Mag. Julia Tulipan MSc.
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Mit LCHF vom Diabetiker zu normalem Blutzucker – Franks Geschichte

Ich erhalte immer wieder e-Mails von Menschen, die mir erzählen, wie sie mit einer „simplen“ Ernährungsumstellung ihr Leben verbessern konnten. Einer dieser Menschen ist Frank. Frank genießt seinen Ruhestand in Südwestfrankreich, und Frank hat Diabetes. Nachdem bereits sein Vater und sein Bruder viel zu früh an Folgen des Diabetes verstorben sind, war für Frank klar, dass die herkömmliche „Therapie“ keine Lösung ist. Doch, lassen wir Frank selber erzählen…


Ich hielt den Brief mit der Blutanalyse in der Hand, öffnete den Umschlag und las: Nüchtern-Blutzucker 450 mg/dl. Es traf mich wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Diabetes! Mein Vater hatte seit seinem 60. Lebensjahr Insulin gespritzt, häufig an Unterzuckerung gelitten und während der letzten Lebensjahre kaum mehr als 20 Schritte gehen können, bevor ihn heftige Schmerzen in den Beinen zwangen sich zu setzen. Folgen des Diabetes. Mein Bruder trug während seiner 10 letzten Lebensjahre eine Insulinpumpe, war regelmäßig in der Diabetesabteilung des Kreiskrankenhauses in Behandlung, litt unter offenen Wunden an den Füßen, ein Fuß musste amputiert werden. Folgen des Diabetes.
Ich fühlte mich nicht gut. Was tun?  Begann mich über Typ-2-Diabetes schlau zu machen, las die Website des englischen Arztes Barry Groves, die Website des schwedischen Arztes Andreas Eenfeldt, hörte auf YouTube einen sechsstündigen Vortrag des kanadischen Arztes Jason Fung über die „Ätiologie des Diabetes“, zum Abschluss den fulminanten Vortrag der amerikanischen Ärztin Sarah Hallberg mit dem Titel „reversing type-2-diabetes starts with ignoring the guidelines“.
Alle sagten dasselbe: Typ-2-Diabetes ist mit einer kohlenhydratarmen und fettreichen Ernährung heilbar.
Ich kaufte mir ein Blutzucker-Meßgerät, aß von jetzt an LCHF (Low Carbon High Fat).frank_linnhoff

Innerhalb von 3 Tagen einer streng kohlenhydratarmen und fettreichen Kost sank mein Nüchtern-Blutzucker von 450 mg/dl auf unter 200 mg/dl. Euphorisch stürzte ich mich in einen Selbstversuch, aß zu diesem Zweck das Musterfrühstück für Typ-2-Diabetiker nach den VIS-Leitlinien des bayrischen Staatsministeriums für Umwelt- und Verbraucherschutz: 1 Mehrkornsemmel, 1 Scheibe Knäckebrot, 8 g Streichfett, 1 Scheibe Edamer 30% F. i. T., 1 Gurke, 1 Teelöffel Erdbeerkonfitüre. Das Ergebnis: Blutzucker vor dem Frühstück 180 mg/dl, eine Stunde danach 285 mg/dl, zwei Stunden danach immer noch 270 mg/dl.

Am folgenden Tag aß ich ein „englisches Frühstück“: Rührei von 3 großen Eiern in viel Butter angemacht, dazu 3 Streifen Frühstücksspeck. Das Ergebnis: Blutzucker vor dem Frühstück 180 mg/dl, eine Stunde danach 190 mg/dl, zwei Stunden danach 180 mg/dl.

Ein niederschmetterndes Ergebnis für das bayrische Diabetikerfrühstück, ein haushoher Sieg für das englische Frühstück – nach Barry Groves „der gelungendste Beitrag der englischen Kochkunst zur internationalen Esskultur“. Den Beitrag meiner Wahlheimat Frankreich zur internationalen Frühstückskultur, bestehend aus 1 Baguette mit Konfitüre, 1 Glas Orangensaft und 1 Tasse gezuckertem Espresso, habe ich dann doch nicht getestet, da Fürchterliches ahnend.

Stattdessen testete ich in selbiger Nacht die Diabetiker-Spätmahlzeit des schon zitierten bayrischen Staatsministeriums: 1 geschälter mittelgroßer Apfel von 120 g. Mein Blutzucker schoss hoch bis unter die Zimmerdecke. Resultat: zu Mitternacht saß ich aufrecht und hellwach im Bett!

