Wer kennt das nicht: Endlich hat man nach unzähligen erfolglosen Diäten den großen Durchbruch geschafft und eine Methode, nämlich LCHF, entdeckt, mit der scheinbar spielend die Pfunde purzeln und nach einer anfänglichen Umstellungsphase alles wie von selbst läuft.

Mit schwindendem Gewicht und steigendem Wohlbefinden schleicht sich ganz unbewusst der Gedanke ein, dass das nun immer so weiter gehen könnte, bis man sein Traumgewicht erreicht hat. So zumindest ging es mir. Je rasanter die Gewichtstalfahrt ist, umso berauschter ist man von diesem Wunschgedanken. Schließlich bekommt man ja vom eigenen Körper permanent die Rückmeldung, dass man scheinbar alles richtig macht und alles gut ist. Doch über kurz oder lang trifft es jeden, und es kommt der Punkt, an dem der bisher so wunderbar laufende Verbrennungsmotor ins Stottern kommt und man der Tatsache ins Auge blicken muss, dass es jetzt wohl schwieriger werden könnte. Umso ärgerlicher ist das, wenn man sein Ziel schon zum Greifen nahe vor Augen hatte und sich bereits auf der Zielgeraden im Endspurt wähnte. Bei mir war es mit dem letzten großen Meilenstein, dem Durchbrechen der magischen U-70-Schallmauer soweit, nur noch ganze 4 kg vorm geplanten Zieleinlauf.

Das Plateau ist da!

Plötzlich passiert über mehrere Wochen so rein gar nichts mehr auf der Waage, obwohl man nichts anders macht als vorher auch und sich an alle Spielregeln hält. Man fängt an, sich Gedanken zu machen, sämtliche sorgfältig geführte Ernährungsprotokolle zu checken und zu revidieren und justiert nochmals die Stellschrauben, um verdammt noch mal dem Körper diese letzten paar Kilos doch noch irgendwie zu entlocken. Unter Anwendung einiger bis dahin längst in Erfahrung gebrachter Tricks und Kniffe, wie z. B. Weglassen von Milchprodukten oder 16:8-Fasten, ruckt es dann nochmals an und man denkt‚ Jepp, das war jetzt das Zünglein an der Waage, nun hast du es geschafft.’ Bei all dem Enthusiasmus glaubt man natürlich nicht, dass solche Maßnahmen nur kurzfristige Effekte, zumindest auf der Waage, haben könnten und sich meistens nicht verstetigen lassen. Es kann sogar passieren, dass bei all diesen Anstrengungen die bis dahin erreichten eigentlich grandiosen Erfolge völlig ins Hintertreffen geraten und man mit einer ziemlichen Verbissenheit derartig um die letzten Kilos kämpft, dass man sich über das bisher Erreichte gar nicht mehr richtig freuen kann, was ich im Nachhinein betrachtet mit Hilfe mir nahe stehender Personen für mich ziemlich spät bemerkt habe. Zum Glück konnte ich dann rein stimmungsmäßig das Ruder noch rechtzeitig rumreißen und mich nach einer gewissen Zeit der Stagnation mit dem Gedanken anfreunden, wie so viele andere auch im Plateau angekommen zu sein und dass es nun erst einmal das Wichtigste ist, die erreichte Gewichtsabnahme erfolgreich zu managen, diesmal ohne Jojo-Effekt. Das kommt sicher auch allen bekannt vor: Um seinen Frieden erst einmal zu finden, vertagt man die letzten 5 – 10 kg zwangsläufig auf später, und vor allem veranschlagt man dafür eine wesentlich längere Zeit, ohne zu wissen, wie lange so ein Plateau tatsächlich dauern kann.

Gesund Gewicht verlieren: So misst du richtig!

 

Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt – besser auf alles vorbereitet sein, auch aufs Zunehmen!

Der Arzt, über den ich im Mai 2014 zu LCHF gekommen bin, hatte mir einmal meine Frage, ob man damit stetig weiter abnimmt solange man in Ketose und einem leichten Kaloriendefizit ist und noch genügend Fettreserven hat, folgendermaßen beantwortet: Die Gewichtsabnahme reguliert sich von selbst, wenn der Körper sein für sich gesundes Maß erreicht hat und man könne dieses aus beiden Richtungen kommend über ketogene Ernährung erreichen. Das heißt, Übergewichtige nehmen bis zu diesem gesunden, bei jedem anders liegenden Punkt ab und abgemagerte, ausgezehrte untergewichtige Menschen werden damit zunehmen. Schon da ahnte ich, dass LCHF und Ketose keine Allround-Wunderwaffe für grenzenloses Abnehmen ist und letztlich alles ganz individuellen, sich selbst regulierenden Mechanismen unterworfen ist. Es ist ja auch gut so, denn ein gesundes Aussehen und Gewicht wünscht sich ja eigentlich jeder. Nur dass dies nicht zwangsläufig mit den von Fachleuten ermittelten Richtwerten, Tabellen, Rechenformeln und dergleichen konform geht, die darüber urteilen, wie schwer ein Mann oder eine Frau mit einer Größe XY demnach zu sein hat. Diese Zahlen haben sich aber nun mal so in unseren Köpfen eingebrannt, dass man einmal im Plateau angekommen feststellen muss, dass der Körper dazu eine ganz andere Meinung und vor allem seinen eigenen Kopf hat!

