Mag. Julia Tulipan MSc.
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Ist eine ketogene Ernährung schlecht für die Nebennieren?

Ein lieber Bekannter von mir hat mich letzthin auf einen Artikel aufmerksam gemacht, in dem behauptet wird, dass eine ketogene Ernährung, über längeren Zeitraum durchgeführt, zu einer Schwächung der Nebennieren führen würde, da diese Zucker (Glucose) benötigen. Schlafstörungen, Kraftverlust, Depression und ähnliches sollen die Folgen sein.

Ich bin immer bestrebt, den Körper und die biologischen Abläufe besser zu verstehen und es interessiert mich sehr, wie es zu diesen Annahmen kommt.


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Ich muss gestehen, ich bin natürlich nicht ganz objektiv. Warum? Weil ich genau das Gegenteil von dem erlebt habe, was behauptet wird. Nämlich hat, sowohl mir selber als auch Kunden, eine stark Kohlenhydrat reduzierte und auch ketogene Ernährung dabei geholfen „burn-out“ und Nebennierenermüdung zu heilen.

Aber bevor ich auf meine Bedenken eingehe, möchte ich zu aller erst die Grundlagen der Nebennieren und ihre Funktion eingehen und wo hier Glucose eine Rolle spielen könnte.

Was sind die Nebennieren und welche Funktion haben sie?

Die Nebennieren (Glandula andrenalis) ist eine kleine hormonproduzierende Drüse, die wie eine Kappe auf der Niere sitzt. In der Nebenniere werden vor allem die Hormone des Stressgeschehens produziert. Die Nebenniere ist in Nebennieren-Rinde und Nebennieren-Mark unterteilt. In der Nebennieren-Rinde werden Mineralokortikoide (vor allem Aldosteron), Glucokortikoide (vor allem Cortisol) und Androgene gebildet.

Unter der Rinde sitzt das Nebennieren-Mark. Im Mark werden Katecholamine gebildet, vor allem Adrenalin und Noradrenalin.

 

Nieren und Nebennieren

 

Braucht die Nebenniere Glucose?

Es gibt nur wenige Strukturen im Körper die tatsächlich, zu mindest zu einem bestimmten Ausmaß, auf Glucose angewiesen sind. Da sind die roten Blutkörperchen (Erythrozyten), die Zellen der Retina, das zentrale Nervensystem und die Zellen des Nebennierenmarks. Das Gehirn und die Zellen des Zentralnervensystems können zu einem Großteil ihre Energie aus Ketonkörpern gewinnen. Rote Blutkörperchen besitzen keine Mitochondrien. Die Mitochondrien sind die Kraftwerke der Zelle. Hier wird ATP, die Energiewährung des Körpers produziert. In den Mitochondrien kann sowohl Glucose, als auch Fettsäuren und Aminosäuren zur Energiegewinnung genutzt werden. Ohne Mitochondrien bleibt der Zelle nur Glucose als Energielieferant. Die Zellen des Nebennierenmarks besitzen nur wenig Mitochondrien. Daraus erklärt sich ihr Bedarf an Glucose[1].

Muss Glucose über die Nahrung aufgenommen werden?

Nein. Kohlenhydrate zählen nicht zu den essenziellen Nährstoffen, denn wir besitzen die Fähigkeit aus Fetten (Triglyceriden) und Proteinen Glucose selber herzustellen – dies wird als Gluconeogenese bezeichnet und findet in der Leber statt.

Ist eine ketogene Ernährung auf Dauer zu belastend für  die Nebennieren?

Eine definitive Antwort ist schwer zu geben. Es gibt Menschen, die mit Schlaflosigkeit und ähnlichem auf eine lange Zeit durchgeführte ketogene Ernährung reagieren, aber es gibt auch die, bei denen es sogar Hilft, die Folgen eines Burn-out zu heilen. Aus diesem Grund sehe ich die eigentliche Ursache, nicht bei der Tatsache, dass in der Ketose zu wenig Kohlenhydrate zugeführt werden. Denn das müsst dann universale Gültigkeit haben – schließlich sind wir anatomisch alle (ziemlich) gleich.  Außerdem hätten wir dann wohl nicht die letzte Eiszeit überlebt.

