Ich lasse einmal pro Jahr eine richtig große Blutuntersuchung machen. Also, eigentlich gehe ich so in etwa alle drei Monate zu meinem Hausarzt und lasse die Standartwerte abnehmen. Das ist sehr wichtig, denn nur so kann man tatsächlich einen Verlauf dokumentieren. Dadurch habe ich in den letzten Jahren sehr viel über mich selbst herausgefunden, und sowohl meine Ernährung als auch andere Lebensstilinterventionen optimieren können. Eine befreundete Ärztin, mit der ich oft über die Interpretation der Werte spreche hat das letzte Mal scherzhaft gemeint „ich weiß nicht was ich dir sagen soll, du kennst dich da ja besser aus als ich“. Na, ja man muss manchmal eben selbst zum Experten werden, wenn einem niemand weiterhelfen kann.

Einmal im Jahr komm ich also mit meinem langen Wunschzettel ins Labor. Ein wichtiger Wert, den ich jetzt regelmäßig ermitteln lasse, ist mein nüchtern Insulin. Das Insulin ist ein wesentlich besserer Wert um eine beginnende Stoffwechselstörung, sprich Diabetes, zu erkenne. Auf Grund meiner eigenen Beobachtung, meiner Reaktion auf Kohlenhydrate und einige alte Blutbefunde, hatte ich ja schon länger den Verdacht, dass ich eigentlich am besten Wege war, Diabetikerin zu werden. Ich habe dann letztes Jahr einen OGTT (Oraler Glucose Toleranz Test) gemacht und Insulin gleichzeitig erfassen lassen. Wenn du den Artikel noch nicht kennst, dann lies hier weiter

https://paleolowcarb.de/praediabetes-test-ogtt-und-lchf-meine-ueberraschenden-ergebnisse/

Mein Nüchtern-Blutzucker hat sich in den letzten Jahren schon normalisiert. Hatte ich noch 2013 zwischen 95 und 110 mg/dl, bewegt sich der BZ mittlerweile zwischen 78 und 85 mg/dl.

Das Insulin hat etwas länger gedauert. Meine Werte aus den letzten drei Jahren:

2016: 10.0 mU/l

2017: 8.5 mU/l

2018: 5.0 mU/l

 

Insulin und vor allem chronisch erhöhtes Insulin ist einer der stärksten Prädiktoren für chronische (Zivilisationskrankheiten) Krankheiten und Herz-Kreislauferkrankungen[1]. Diese Erkenntnisse sind auch nicht sonderlich jung. Es gibt bereits zahlreiche Publikationen zu dem Thema aus den 1980er und 1990er Jahren[2] [3].

Im Sinne der Krankheitsprävention halte ich es für erstrebenswert, möglichst (physiologisch) niedrige Insulinwerte zu erhalten und zu erreichen. Außerdem scheint es auch ein guter Marker für die generelle metabolische Gesundheit zu sein. Ich denke auch, dass latent erhöhte Insulinwerte das Abnehmen massiv erschweren. Es gibt übergewichtige Menschen, die sehr leicht abnehmen und solche, die irgendwie einfach nicht abnehmen können, trotz LCHF. In meiner Erfahrung ist hier das Insulin der entscheidende Faktor. Diejenigen, die trotz sehr leicht und scheinbar mühelos Körperfett verlieren, haben normal-niedrige Insulinspiegel. Jene, die sich schwertuen, haben normal-hohe oder erhöhte Insulinwerte.

Woher kommt die Idee, dass man durch LCHF insulinresistent werden könnte?

Du hast vielleicht schon einmal den Begriff „physiologische Insulinresistenz“ gehört? Der Name ist etwas unglücklich gewählt, denn die physiologische Insulinresistenz ist ein vollkommen normaler Zustand, innerhalb weniger Tage reversierbar und hat eigentlich nichts mit der Insulinresistenz zu tun, wie wir sie bei Diabetikern sehen. Die passendere und auch fachlich richtigere Bezeichnung lautet: Adaptive Glucose Sparing (adaptives sparen von Glucose).

Wird wenig Zucker über die Nahrung aufgenommen, dann beginnen die Muskelzellen die Glucose transportierenden Proteine in der Zellmembran zu reduzieren, bei gleichzeitig erhöhter Aufnahme von Fettsäuren. Dies hat folgenden Hintergrund. Fast alle Zellen in unsere, Körper können Ketonkörper und Fettsäuren zur Energiegewinnung nutzen. Einige wenige Zellen, unter anderem die Retina, rote Blutkörperchen und zu einem gewissen Grad auch das Gehirn, brauchen Glucose. Damit die Glucose für die Zellen zur Verfügung steht, die sie wirklich brauchen, müssen die anderen Zellen weniger sensibel auf Insulin reagieren.

Wir müssen also zwischen der pathologischen (krankhaften) Insulinresistenz unterscheiden, wie sie bei dem metabolischen Syndrom und Typ 2 Diabetes auftritt, und der physiologischen Insulinresistenz, die einen normalen physiologischen Prozess darstellt.

Die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale:

 T2D InsulinresistenzPhysiol. Insulinresistenz
Insulinhochniedrig/ normal
Hba1chochniedrig/ normal
Glucosehochniedrig/ normal
Leber und NiereInsulinresistentInsulinsensitiv
BZ-KontrolleHypoglykämie/ Hyperglykämiestabil

 

 

[1] Shoelson, S. et al. 2006. Inflammation and insulin resistance. Journal of Clinical Investigation. 116, 7 (2006), 1793–1801.

[2] Reaven, Gerald M. „Pathophysiology of insulin resistance in human disease.“ Physiological reviews 75.3 (1995): 473-486.

[3] Lamarche, Benoît, et al. „Fasting insulin and apolipoprotein B levels and low-density lipoprotein particle size as risk factors for ischemic heart disease.“ Jama 279.24 (1998): 1955-1961.

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Mag. Julia Tulipan
Julia Tulipan ist Biologin (Mag.) und Personal Fitness and Health Trainer (Dipl.) und schreibt für verschiedene Online-Magazine und für ihr eigenes Blog paleolowcarb.de vor allem zu den Themen gesunde und artgerechte Ernährung und Bewegung. Julia hat selbst lange mit ihrer Gesundheit gekämpft. So wurde ihr Interesse an gesunder Ernährung geweckt. Seither hat sie sich mit Low Carb und der Paleo-Ernährung Stück für Stück mehr Lebensqualität zurück erkämpft.

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