Ist LCHF schon salonfähig geworden?

Wie bitte, LCHF? Was ist das denn? Was, du isst keinen Zucker, kein Brot, keine Kartoffeln, keine Nudeln?! Wie geht das denn? Da wird man ja gar nicht satt, und überhaupt – das Gehirn braucht doch Zucker und man unterzuckert doch total und ist gar nicht mehr leistungsfähig und wird unausstehlich! Solche oder ähnliche Bemerkungen kennen bestimmt alle, die bei gewissen Anlässen in Erklärungsnot geraten, wenn sie den selbst gebackenen Kuchen, die liebevoll dekorierte Brötchenplatte freundlich dankend ablehnen oder den gereichten Süßigkeitenteller sang- und klanglos an den Nächsten weitergeben. Wenn man dann auch noch nach dem WARUM gefragt wird, kommt man zwangsläufig nicht drum herum, die Situation irgendwie zu erklären und sich für die Verschmähung der gut gemeinten Angebote zu rechtfertigen oder gar zu entschuldigen. Schließlich will man ja den edlen Spender nicht vor den Kopf stoßen oder sich sonst irgendwie unbeliebt machen und schon gar nicht wegen eines Stücks Kuchen oder einem Brötchen!

Was, du isst keinen Zucker, kein Brot, keine Kartoffeln, keine Nudeln?!

Da sind Fingerspitzengefühl und äußerste Diplomatie gefragt, um die Gemüter ja nicht zu erregen oder sich blitzschnell mitten in einer heißen Debatte über gesunde Ernährung wiederzufinden, die man eigentlich gar nicht wollte und mit der letztendlich allen Beteiligten die Stimmung komplett verdorben wird. In solch einer Konstellation kann man einfach nur den Kürzeren ziehen, weil hier meistens das Prinzip „Mehrzahl siegt, Einzahl fliegt“ zum Tragen kommt. Es geht hier schließlich um mehr als nur die Verteidigung der eigenen Ideale. Es geht um Gruppenzugehörigkeit, Status, Anerkennung und soziale Bindungen.

Es ist vergleichbar mit dem Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ – keiner will sich die Blöße geben, mit der offensichtlichen und vielleicht tief im Inneren längst erkannten Wahrheit aus der Reihe zu tanzen oder unangenehm aufzufallen. Wenn man Glück hat, enden solche LCHF-Erklärungsversuche in fragenden bis verständnislosen Blicken und damit, dass man eben einen Spleen hat oder als leicht verrückt abgetan wird. Wenn man Pech hat und einem sofort mit höchster Aggression entgegengetreten wird, was auch auf eine stark ausgeprägte Zuckersucht hindeuten könnte, endet das Ganze in einer dauerhaft gereizten Stimmung und damit, dass man gemieden wird wann immer es geht. Deshalb ertappt man sich nicht selten dabei, seine eigenen Bedürfnisse zu vernachlässigen und allseits bekannte, massenkompatible Erklärungen wie Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten vorzuschieben, nur um nicht aus dem Rahmen zu fallen und in Ruhe gelassen zu werden, weil so etwas ja durchaus als normal gilt. Irgendwie stimmt es ja auch; man verträgt eben keine Kohlenhydrate.

So weit, so gut. Schwierig wird es nur, wenn der höfliche Gastgeber dann weiter nachhakt, was er einem denn sonst noch Gutes tun könne und man genau weiß, dass in Anbetracht des Angebotes nichts weiter als ein leerer Teller übrig bleibt. Da kann man sich echt glücklich schätzen, wenn dann irgendwoher noch eine Tüte Nüsse zum Vorschein kommt und diese weder dragiert noch schokoliert sind. Ich persönlich empfinde das dann immer so, wie wenn man einem trockenen Alkoholiker unnachgiebig noch ein Bier, danach noch einen Wein und zum Schluss noch einen Schnaps anbietet. Der würde dann im Idealfall sicherlich auch beharrlich alles dankend ablehnen, nur dass man seine Begründung sofort verstehen und sich mit weiteren Angeboten respektvoll zurückhalten würde.

 

Wie sieht es in der Realität mit Akzeptanz und Toleranz von LCHF und ketogener Ernährung aus?

Es ist unumstritten, dass wir Menschen vor neuen Dingen erst einmal zurückschrecken, Angst haben oder zumindest ein gewisses Unbehagen spüren. Deshalb ist es auch absolut nachvollziehbar, Altbewährtes zu bevorzugen und skeptisch auf Neues zu reagieren. Das ist bestimmt auch eine Frage der inneren Einstellung, Flexibilität und der gemachten Erfahrungen. Bei meinem ersten Kontakt mit LCHF ging es mir genauso – Angst und Skepsis vor dem vielen Fett und die bewegende Frage:

Um Himmels Willen – kein Brot und keine Brötchen! Was esse ich denn da zum Frühstück?

