In den letzten Jahren hat die ketogene Ernährung an Popularität gewonnen. Sowohl in der Welt der Laien, als Diät um die letzten Fettpölsterchen zum Verschwinden zu bringen, als auch in wissenschaftlichen Journalen findet sich die ketogene Ernährung nun immer öfter.

Gerne wird die ketogene Ernährung als ein „neuer“ Trend, ein Hype aus den USA (wo anders können sonst so seltsame Ideen herkommen ;)) bezeichnet. Als eine Modeerscheinung und Radikal-Diät. Doch dem ist nicht so.  Die Geschichte der ketogenen Ernährung beginnt vor bereits in der Antike.

Schon die alten Griechen wussten, dass Fasten die Häufigkeit von Anfällen, bei Patienten mit Epilepsie verringert. Auch in der Bibel lassen sich Hinweise finden. So etwa bei der Beschreibung der Heilung eines besessenen Knaben[1].

Zitat aus Markus 9, 14-29)

„Und er kam zu seinen Jüngern und sah viel Volks um sie und Schriftgelehrte, die sich mit ihnen befragten.  Und alsbald, da alles Volk ihn sah, entsetzten sie sich, liefen zu und grüßten ihn. Und er fragte die Schriftgelehrten: Was befragt ihr euch mit ihnen? Einer aber aus dem Volk antwortete und sprach: Meister, ich habe meinen Sohn hergebracht zu dir, der hat einen sprachlosen Geist. Und wo er ihn erwischt, da reißt er ihn; und er schäumt und knirscht mit den Zähnen und verdorrt. Ich habe mit deinen Jüngern geredet, daß sie ihn austrieben, und sie können’s nicht. Er antwortete ihm aber und sprach: O du ungläubiges Geschlecht, wie lange soll ich bei euch sein? wie lange soll ich euch tragen? Bringet ihn her zu mir!

Und sie brachten ihn her zu ihm. Und alsbald, da ihn der Geist sah, riß er ihn; und er fiel auf die Erde und wälzte sich und schäumte. Und er fragte seinen Vater: Wie lange ist’s, daß es ihm widerfahren ist? Er sprach: Von Kind auf. Und oft hat er ihn in Feuer und Wasser geworfen, daß er ihn umbrächte. Kannst du aber was, so erbarme dich unser und hilf uns! Jesus aber sprach zu ihm: Wenn du könntest glauben! Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt. Und alsbald schrie des Kindes Vater mit Tränen und sprach: Ich glaube, lieber HERR, hilf meinem Unglauben!

   Da nun Jesus sah, daß das Volk zulief, bedrohte er den unsauberen Geist und sprach zu ihm: Du sprachloser und tauber Geist, ich gebiete dir, daß du von ihm ausfahrest und fahrest hinfort nicht in ihn! Da schrie er und riß ihn sehr und fuhr aus. Und er ward, als wäre er tot, daß auch viele sagten: Er ist tot. (Markus 1.26) 27 Jesus aber ergriff ihn bei der Hand und richtete ihn auf; und er stand auf.

   Und da er heimkam, fragten ihn seine Jünger besonders: Warum konnten wir ihn nicht austreiben? Und er sprach: Diese Art kann mit nichts ausfahren denn durch Beten und Fasten.“

heilungdes-besessenenkanben

Gemälde „Verklärung Christi“ von Raffaelo Santi (gen. Raffael, 1483 – 1520)

 

F.A.M. Baumeister schreibt in deinem Buch „Die ketogene Diät“ bezugnehmend auf die eben zitierte Bibelstelle: „Anamnese und Anfallsbeschreibung sind gut vereinbar mit einer frühkindlichen Epilepsie […][2]

Trotz dieser frühen Anfänge, dauerte es bis zum frühen20. Jahrhundert, bis die ketogene Diät als Therapie wiederentdeckt wurde. Zu dieser Zeit wurde, vor allem in den USA, die positive Auswirkung des Fastens auf das Anfallsgeschehen dokumentiert und daraus, im Laufe eines Jahrzehnts, die ketogene Diät, als Behandlungsstrategie bei Epilepsie, etabliert.

