Mag. Julia Tulipan MSc.
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Mikronährstoff-Guide: Folat vs. Folsäure


Folsäure und Folat, sind das Namen für ein und dieselbe Substanz oder für verschiedene Verbindungen? Du weißt es nicht? Dann mach dir keine Sorgen, viele Gesundheitsexperten, Ernährungsberater und sogar Ärzte wissen nicht, dass es einen Unterschied zwischen Folat und Folsäure gibt.

Folat ist nicht Folsäure

Unter dem Begriff Folat (Vitamin B9) versteht man eigentlich eine Gruppe von Verbindungen, die zu den wasserlöslichen B-Vitaminen gehören. Diese Gruppe wird auch als Nahrungsfolate bezeichnet, und umfasst etwa 100 folsäurewirksame Substanzen. Die Folsäure ist die synthetische Form dieses Vitamins, und wird als solche in Nahrungsergänzungsmitteln und in künstlich angereicherten Lebensmitteln verwendet. Folsäure ist ein Monoglutamat während in der Natur vorkommende Folate meistens als Polyglutamate vorkommen.

 

Aufnahme von Folat

Die Aufnahme von natürlich vorkommenden Folat aus der Nahrung, findet in erster Linie im Gastro-Intestinaltrakt statt. Die komplexen Folatverbindungen müssen im Dünndarm, durch spezielle Enzyme aufgespalten werden. Diese Enzyme, sogenannte Konjugasen, werden in der Leber, der Bauchspeicheldrüse und dem Bürstensaum bestimmter Dünndarmabschnitte hergestellt. Die dabei entstehenden Monoglutamate werden über einen spezifischen Transporter aufgenommen und etwa 80% davon in 5-Methylentetrahydrofolat (5-MTHF) umgewandelt.

Während natürliches Folat in der Mucosa des Bürstensaums zu Tetrahydrofolat (THF) umgewandelt wird. Wird Folsäure in erster Linie in der Leber umgewandelt. Folsäure wird mithilfe des Enzyms Dihydrofolatreduktase zu Dihydrofolat (DHF) reduziert, welches dann weiter zu Tetrahydrofolat (THF) reduziert wird[1]. THF kann dann entweder weiter zu mehreren verschiedenen biologisch aktiven Formen von Folat umgewandelt werden oder direkt in den Folat-Stoffwechselzyklus eintreten. Das Problem ist, dass wir gerade in der Leber eine stark reduzierte Aktivität dieses Enzyms finden, und somit die Fähigkeit eingeschränkt ist, Folsäure in THF umzuwandeln. Es kann somit zu einer Anhäufung von nicht metabolisierter Folsäure im Plasma kommen. Dies wird derzeit immer kritischer Betrachtet und mögliche negative Auswirkungen werden diskutiert[2].

 

D-A-CH Referenzwerte

Empfohlene Zufuhr[3]

AlterFolat
µg-Äqui­va­lent
a/Tag
Säuglingeb
0 bis unter 4 Monate60
4 bis unter 12 Monate80
Kinder und Jugendliche
1 bis unter 4 Jahre120
4 bis unter 7 Jahre140
7 bis unter 10 Jahre180
10 bis unter 13 Jahre240
13 bis unter 15 Jahre300
15 bis unter 19 Jahrec300
Erwachsene
19 bis unter 25 Jahrec300
25 bis unter 51 Jahrec300
51 bis unter 65 Jahre300
65 Jahre und älter300
Schwangerec550
Stillende450
a Berechnet nach der Summe folatwirksamer Verbindungen in der üblichen Nahrung (Folat-Äquivalente).
b Hierbei handelt es sich um Schätzwerte.
cFrauen, die schwanger werden wollen oder könnten, sollten zusätzlich zu einer folatreichen Ernährung 400 µg synthetische Folsäure pro Tag in Form eines Präparats einnehmen, um Neuralrohrdefekten vorzubeugen. Diese zusätzliche Einnahme eines Folsäurepräparats sollte spätestens 4 Wochen vor Beginn der Schwangerschaft anfangen und während des 1. Drittels der Schwangerschaft beibehalten werden.

 

Funktion von Folat und Folgen eines Folatmangels

Folat ist an zahlreichen Prozessen in Körper beteiligt. Folsäure ist die Vorstufe des Coenzyms Tetrahydrofolsäure (THF). THF ist zentral im C1-Stoffwechsel, dient als Lieferant für Methyl-Gruppen und wirkt an der Synthese von Purinbasen mit, die für die RNA-Replikation notwendig sind. Folat ist zusammen mit Vitmain B12 und Vitamin B6 an der Methylierung von Homocystein zu Methionin beteiligt und wichtiger Bestandteil des Methylierungs-Zyklus[4].

In den entwickelten Ländern, ist ein Folatmangel, die am häufigsten auftretende Vitaminmangelversorgung. Davon sind besonders ältere Menschen sowie Schwangere und Stillende betroffen. Aber auch entzündliche Erkrankungen des Darms führen zu einer Unterversorgung mit Folat, das die Aufnahme und Umwandlung zu THF in der Darmmukosa stattfindet. Es gibt auch Medikamente, die die Folat-Aufnahme beeinflussen.  Dies wären zum Beispiel Methotrexat, Trimethoprim, Triamteren oder Pentamidin.