Ich war aber flexibel genug, um mich wenigstens erst einmal darauf einzulassen, und nach den ersten Erfolgen war ich auch voller Akzeptanz und Vertrauen in die Methode. Mein unmittelbares Umfeld, also alle die das live miterlebten, reagierte ähnlich. Nach geraumer Zeit und vielen Erklärungen zum Wirkprinzip hatten es alle irgendwie akzeptiert und sich bei gemeinsamen Essenseinladungen auch immer darauf eingerichtet, dass ich nun eben etwas anders esse als früher.

Mein fortschreitender und deutlich sichtbarer Gewichtsverlust, einhergehend mit offensichtlichem Wohlbefinden waren der Sache nur förderlich und hinterließen ein stimmiges Gesamtbild. Sicherlich gab und gibt es auch aus diesem Personenkreis immer mal wieder Querschläger und Äußerungen wie „Ich kann mir trotzdem nicht vorstellen, dass so viel Fett gesund sein soll!“ Ich muss dann in solchen Momenten immer schmunzeln, weil ich dann sofort ein sehr treffliches Zitat aus „Köstliche Revolution“ vor Augen habe: Die Behauptung „Fett macht fett“ ist genauso unsinnig wie „Grünzeug macht grün“. Aus solchen Äußerungen spricht die pure Fettangst, die uns Jahrzehnte lang eingebläut wurde und immer noch wird. Kohlenhydrate sind weitaus mehr akzeptiert als Hauptbestandteil einer gesunden Ernährung, als Fett.

Die Botschaft, dass der eigentliche Killer Zucker in all seinen Formen ist, dringt zwar allmählich auch durch die Medien an die Oberfläche, scheint jedoch bei den allermeisten Ärzten noch nicht angekommen zu sein. Sie verteufeln weiterhin das Fett als Ursache für hohes Cholesterin und metabolisches Syndrom und raten nach wie vor zu fettarmer Kost und dem „Sattessen“ mit Kohlenhydraten.

Man sollte es also niemandem übelnehmen, wenn ärztliche Ratschläge befolgt werden und keiner auf die Idee kommt, die offiziellen Ernährungsregeln anzuzweifeln oder gar kritisch zu hinterfragen und praktischerweise die Verantwortung für die eigene Gesundheit bei der Sprechstundenhilfe am Empfang in der Arztpraxis abgegeben werden kann. Mir ging es jahrelang nicht anders. Deshalb kommt es mitunter auch vor, bei solchen Anlässen, wo man nicht umhinkommt sich als Gegner von Zucker und zu vielen Kohlenhydraten „outen“ zu müssen, auch plötzlich auf das ganze Gegenteil von Akzeptanz und Toleranz zu stoßen. So manch einer fühlt sich da schnell provoziert und reagiert mit größter Empörung auf den vermeintlichen Eindringling in die eigene heile und von höchster Instanz bestätigte Ernährungswelt.

 

Ablehnung und Ausgrenzung – Es kann nicht sein, was nicht sein darf!

Die Frage danach, warum man so ganz normale Grundnahrungsmittel wie herzhafte und süße Backwaren aus Getreide, Kartoffeln, Nudeln, Reis verschmäht und nicht einmal zu besonderen Anlässen, von denen es ja speziell jetzt in der Weihnachtszeit wenigstens 3x wöchentlich einen gibt, eine Ausnahme macht, erhitzt mitunter schon die Gemüter, zumindest wenn sie erstmals mit einem unbeugsamen „Verweigerer“ konfrontiert werden.

Ein Stück Kuchen, ein Brötchen, eine Praline – das geht doch! Sonst hat man ja gar nichts mehr vom Leben! Wenn man dann mal keine Lust hat, ständig nach passenden Ausreden und Rechtfertigungen zu suchen, dann kann es schon passieren, dass man sich derart herausgefordert auf eine Diskussionsrunde einlässt und die provokante Gegenfrage stellt „Wovon soll ich denn eine Ausnahme machen? Davon, dass es mir gut geht und ich nicht mehr ständig nur an essen denken muss und ständig Hunger habe und alles wahllos in mich hinein futtere, um wenig später vom schlechten Gewissen geplagt zu sein? Und wenn man dann noch ergänzend hinzufügt, dass man ausgerechnet durch konsequentes Weglassen dieser ganzen Dinge und den Genuss vollfetter natürlicher Lebensmittel sich überhaupt erst einmal ein Leben zurück erobern konnte, was man auch nicht mehr hergeben will, dann brennt manch einem tatsächlich die Sicherung durch und es schlägt einem eine Welle aus Ablehnung, manchmal fast schon Hass entgegen.

