoach weiter, welcher sich auf eine gesunde Ernährung, dem erfolgreichen Abnehmen und Low-Carb-Diäten bezieht. Mehr über Laura findest du auf Ihrer Website www.foodfitness.de.

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