Folatversorgung während der Schwangerschaft

Da Folat eine wichtige Rolle bei der DNA-Synthese hat, ist gerade während der Schwangerschaft, eine ausreichende Versorgung kritisch. Ein Mangel an Folat kann zu schwerwiegenden Fehlbildungen führen, wie dem Neuralrohrdefekt (Spina bifida) und Anenzephalie. Da das kritische Zeitfenster für den Schluss des Neuralrohres zwischen dem 22. Und 28. Tag der Embryonalentwicklung liegt, ist die ausreichende Versorgung mit Folat bereits vor der Empfängnis sehr wichtig[5].

 

Folat in Nahrungsmitteln

 

Folate sind in Lebensmitteln pflanzlicher Herkunft (v.a. in Blattgemüse) und tierischer Herkunft (v.a. in Leber, Eidotter und Weichkäse) enthalten. Folate aus Lebensmitteln tierischen Ursprungs werden vom Körper in der Regel besser verwertet als jene pflanzlichen Ursprungs, da Ballaststoffe die Aufnahme behindern können.

Lebensmittel 100gGehalt an Folsäureäquivalenten in µg
Huhn, Leber391
Rind, Leber226
Meeresalge180
Rind, Niere177
Schwein, Leber141
Hühnerei, Eigelb130
Erdnuss126
Petersilie116
Sonnenblumenkerne100
Fenchel100
Spinat134
Brokkoli103
Endiviensalat116
Walnüsse55
Grünkohl187
Rote Rüben74

 

Folat ist hitzeempfindlich. Darum ist es wichtig schonende Garmethoden mit geringer Hitze zu verwenden. Es ist auch empfehlenswert das Kochwasser weiterzuverwenden, da darin Folat und andere Mikronährstoffe gelöst sind.

Bestimmung des Folatstatus

Folatstatus im Serum spiegelt die Aufnahme in den letzten 12 Stunden wieder und eine einzelne Messung, kann daher keine Auskunft über den Folatstatus einer Person geben[6]. Die Messung des Folat-Levels in den roten Blutkörperchen (Vollblutanalyse) gibt hingegen Auskunft über die Langzeitversorgung mit Folat. Erythrozyten (rote Blutkörperchen) nehmen Folat nur langsam auf. Sie haben eine Lebensdauer von 120 Tagen und die Folataufnahme findet nur während der Erythropoese statt.

Referenz-/Normalwerte – alte Einheit

  • Serum-Folatspiegel bei Erwachsenen: 5–24 ng/ml
  • Folatkonzentration in den Erythrozyten: 200–500 ng/ml

 

Referenz-/Normalwerte – SI-Einheit

  • Serum-Folatspiegel bei Erwachsenen: 2,125–6,6 nmol/l
  • Folatkonzentration in den Erythrozyten: 88–220 nmol/l

 

Folat als Nahrungsergänzungsmittel

Wer Folat ergänzend einnehmen sollte sind Frauen die schwanger werden möchten oder bereits schwanger sind, sowie ältere Personen.

Beim Kauf unbedingt auf die verwendete Form achten. Vermeiden sollte man Produkte, die „Folsäure“ angeben. Es gibt bereits einige Produkte am Markt, welche die natürliche Form beinhalten. Es sollte also  entweder 5-Methyltetrahydrofolat” oder “5-MTHF” drauf stehen. Es wird auch unter dem Markennamen Metafolin® angeboten.

 

Produkte auf Amazon

Life Extension, Optimized Folate (Folsäure als L-Methylfolat), 1000mcg, 100 Veg. Tabletten

 


[1] Powers, Hilary J. „Folic acid under scrutiny.“ British Journal of Nutrition 98.04 (2007): 665-666.

[2] Ulrich, Cornelia M., and John D. Potter. „Folate supplementation: too much of a good thing?.“ Cancer Epidemiology Biomarkers & Prevention 15.2 (2006): 189-193.

[3] https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/folat/

[4] http://www.dach-liga-homocystein.org

[5] Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Erste einheitliche Handlungsempfehlungen zur Ernährung in der Schwangerschaft. DGEinfo 12/2011; www.dge.de/modules.php?name=News&file=article&sid=1201

[6]WHO. 2012. Serum and red blood cell folate concentrations for assessing folate status in populations. VMNIS | Vitamin and Mineral Nutrition Information System. http://apps.who.int/iris/bitstream/10665/75584/1/WHO_NMH_NHD_EPG_12.1_eng.pdf

Über den Autor Mag. Julia Tulipan

Julia Tulipan ist Biologin (Mag.) und Master of Science in klinischer Ernährungsmedizin. Sie ist Speakerin, Dozentin und Best Seller Autorin und schreibt für verschiedene Online-Magazine sowie für ihr eigenes Blog paleolowcarb.de vor allem zu den Themen ketogene und artgerechte Ernährung und Bewegung. Julia hat selbst lange mit ihrer Gesundheit gekämpft. So wurde ihr Interesse an gesunder Ernährung geweckt. Seither hat sie sich mit Low Carb und der Keto-Ernährung Stück für Stück mehr Lebensqualität zurück erkämpft.

Beatrix Willius says 22. Juli 2015

Ich wundere mich immer, daß die Ärzte immer so auf der Polsäure herumreiten. Aber es kam noch nie jemand bei mir auf die Idee, daß mal zu messen.

    Mag. Julia Tulipan says 22. Juli 2015

    Solltest du mal bestimmen lassen. In Österreich zahlt das die Krankenkasse. Genau so wie Vitamin D und Vitamin B12.
    lg
    Julia

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