Meiner persönlichen Erfahrung nach, handelt es sich mehr um andere Faktoren, die oft gleichzeitig mit der Einführung der Ernährungsumstellung auftreten.  Viele Beginnen mit einem rigorosem Sportprogramm und reduzieren die Nahrungsaufnahme allgemein. Übertraining und ein chronisches Energiedefizit sind die häufigsten Probleme, denen ich begegne. Schlafstörungen, depressive Verstimmungen und unerklärliche Gewichtszunahme sind die üblichen Symptome.

Zusammensetzung und Formulierung

Grundsätzlich gilt, auch eine ketogene Ernährung kann gut und schlecht zusammengestellt sein. Viele machen anfangs den Fehler und ernähren sich nur noch von Schlagobers, Eiern und Speck. Das geht für ein paar Wochen gut, ist aber keinesfalls eine „wohl formulierte“ ketogene Ernährung. Ketogen bedeutet in 99% der Fälle, low-carb aber nicht no-carb. Große Mengen an grünem Gemüse sind durchaus möglich und sogar das ein oder andere Sushi ist drin. Für optimale Nährstoffversorgung, sind Innereien wie Leber und Herz, ein wichtiger Bestandteil einer wohl formulierten ketogenen Ernährung.

Blutzuckerschwankungen und Insulin tatsächliche Stressoren

Die Nebennieren sind maßgeblich an der Regulation des Blutzuckers beteiligt. Faktum ist, dass Blutzuckerspitzen und erhöhtes Insulin definitiv einen Stress für die Nebennieren darstellen.


 

[1]Schiebler, Theodor H., Walter Schmidt, and Karl Zilles, eds. Anatomie: Zytologie, Histologie, Entwicklungsgeschichte, makroskopische und mikroskopische Anatomie des Menschen. Springer-Verlag, 2013.

 

Diagnose Nebennierenerschöpfung: Wie chronischer Stress die Hormon-Balance stört

Über den Autor Mag. Julia Tulipan

Julia Tulipan ist Biologin (Mag.) und Master of Science in klinischer Ernährungsmedizin. Sie ist Speakerin, Dozentin und Best Seller Autorin und schreibt für verschiedene Online-Magazine sowie für ihr eigenes Blog paleolowcarb.de vor allem zu den Themen ketogene und artgerechte Ernährung und Bewegung. Julia hat selbst lange mit ihrer Gesundheit gekämpft. So wurde ihr Interesse an gesunder Ernährung geweckt. Seither hat sie sich mit Low Carb und der Keto-Ernährung Stück für Stück mehr Lebensqualität zurück erkämpft.

Vanilla says 7. April 2016

Hallo Julia
Vielen Dank für den Artikel. Ich bin vermutlich von einer Nebennierenschwäche betroffen, bin das gerade am Abklären. Allerdings hatte ich v.a. die Schmerzen im NN-Bereich und die Stimmungsschwankungen schon unter „normaler“ High Carb Ernährung seit der Pubertät. Für einige Zeit hat mir eine VitaminC-Supplementierung extrem geholfen, da es die NN-Funktion unterstützt, seit einigen Wochen hilft das auch nicht mehr und ich habe noch einige Symptome mehr gekriegt, weshalb ich es jetzt eben abklären lasse. Ich habe mal gelesen, dass es helfen könnte, die KH so um die 20-30g zu halten und extremes LC mit unter 20g KH/Tag nicht empfehlenswert sei, bei solchen Beschwerden. Leider rutsche ich immer wieder in die „Falle“ von zu wenig KH oder zuwenig Nahrung allgemein, da ich auch unter Appetitlosigkeit und extremer Müdigkeit leide. Zumindest aufs Protein achte ich jetzt und frühstücke halt, obwohl ich morgens eigentlich nie Hunger hab. Innereien mag ich leider gar nicht, höchstens Leber, aber die kriege ich hier nicht von Weidetieren, nichtmal Bio, weshalb ich sie nicht esse. Ich werde aber unbedingt mal den Bauernhof anfragen, bei dem ich Bio-Weiderindfleisch kaufe, das müsste doch möglich sein.

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