Mag. Julia Tulipan
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Höherer Blutzucker trotz LowCarb oder Keto? Das musst du wissen.

Warum sind die Blutzuckerwerte morgens am höchsten? Warum geht der Blutzucker oft nicht runter, obwohl Du dich LowCarb oder sogar Keto ernährst? Muss man sich darüber Sorgen machen?

 

Wer meinem Blog schon länger folgt, weiß, dass ich vor LCHF mit vielerlei Problemen zu kämpfen hatte. Burn-Out, Zuviel und zu wenig Kilos, Leaky gut, Depressionen, Schlafstörungen, chronische Rückenschmerzen, und so weiter und so weiter. Falls Du meine Geschichte noch nicht kennst, dann lies diesen Artikel von über mich HIER.

Magst du dir lieber ein Video dazu ansehen? Dann schau hier auf meinem YouTube Kanal.

 

Es könnte sein, dass ich schon lange, bevor sich die groben Probleme manifestiert haben, eigentlich schon ein Problem mit der Insulinsensibilität hatte. Alte Blutbefunde von früher zeigen einen nüchternen Blutzucker von um die 100 ml/dl. Nach der Umstellung auf LCHF und der weiteren Beschäftigung mit meiner persönlichen Gesundheit, habe ich begonnen regelmäßig meine eigenen Blutzucker zu messen. Mein BZ weiterhin relativ hoch, zwischen 95 und 100 ml/dl. Aber mein Hba1c liegt bei 5.

 

Was ist da los?

Vor der Umstellung auf die ketogene Ernährung waren Deine Muskeln von Zucker abhängig. Bei der langfristigen Keto-Diät bevorzugen sie jedoch jetzt Fett als Brennstoff. So widersetzen sich die Muskeln der Wirkung von Insulin, um Zucker in die Zellen zu bringen, um Energie zu gewinnen, was im Wesentlichen heißt: „Wir wollen oder brauchen deinen Zucker nicht mehr.“ Daher die leicht erhöhte, aber im Allgemeinen stabile Glukose, die im Blut zirkuliert.

„Wir sehen definitiv, dass bei Menschen, die langfristig Low-Carb machen, die Mehrheit feststellen wird, dass ihr Nüchternblutzucker der höchste Wert des Tages ist“, sagt Dr. Sarah Hallberg. „Sie haben eigentlich keine Probleme mit dem Blutzucker. Es geht ihnen wirklich gut. Wir sehen zwar einen höheren Morgenwert, aber dann fällt der Blutzucker über den Tag hinweg stetig ab und es gibt auch keine Blutzuckerspitzen nach den Mahlzeiten[i] [ii].

The Dawn Phenomenon

Warum sind die Blutzuckerwerte morgens am höchsten? Dieses Phänomen wird als „Dawn Phenomenon“ bezeichnet (also Phänomen der Morgendämmerung).  Damit wir in der Früh aus dem Bett kommen, muss uns unser Körper durch entsprechende Signale aufwecken. Hier spielt Cortisol eine wichtige Rolle. Wenn Cortisol, Wachstumshormone, Adrenalin und das Hormon Glukagon in die Leber gelangen, findet eine Anregung der Glukoneogenese statt. Das heißt der Körper beginnt selbst etwas Zucker zu machen, um in den Tag zu starten. Das ist normal, denn üblicherweise wird auch bei Jägern und Sammlern nicht das Frühstück ans Bett geliefert. Jene Zellen, die unbedingt etwas Glukose brauchen, werden so erst einmal gut versorgt. Je besser unsere Zellen an Fett und Ketone angepasst sind, um so weniger Zucker muss unser Körper machen. Wie stark das „Dawn Phenomenon“ ausgeprägt ist, sagt auch etwas über unsere metabolische Gesundheit aus.

Muss ich mir Sorgen machen?