Am Tag des Arzttermins war der Nüchtern-Blutzucker schon auf 160 mg/dl gesunken. Mein Arzt freute sich über die Ergebnisse, riet mir, so weiterzumachen, verschrieb mir Metformin und Lebertran. Metformin vertrug ich nicht und setzte es ab.

Nach 2 Wochen war der Nüchtern-Blutzucker auf 145 mg/dl, nach 4 Wochen auf 120 mg/dl, nach 8 Wochen auf stabile 100 mg/dl gesunken. Selbst nach den Mahlzeiten stieg der Blutzucker nie über 130 mg/dl und fiel nie unter 95 mg/dl. Es hatte sich eine stabile Ketose mit 4-5 mmol/L Ketonkörper im morgendlichen Urin eingestellt.

Meine Ernährung ist abwechslungsreich, schmackhaft und sättigend, sie besteht aus grünem Gemüse, Blumenkohl, Spinat, Sauerkraut, Paprikaschoten, Auberginen, grünen Böhnchen, Gurken, Salaten, Tomaten, Kräutern, Pilzen, Nüssen, Leinsamen, Avocados, schwarzen Oliven, kaltgepresstem Olivenöl, kaltgepresstem Leinöl, nicht-pasteurisierter Butter, Vollfettkäse, -sahne, -quark aus Rohmilch, Eier von freilaufenden Hühnern, fettem Fleisch von Weiderindern, Schweinen, Lamm und Enten, Leber, Speck, Blutwurst, Rillettes, Gänseschmalz, Sardinen, Makrelen, Heringen.

Ich esse nicht: Süßigkeiten, Konfitüre, Torte, Kuchen, Getreideprodukte, Brot, Kartoffeln, Nudeln, Reis, Müsli, Hülsenfrüchte, Obst, Margarine.
 
Ich trinke nicht: gesüßte Getränke, Fruchtsäfte, Bier.
 
Ich trinke: Wasser, ungesüßten Kaffee und Tee, zum Abendessen ein Glas Wein.
Der Diabetes war erstaunlich schnell verschwunden, die Fettleibigkeit schrumpft stetig. Ich zähle keine Kalorien, esse 2-3 mal täglich soweit ich hungrig bin, schlafe gut, bin geistig wach, heiter und ausgeglichen. Ich fühle mich so fit, wie seit vielen Jahren nicht mehr, radle wieder mit Freude längere Strecken, mache wieder lange Spaziergänge, tanze und singe.
Frank

Frank genießt heute das Leben – ohne Diabetes


Wie entsteht Typ-2-Diabetes?

Als zuckerkrank gilt jemand, dessen Nüchtern-Blutzucker 125 mg/dl übersteigt. Über 90% der Zuckerkranken haben Typ-2-Diabetes. Dieser entsteht durch das Essen von Kohlenhydraten bei Insulinresistenz. Das von der Bauchspeicheldrüse produzierte Hormon Insulin bewirkt bei insulinsensitiven Menschen, dass die Glukosemoleküle, welche durch die Verdauung der kohlenhydrathaltigen Nahrung ins Blut gelangt sind, unverzüglich in die verschiedenen Körperzellen eintreten, wo sie als Brennstoff wirken. Bei Insulinresistenz ist dieser Vorgang gestört. Die Körperzellen lassen dann Glukose nur widerwillig herein, reagieren kaum auf Insulin. Glukose bleibt im Blut, worauf die Bauchspeicheldrüse mehr Insulin ausschüttet. Der Insulinspiegel steigt. Je höher der Insulinspiegel, um so mehr wächst im Laufe der Zeit die Insulinresistenz, um so mehr Insulin wird produziert… Ein Teufelskreis.

Oft funktioniert dies Spiel über Jahrzehnte, ohne dass der Nüchtern-Blutzucker über 125 mg/dl ansteigt, obwohl er nach kohlenhydratreichen Mahlzeiten (typisch für „gesunde Mischkost“) weit über 200 mg/dl hinausschießt und über Stunden dort verbleibt. Dieses Stadium ist schon eindeutig eine „Zuckerkrankheit“, eine folgenschwere Störung des Kohlenhydrat-Stoffwechsels mit zu viel Insulin und zu viel Glukose im Blut. Ein ständig zu hoher Insulinspiegel führt zu hohem Blutdruck, Leberverfettung und Fettleibigkeit. In der industriellen Schweinemast injiziert man den Tieren Insulin, um sie schneller zu mästen. Diabetiker, welche Insulin injizieren oder Medikamente einnehmen, welche die eigene Insulinproduktion erhöhen, nehmen häufig zu.