Deshalb ist es auch verständlich und nachvollziehbar, dass man sich damit nicht abfinden will und den letzten lt. Richtwert noch fehlenden Kilos mit aller Entschlossenheit den Kampf ansagt. Dabei entwickelt man ungeahnte Kräfte und geht mit äußerster Kreativität ans Werk. Man fängt an, sich intensiv mit allem möglichen auseinanderzusetzen, tauscht sich mit Gleichgesinnten aus, spornt sich gegenseitig an und man gerät eigentlich immer mehr unter Druck, schlimmstenfalls aus der Bahn und fühlt sich mit jedem weiteren Tag ohne fortschreitenden Gewichtsverlust zunehmend gestresst. Druck erzeugt bekanntermaßen Gegendruck und ich glaubte in dieser Situation tatsächlich, dass mehr Sport mir helfen könnte aufgrund seiner eigentlich Stress mindernden, den Stoffwechsel ankurbelnden und die Insulinsensitivität steigernden Wirkung – so zumindest die gängige Lehrmeinung.

Vereinzelte Warnhinweise, dass zu viel Sport auch zur Gewichtszunahme führen kann, schlug ich übrigens in den Wind. Jedenfalls erreichte ich persönlich mit diesem Plan tatsächlich das ganze Gegenteil und habe dann auch innerhalb kürzester Zeit knapp 6 kg wieder zugenommen. In dieser Situation ist natürlich keine Spur mehr von Freude über das Erreichte zu spüren, sondern nur noch Frustration pur, die um ein vielfaches steigt, wenn man über Nacht am nächsten Morgen plötzlich 3 kg mehr auf der Waage hat. Ja richtig, auch das schaffe ich spielend. Ich bin der Weltmeister im Wassereinlagern und habe häufig mit solchen Extremen zu kämpfen, auch wenn ich natürlich weiß, dass ich in einer Nacht nicht 1 – 3 kg Fett zunehmen kann. Man zweifelt trotzdem an sich selbst und fühlt sich dem Ganzen einfach ausgeliefert. Plötzlich ist es auch nicht mehr einfach, sich an die eigentlich längst eingespielten Essensregeln zu halten und man ertappt sich z. B. wieder beim snacken, wenn auch LCHF-konform. Die Disziplin schleift auf einmal und man ist vom Führen des Ernährungstagebuches scheinbar überfordert und glaubt, das alles jetzt auch im Freestyle wuppen zu können.

In dieser Zeit hatte ich dann auch die Erkenntnis, dass sich auch mit LCHF ganz vortrefflich zunehmen lässt, was inzwischen auch die meisten wissen. Alles in allem ist jetzt guter Rat teuer und man sucht nach greifenden Strategien, um wenigstens dem drohenden Aufwärtstrend entgegenzuwirken, vom Abnehmen mal ganz zu schweigen. Anstatt weiter konsequent dem bewährten roten Faden zu folgen, verrennt man sich dabei auch schnell in der einen oder anderen Sackgasse, was den Aufenthalt im Plateau deutlich verlängern kann.

Buchrezension „THE OBESITY CODE…UNLOCKING THE SECRETS OF WEIGHT LOSS”

 

Persönliche Strategien zum Durchbrechen des Plateaus – ein bunter Blumenstrauß an Selbstversuchen

Um es gleich vorweg zu nehmen: Es gibt keinen Goldstandard, um einer stagnierenden Gewichtsabnahme erfolgreich zu begegnen. Es herrscht das Gesetz des Individuums! Sicher ist es eine gute Voraussetzung, wenn man neugierig, wissbegierig und in gewisser Weise auch experimentierfreudig ist. Geduld, Demut und Ausdauer, um mit herben Niederlagen und Rückschlägen halbwegs umgehen zu können, gehören auch dazu. Gut beraten ist man außerdem damit, nicht neidisch auf die Erfolgsstrategien anderer zu schielen – es kann aufgrund der eigenen Individualität nicht funktionieren! Sicher kann man sich nach dem Prinzip eines Baukastensystems den einen oder anderen Baustein herauspicken; das letzte fehlende Teil im Puzzle muss dabei jeder für sich selbst finden.