Darum ist auch der Langzeitblutzucker (Hba1c) ein besserer Marker als nur Blutzucker. Es geht nämlich eigentlich um die sogenannte „Area under the Curve“. Trägt man den Tagesverlauf der Blutzuckerwerte in eine Graphik auf und schaut sich an, wie groß die Fläche ist, die unterhabt der Linie entsteht, dann sollte die so klein wie möglich sein. Habe ich also eine kleine Spitze in der Früh, sonst aber einen niedrigen BZ, dann ist die Fläche unter der Kurve klein. Also kein Grund zur Sorge.

Heilt der Stoffwechsel, dann sinkt auch der morgendliche Blutzucker

Erst in den letzten 1,5 Jahren ist mein nüchtern-BZ deutlich gefallen. Heute liegen meine BZ-Werte meistens irgendwo zwischen 75 und 85 mg/dl. Bis zu dem Zeitpunkt ist es mir auch recht schwer gefallen in Ketose zu kommen, was heute nicht mehr der Fall ist. Ich sehe dies als eine deutliche Verbesserung meiner metabolischen Gesundheit und einen Rückgang der Insulinresistenz.

 

Prädiabetes Test, OGTT und LCHF – meine überraschenden Ergebnisse

 


[i] McKenzie, Amy L., et al. „A novel intervention including individualized nutritional recommendations reduces hemoglobin A1c level, medication use, and weight in type 2 diabetes.“ JMIR Diabetes 2.1 (2017): e5.

[ii] Hallberg, Sarah J., et al. „Effectiveness and safety of a novel care model for the management of type 2 diabetes at 1 year: an open-label, non-randomized, controlled study.“ Diabetes Therapy 9.2 (2018): 583-612.

Bildquellen:

  • Man doing blood test with personal glucometer: By e_mikh

Über den Autor Mag. Julia Tulipan

Julia Tulipan ist Biologin (Mag.) und Master of Science in klinischer Ernährungsmedizin. Sie ist Speakerin, Dozentin und Best Seller Autorin und schreibt für verschiedene Online-Magazine sowie für ihr eigenes Blog paleolowcarb.de vor allem zu den Themen ketogene und artgerechte Ernährung und Bewegung. Julia hat selbst lange mit ihrer Gesundheit gekämpft. So wurde ihr Interesse an gesunder Ernährung geweckt. Seither hat sie sich mit Low Carb und der Keto-Ernährung Stück für Stück mehr Lebensqualität zurück erkämpft.

Kommentar hinterlassen:

Steinzeit Diät Erfahrungen | Erfahrungsberichte mit der Paleo Diät lesen says 3. September 2019

[…] Nicht ganz sicher ist allerdings, ob die verbesserten Blutzuckerwerte tatsächlich auf die Steinzeit-Diät zurückzuführen waren oder auf eine generelle Reduzierung der Kalorienmenge, die bei diesem Versuch stattfand. Artikel […]

Reply
Claudia says 12. August 2019

Hi,
Ich war wie ich selbst raus finden durfte schon auf dem Weg zum Diabetes.
Seit 3 Monaten mache ich jetzt LC.
Es gibt deutliche Verbesserungen der Haut, beim Durst und chron. Pilzerkrankungen.
Mein Nüchternzucker vor der Umstellung war bei fast 130.

Jetzt Messe ich regelmässig BZ. Morgens ist er jetzt öfters bei 90 aber ich fühl mich dann richtig kraftlos. Früher hab ich dann was Kh Reiches gegessen.
Übern Tag scheint es immer noch enorm abhängig zu sein was ich esse. Selbst bei bisschen Linsen mit Gemüse in Kokosmilch steigt der BZ auf über 130 und kriege Hunger.
Das bleibt bei sehr! Kh reduzierten Essen aus (Käse/Fisch und Gemüse).

Bin etwas frustriert das ich ein bisschen Linsen derzeit noch nicht essen kann?
Wie sind da ihre Erfahrungen?
Muss ich einfach länger eher im Ketobereich essen bis sich der metabolismus beruhigt hat?

Danke

Reply
    Mag. Julia Tulipan says 20. August 2019

    Hallo Claudia,
    das ist sehr individuell. Immer wieder mal testen wie du auf die Kohlenhydrate reagierst. Du kannst auch kalten Linsensalat testen. Das wirkt anders auf den Blutzucker lg Julia

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