Meistens kommen solche Reaktionen von denjenigen, die ganz offensichtlich ständig fortschreitende Gesundheitsprobleme haben und in dem Moment scheinbar ihren ganzen Frust darüber ablassen, dass sie mit den Ratschlägen ihrer Ärzte (siehe auch „Wenn Welten aufeinander prallen – wie Ärzte auf gesundheitliche Erfolge unter ketogener Ernährung reagieren„) und dem erlernten Ernährungswissen, also Fett- und Kalorien-Reduktion in Kombination mit Sport, irgendwie auf der Stelle treten oder sich ihr Zustand gar weiter verschlechtert. Sie wollen es einfach nicht wahrhaben, was sie da gerade gehört haben. Das kann ja gar nicht sein! Es ist für sie unvorstellbar, dass das, was Ärzte oder qualifizierte Diätassistenten und Ernährungsberater sagen nicht stimmen soll. So einen Unsinn, dass man mit Fett abnehmen kann und ausgerechnet unser täglich Brot und die vielen guten Sättigungsbeilagen der Knackpunkt sein sollen, haben sie noch nie gehört.

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Jetzt gilt es, die eigene Ehre und die mehrerer Berufsstände gleich mit zu verteidigen und Angriff ist schließlich die beste Verteidigung! In solch einer Situation ist der sofortige Rückzug die beste Strategie, wohl wissend, dass man als Vertreter solch absurder und vor allem ungemütlicher Theorien als potentieller Störfaktor in Zukunft gemieden wird. Ich komme dann immer zu dem Schluss, dass LCHF in den allermeisten Kreisen noch nicht gesellschaftsfähig ist und es noch ein steiniger Weg ist, bis es als bewährtes Mittel zur Eindämmung der über den Globus schwappenden Welle aus Krankheiten der westlichen Zivilisation anerkannt sein wird. Noch viel mehr Ärzte sollten anhand der inzwischen zahlreich vorhandenen aktuellen Forschungsergebnisse aufwachen und ihre Patienten davon profitieren lassen, anstatt nach dem Motto „wes Brot ich ess, des Lied ich sing“ einfach so weiterzumachen. Dann wäre es irgendwann das Normalste der Welt, auch schon zum Frühstück Eier mit Speck oder Fisch mit Gemüse zu essen, und Sättigungsbeilagen sowie ein süßes Dessert zum Abschluss wären nicht zwangsläufig fester Bestandteil eines Menüs. Keiner würde mehr mit mahnenden Blicken auf die Uhr schauen, nur weil man Punkt um 12 Uhr noch nicht völlig ausgehungert am Mittagstisch sitzt, nachdem man sich bereits spätestens seit 10 Uhr gedanklich darauf vorbereitet hat. Und auch kein abgelehnter Kuchen oder Keks würde mehr eine peinliche Situation oder gar eine Welle der Empörung hervorrufen. Man würde es einfach so respektieren; es wäre ok.

Wenn Welten aufeinander prallen – wie Ärzte auf gesundheitliche Erfolge unter ketogener Ernährung reagieren

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Kathrin Koloc

Kathrin Koloc

Kathrin Koloc, Dresdnerin, von Beruf Managementassistentin und Fremdsprachentalent, ist 2014 über einen äußerst glücklichen Zufall zu LCHF und der ketogenen Ernährung gekommen und hat spontan ihren Lebensstil darauf umgestellt und angefangen, von da ab auch ihre Gesundheit selbst zu managen. Damit konnte sie sich innerhalb eines reichlichen Jahres von ihrer schweren Fettleibigkeit befreien und ein neues schlankes Leben beginnen. Sie hat seit dem ihren heutigen Lebensstil zur Passion gemacht und sich tiefgründig in die Materie mit all ihren Facetten eingelesen und weitergebildet. Wissbegierig, stets auf neue Erkenntnisse bedacht und anhand ihrer eigenen Erfahrungen und Selbstversuche geht sie beharrlich ihren Weg und versucht zielstrebig auch noch die letzten Hürden und Altlasten zu bewältigen, hin zu bestmöglicher Gesundheit und Vitalität. Ihr Wissen und das Erlebte möchte sie gern weitergeben, um damit anderen Betroffenen zu helfen und sie zum Erfolg zu führen.