1921

Die ersten wissenschaftlichen Berichte über den Einsatz des Fastens auf Epilepsie erschienen 1921 in den USA. Ein bekannter New Yorker Kinderarzt, Dr. Rawle Geyelin, beschrieb, wie er bei einem 10-jährigen Kind, eine Anfallsreduktion durch Fasten erreicht. In den folgenden Jahren veröffentlichte er Berichte von mehreren Patienten, die über 2-3 Jahre, durch das Einhalten längerer Fastenperioden, anfallsfrei blieben.

Das Problem war, dass gerade bei Kindern, das durchhalten dieser langen Fastenzeiten kaum langfristig durchführbar waren. Auch damals war schon bekannt, dass der Zustand des Fastens, mit einem Abfall des Blutzuckers und einem gleichzeitigen Anstieg der Blutketonkörper, einherging. Darum war es naheliegend in diese Richtung weiter zu forschen und eine Ernährung zu entwickeln, die den Hungerzustand imitierte.

1941

Erste Erfolgsberichte werden von der Mayo Klinik, dem Johns Hopkins Hospital und der Harvard Universität verzeichnet. Zwischen 1941 und 1980 war die ketogene Ernährung eine gängige Therapieform bei Epilepsie im Kindesalter. Erst mit der Entwicklung neuer Medikamente, geriet die ketogene Diät in Vergessenheit.

1990 – The Charlie Foundation

Eine maßgebliche Rolle bei der Wiederentdeckung der ketogenen Diät, spielte die „Charlie Foundation“. Die „Charlie Foundation“ wurde Mitte der 90er gegründet und hatte zum Ziel, über den therapeutischen Einsatz einer ketogenen Diät bei Kindern mit pharmakoresistenter Epilepsie aufzuklären. Die „Charlie Foundation“ wurde von einem betroffenen Elternpaar ins Leben gerufen, die durch eigene Recherche, auf die ketogene Diät gestoßen waren, nachdem bei ihrem Sohn Charlie, die medikamentöse Therapie nicht angeschlagen hatte. Die Geschichte wurde sogar verfilmt (First Do No Harm), mit Meryl Streep in der Hauptrolle.

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Mehr über die Charlie Foundation könnt ihr hier lesen www.charliefoundation.org

thecharliefoundation

Zusätzlich zur Arbeit der „Charlie Foundation“ lieferten immer mehr Studien, die Evidenz für die Effektivität und Verträglichkeit der Diät[3].

Heute

Zurzeit wird die diätische Therapie nur dann angewandt, wenn Medikamente versagen und eine operative Therapie nicht in Frage kommt. Das ist sehr schade, denn auch die Medikamente haben, teils schwere, Nebenwirkungen. Wünschenswert wäre, primär die Ernährung umzustellen und erst im zweiten Schritt auf Medikamente zurück zu greifen.

 

[1] Markus Kapitel 9, Vers 14-29, Matthäus, Kapitel 17, Vers 14-20

[2] Baumeister. 2004. Die ketogene Diät – Ernährung als Therapiestrategie. SPS Publications.

[3]Berryman, M. Suzanne. „The ketogenic diet revisited.“ Journal of the American Dietetic Association 97.10 (1997): S192-S194.

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Mag. Julia Tulipan
Julia Tulipan ist Biologin (Mag.) und Personal Fitness and Health Trainer (Dipl.) und schreibt für verschiedene Online-Magazine und für ihr eigenes Blog paleolowcarb.de vor allem zu den Themen gesunde und artgerechte Ernährung und Bewegung. Julia hat selbst lange mit ihrer Gesundheit gekämpft. So wurde ihr Interesse an gesunder Ernährung geweckt. Seither hat sie sich mit Low Carb und der Paleo-Ernährung Stück für Stück mehr Lebensqualität zurück erkämpft. Heute verhilft sie auch als Food-Coach und Personal Trainerin anderen zur Topform. Von Julia kannst Du Dich hier individuell beraten lassen.