Eine kohlenhydratreiche Ernährung führt bei Menschen mit einer Veranlagung zu Insulinresistenz häufig zu folgender Krankheitsentwicklung: hohe Insulinproduktion, deswegen zu viel Insulin im Blut, dadurch wächst die Insulinresistenz, es erhöht sich der Blutdruck, verfettet die Leber, entwickelt sich Fettleibigkeit und manifestiert sich Diabetes, wenn die Bauspeicheldrüse nach vielen Jahren übermäßiger Beanspruchung weniger Insulin als zuvor produziert.

Gesunder Menschenverstand

Typ-2-Diabetes trat noch vor 100 Jahren sehr selten in Europa auf. Ärzte, deren Patienten aus dem „einfachen Volk“ stammten, hatten nicht selten keinen einzigen zuckerkranken Patienten behandelt, wenn sie in Pension gingen. Vor 50 Jahren waren schon 1-2% der deutschen RentnerInnen zuckerkrank, heutzutage sind es 20% und mehr, davon besonders betroffen die „einfachen“ Leute. Vor 100 Jahren waren in der Hauptsache die „gebildeten“ Reichen zuckerkrank, heute sind es die „ungebildeten“ Armen. Deutsche Printmedien titelten deswegen: „macht Dummheit dick und zuckerkrank?“ Der bayrische Ministerpräsident wusste die Antwort: „mit mehr Bildung gegen Übergewicht und Diabetes“. Offensichtlich ist es nicht jedermanns Sache, zwischen Korrelation und Kausalität unterscheiden zu können.

Obwohl es vor 100 Jahren noch kein Fremdinsulin gab, gelang es den damaligen Ärzten durchaus, die Zuckerkrankheit ihrer Patienten erfolgreich zu behandeln: durch eine kohlenhydratarme und fettreiche Diät. Ich erinnere mich noch gut daran, dass mein Grossvater bis zu seinem Tode 1957 seine Zuckerkrankheit allein mit einer kohlenhydratarmen und fettreichen Ernährungsweise voll im Griff hatte. Er betrieb keinen Sport, verbrachte seine Tage im Garten, machte sonntags mit seinen Enkelkindern einen geruhsamen Spaziergang bis in den Waldgasthof, wo er gern Sauerkraut mit Schweinebauch und einen Schoppen Moselwein bestellte, später mit seinen Sangesbrüdern „am Brunnen vor dem Tore“ anstimmte, was wir Kinder echt peinlich fanden.

Das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung schreibt zum Thema Ernährung: „früher, als die Therapiemöglichkeiten der Diabetiker noch nicht so flexibel waren wie heute, gab es eine spezielle Diabetesdiät. Diese gibt es heute nicht mehr, die Ernährung der Diabetiker sollte eine gesunde Mischkost sein – so wie sie jeder Mensch essen sollte. Der einzige Unterschied besteht für Typ-2-Diabetiker darin, dass sie wegen ihres meist bestehenden Übergewichts auf den Kaloriengehalt achten sollen. Beim Kochen sollte die verwendete Fettmenge möglichst gering ausfallen und andere fettreiche Lebensmittel sollten nur in geringer Menge eingesetzt werden. Eine fleischarme Ernährung mit viel Gemüse, Salat und Vollkornprodukten ist sinnvoll.“

Es gibt heute keine spezielle Diabetesdiät mehr?
Selbstverständlich gibt es sie, heißt „ketogene Diät“ und wirkt Wunder bei Diabetes.

Mehr über Frank erfährst Du auf seinem Blog: http://wulewuu.blogspot.de/

Über den Autor Mag. Julia Tulipan

Julia Tulipan ist Biologin (Mag.) und Master of Science in klinischer Ernährungsmedizin. Sie ist Speakerin, Dozentin und Best Seller Autorin und schreibt für verschiedene Online-Magazine sowie für ihr eigenes Blog paleolowcarb.de vor allem zu den Themen ketogene und artgerechte Ernährung und Bewegung. Julia hat selbst lange mit ihrer Gesundheit gekämpft. So wurde ihr Interesse an gesunder Ernährung geweckt. Seither hat sie sich mit Low Carb und der Keto-Ernährung Stück für Stück mehr Lebensqualität zurück erkämpft.