Ich stecke nach wie vor in meinem Plateau fest und suche nun schon seit 2 Jahren danach. Immerhin habe ich bis jetzt wenigstens eine Art „Ersatzschlüssel“ gefunden, um mein Gewicht zu halten, nämlich das Intervallfasten. Der Generalschlüssel, mit dem ich die Verriegelung für die letzten 5 – 10 kg aufschließen könnte, versteckt sich jedoch weiterhin hartnäckig vor mir. Doch kommen wir nun zu meiner persönlichen Versuchsreihe, die allerdings in puncto langfristige Gewichtsabnahme bisher erfolglos war. Als erstes hatte ich es mit Fettfasten probiert, um meine Ketose wieder etwas in Schwung zu bringen. Dabei habe ich in mehreren Serien von jeweils 5 Tagen 1000 kcal die zu 90 % aus Fett und kaum KH bestanden gegessen. Das wie bei übrigens allen nachfolgend genannten Versuchen leider nur kurzweilige Ergebnis waren immerhin ca. minus 3 kg pro Serie. Dann habe ich mit Fasten in den unterschiedlichsten Varianten angefangen – Ergebnis im Schnitt minus 1 kg pro Tag. Fasten ist mittlerweile fest in meinen Alltag integriert und wirkt bei mir nur als temporäres Entwässerungsmittel. Die nachgesagten positiven Effekte auf die Zellreinigung (Autophagie) erhoffe ich mir dabei natürlich auch, kann sie allerdings nicht nachprüfen.

Zwischenzeitlich hatte ich es dann über einen gewissen Zeitraum auch mit dem regelrechten Nachessen meiner alten Ernährungsprotokolle versucht, aus der Zeit, wo ich das gleiche Gewicht hatte. Ich habe mich quasi auf alte Zeiten bzw. den roten Faden besonnen und nach der alt bewährten Formel 70/10/20 (Fett/KH/Eiweiß) bei einem Kaloriendefizit von 20 % gelebt. Auf meiner Waage tat sich im Gegensatz zu früher rein gar nichts, was wiederum auch eine wichtige Erkenntnis für mich war.

Auch Eierfasten stand schon auf der Tagesordnung, mit mäßigem Erfolg. Sobald man damit aufhört, ist auch alles gleich wieder drauf. Um meinen Stoffwechsel und die Fettverbrennung anzukurbeln habe ich es auch mal mit Capsaicin versucht. Gespürt habe ich unter der Einnahme nichts besonderes, auch nicht das viel beschriebene Wärmegefühl. Aber aufgrund der vielen nachgesagten positiven Eigenschaften habe ich mir bestimmt auch nichts Schlechtes damit getan, einen Versuch war es wert. Gewisse Hoffnungen lege ich jetzt noch in das Thema LCHF und Bohnen, worüber ich einen sehr interessanten und inspirierenden Artikel (https://lchf-deutschland.de/lchf-und-bohnen-geht-das/) gelesen habe.

Ich habe nur noch nicht so richtig den Mut gefunden es auszuprobieren, weil dieses Experiment mit vergleichsweise relativ vielen Kohlenhydraten verbunden wäre, auch wenn diese aus der resistenten Stärke stammen, die die Darmgesundheit fördert. Ich hoffe, dass meine Neugier siegt und bin schon auf eventuelle Ergebnisse gespannt. Vielleicht ist das der Generalschlüssel? Alles in allem gebe ich die Hoffnung jedenfalls nicht auf, irgendwann diese letzten Kilos auch noch zu schaffen. Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich nun schon seit 2 Jahren bei einer Schwankungsbreite von +/- 5 kg mein Gewicht halte und ich aller Wahrscheinlichkeit nach auch nicht großartig wieder zunehmen werde.

Über eins bin ich mir aber definitiv im Klaren: Sollte ich jemals wieder zur allgemein hin als „normal“ geltenden Ernährung – zu der ich bis jetzt nicht einen einzigen Ausrutscher hatte – zurückkehren, würde ich gnadenlos wieder zunehmen. Dieser Ansicht ist erstaunlicherweise auch mein Hausarzt – das lässt hoffen!

Kennst du schon die Erfolgsgeschichte von Kathrin? Hör mein Interview mit Kathrin an www.evolutionradioshow.de

 

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Kathrin Koloc

Kathrin Koloc

Kathrin Koloc, Dresdnerin, von Beruf Managementassistentin und Fremdsprachentalent, ist 2014 über einen äußerst glücklichen Zufall zu LCHF und der ketogenen Ernährung gekommen und hat spontan ihren Lebensstil darauf umgestellt und angefangen, von da ab auch ihre Gesundheit selbst zu managen. Damit konnte sie sich innerhalb eines reichlichen Jahres von ihrer schweren Fettleibigkeit befreien und ein neues schlankes Leben beginnen. Sie hat seit dem ihren heutigen Lebensstil zur Passion gemacht und sich tiefgründig in die Materie mit all ihren Facetten eingelesen und weitergebildet. Wissbegierig, stets auf neue Erkenntnisse bedacht und anhand ihrer eigenen Erfahrungen und Selbstversuche geht sie beharrlich ihren Weg und versucht zielstrebig auch noch die letzten Hürden und Altlasten zu bewältigen, hin zu bestmöglicher Gesundheit und Vitalität. Ihr Wissen und das Erlebte möchte sie gern weitergeben, um damit anderen Betroffenen zu helfen und sie zum Erfolg zu führen.