LCHF und Diabetes – Ketogen Leben says 23. März 2016

[…] Quelle: Mit LCHF vom Diabetiker zu normalem Blutzucker – Franks Geschichte | Julia Tulipan | Paleo Low Car… […]

Andre Kohsmund says 27. Januar 2016

Ich ernähre mich nun bereits seit 4 Monaten ketogen, habe Metformin abgesetzt und habe trotzdem katastrophale Blutzuckerwerte. Nüchternblutzucker heute 11,4 mmol/l. Ich nehme maximal 20 g Kohlenhydrate zu mir und ernähre mich ansonsten sehr fett und eiweißreich. Aber die Werte gehen nicht runter. Was mache ich falsch?
Kann es sein, dass es an einer, seit 10 Jahren manifesten Fettstoffwechselstörung liegt, bei der die Triglyceridwerte etwa 10fach höher liegen als normal?

    Mag. Julia Tulipan says 28. Januar 2016

    Hallo Andre

    Das kann viele Ursachen haben und man müsste sich die genaue Zusammensetzung deiner Ernährung anschauen. Entzündung und Unverträglichkeiten könnten hier eine Rolle spielen. Misst du die Ketone im Blut?
    lg
    Julia

Emilia says 25. Juli 2015

Hallo!

Bei mir steigt mein Blutzucker ausser durch Obst auch bei allen Kuhmilchprodukten an.

http://www.peta.de/milchunddiabetes

    Mag. Julia Tulipan says 28. Juli 2015

    Ist ja auch viel Zucker drin. Das ist ein Punkt den viele übersehen….

    Leo Tulipan says 28. Juli 2015

    Hallo Emilia,

    Milch enthält viel Milchzucker und Protein (Eiweiß). Beides kann ab gewissen Mengen wieder den Blutzuckerspiegel ansteigen lassen. Wenn man sich Paleo ernährt, dann sagt man damit, dass man keine Milchprodukte zu sich nimmt. Wenn man Milchprodukte grundsätzlich verträgt, reden wir von Primal oder LCHF.

    Die Peta-Seite empfiehlt leider tonnenweise Soja-Ersatzprodukte und Warum Soja ungesund ist haben wir schon im Blog ausführlich beschrieben http://www.paleolowcarb.de/warum-ist-soja-ungesund/
    Die zitierten Studien helfen leider auch nicht wirklich weiter. Es geht um Kinder die Type 1 Diabetes (T1D) entwickeln, wenn sie früher (als auch wir es empfehlen würden) Kuhmilch anstelle von Muttermilch bekommen. Dadurch entwickeln Sie Antikörper, die sich dann auch gegen den eigenen Körper wenden können und dadurch die Bauchspeicheldrüse schädigen und so zu T1D führen.

    Fazit: Wenn man Milch (Laktose) verträgt ist es in Maßen genossen kein Problem. Zuviel Zucker oder Protein in einer Mahlzeit ist für den Blutzucker aber sehr wohl wieder ein Problem. Deswegen lieber auf Milchprodukte mit wenig Zucker (Sahne, Schlagobers) umsteigen und vor allem Leicht-Milch (Milch mit wenig Fett) meiden.

Beatrix Willius says 8. Juli 2015

Die sogenannte „Diabetes-Diät“ ist für mich immer wieder ein Beispiel dafür, das Mediziner und „Ernährungswissenschaftler“ Schwierigkeiten haben 1 und 1 zusammenzuzählen. Ein Kollege ist kurz vor der Diabetes und war auf einem Kurs, wie man sich passend ernährt. Da war auch die Rede von 60% Kohlehydrate. Absoluter Wahnsinn!

    Mag. Julia Tulipan says 8. Juli 2015

    Ja, es ist wirklich traurig.

    Leo Tulipan says 8. Juli 2015

    Ich finde auch, dass das komisch ist. Ein Fall von sogenannter „Kognitiver Dissonanz“.
    Die Ärzte und auch die Diabetiker wissen ja, dass sie Probleme mit Blutzucker haben (deswegen messen sie ihn ja auch).
    Auch ist allen bekannt, dass Kohlenhydrate zu Zucker werden (oder eben schon sind) und das Zucker dann ins Blut geht.
    Auch das normaler Haushaltszucker zur Hälfte Glukose (=Blutzucker) ist und dass Stärke (Kohlenhydrate in Kartoffeln) nichts anderes als aneinandergereihte Glukose-Mokleküle sind weiß jeder Arzt.

    Doch dann eben den Zusammenhang: 60% Kohlenhydrate => Zucker => mehr Blutzucker, bei einer Person, die eh schon Probleme hat.

    Dieser Zusammenhang kann im Kopf irgendwie nicht hergestellt werden. Das kann man den Ärzten nicht unbedingt ankreiden, da sie in der Schule nie gelernt haben diese Zusammenhänge herzustellen. So bleiben diese Konzepte in seperaten „Schachteln“ gespeichert…

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