Für Nootropika gibt es viele Bezeichnungen, wie Smart Drugs, Cognitive Enhancer oder Gehirn-Dopingmittel.

Der Begriff Nootropikum kommt aus dem Griechischen und setzt sich aus den Worten Verstand und Wendung zusammen. Daraus lässt sich bereits vermuten, was diese Stoffe tun: sie wirken sich positiv auf das Zentralnervensystem, insbesondere das Gehirn aus, und tragen dazu bei, die kognitiven Fähigkeiten zu steigern.

Wie sie dies tun, ist jedoch nicht allgemen gültig zu sagen, denn während alle Stoffe, die als Nootropikum bezeichnet werden, eine positive Wirkung auf das Gehirn haben sollen, so tun sie dies durch verschiedene Mechanismen.

Der Sinn eines Nootropikums

Der Mensch definiert sich über seine kognitiven Fähigkeiten. Kaum ein anderes Wesen auf unserem Planeten hat ein ähnlich weit entwickeltes Gehirn und kommt an die Leistungsfähigkeit des Menschen heran.

Aus diesem Grund ist es uns allen wichtig, diese Fähigkeiten zu erhalten und nach Möglichkeit weiter zu verbessern.

Während viele Dinge durch Übungen, wie etwa verschiedene Methoden des Denksports verbessert werden können, reicht dies nicht immer aus. Damit die geistigen Fähigkeiten so gut wie möglich sind, ist es wichtig, dass das Gehirn gesund ist und seine volle Leistung erbringen kann.

Dafür ist insbesondere eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung notwendig. Dies stellt sicher, dass das Gehirn mit allen Nährstoffen, Vitaminen, Mineralien versorgt ist, welches es für eine einwandfreie Funktion benötigt. Doch in manchen Fällen reicht dies nicht ganz aus, oder lässt sich zumindest verbessern.

Zu diesem Zweck gibt es eine Fülle von Mitteln, welche als Nahrungsergänzungsmittel oder Medikamente unter den Sammelbegriff Nootropika fallen.

Die Einnahme dieser Mittel soll sich positiv auf die physiologischen Funktionen des Gehirns auswirken und dies ist in vielen Fällen auch wissenschaftlich belegbar.

Wie ist der Begriff Nootropikum definiert?

Als Nootropika gelten im Allgemeinen alle beliebigen Substanzen, welche sich positiv auf die Leistungsfähigkeit des Gehirns auswirken.

Da dies zumindest kurzfristig auf sehr viele Substanzen zutrifft, ist diese, sehr allgemein gehaltene, Definition nur bedingt hilfreich. Der Begriff des Nootropikums wurde im Jahr 1972 von dem Arzt und Professor für Neurophysiologie Corneliu E. Giurgea geprägt. Dieser definierte auch etwas genauer, was für ein Stoff als Nootropikum angesehen werden kann und seine Definition wurde später um eine Reihe weiterer Kriterien ergänzt.

Nach heutiger Ansicht müssen Stoffe die folgenden Eigenschaften haben um als Nootropikum bezeichnet zu werden:

    • sie müssen eine unmittelbare Steigerung der Hirnaktivität bewirken
    • die gesteigerte Hirnaktivität darf und muss ausschließlich das Endhirn bzw. Telencephalon betreffen
    • die unmittelbare Wirkung auf das Telencephalon soll eine mittelbare Verbesserung der übrigen Hirntätigkeit zur Folge haben
    • sie müssen die Lern- und Gedächtnisleistung verbessern
    • sie müssen die Beständigkeit von Erlerntem auch unter physiologischen

Stresssituationen steigern

  • sie müssen das Hirn vor Schäden, insbesondere durch zellschädigende chemische Verbindungen schützen
  • sie dürfen selbst nur in sehr hohen Dosierungen zellschädigend sein und dürfen nur wenige Nebenwirkungen haben
  • sie müssen die Kontrolle der Hirnrinde bzw. des Cortex über die darunter liegenden Hirnareale verbessern
  • sie dürfen die Wirkung anderer Medikamente mit Wirkungen auf das Gehirn nicht beeinträchtigen

 

Dabei ist insbesondere die Forderung hervor zu heben, dass Nootropika keine schädigende Wirkung auf das Gehirn haben dürfen.

Eine Tatsache ist nämlich, dass sehr viele Stoffe, wie etwa eine Vielzahl von Drogen, eine positive Wirkung auf die Aktivität des Gehirns haben. Diese positive Wirkung steht jedoch immer in einem unmittelbaren Zusammenhang mit einer Vielzahl von, teilweise massiven, Nebenwirkungen und in vielen Fällen auch mit einer irreversiblen Schädigung des Gehirns.

Somit werden Drogen durch die Definition als Nootropika ausgeschlossen.

Nahrungsergänzungsmittel oder Medikamente?

Auch wenn es heute eine vermeintlich klare Definition gibt, welche Stoffe als Nootropikum anzusehen sind, so ist die Definition ansich in vielen Punkten sehr frei interpretierbar.

Insbesondere der Ausschluss einer schädigenden Wirkung ist eine Auslegungssache. Der Arzt Paracelsus sagte bereits im 16. Jahrhundert, dass alle Dinge Gift seien und es lediglich auf die richtige Dosis ankäme. Da die Definition jedoch keine konkreten Grenzwerte für eine schädliche Wirkung enthält, ist dies eine Ermessenssache des Herstellers oder der Forscher, die Studien zu den jeweiligen Stoffen durchführen.

Genauso verhält es sich auch mit allen anderen Aspekten der Wirkungsweise von Nootropika. Hier ist jedoch die deutsche Gesetzgebung sehr genau und unterscheidet strikt zwischen Nahrungsergänzungsmitteln und Medikamenten.

Eine Tatsache in der Industrie und im Marketing ist, dass jeder Hersteller sehr viele Dinge behaupten kann und es schwer ist, ihm nachzuweisen, dass die Behauptung falsch ist. Dies erlaubt es Herstellern von beliebigen Produkten die Bezeichnung des Nootropikums für ihre Mittel zu verwenden, ohne dass dies verboten wäre, da es sich um keinen geschützten Begriff handelt.

Aus diesem Grund müssen Kunden selbst dafür Sorge tragen, dass sie keinem möglichen Betrug zum Opfer fallen. Nahrungsergänzungsmittel, welche als Nootropika bezeichnet werden, können durchaus die zugeschriebenen Wirkungen auf das Gehirn haben und tatsächlich die Leistungsfähigkeit verbessern. Diese möglichen Wirkungen stützen sich jedoch immer nur auf die Behauptungen einzelner Wissenschaftler und sind keinesfalls durch aussagekräftige, wissenschaftliche Studien untermauert.

Das kann bedeuten, dass es einfach noch keine abschließende Klärung der Wirkungsweise gibt. Meistens bedeutet dies jedoch, dass die Behauptungen einzelner Wissenschaftler auf fehlerhaften oder unzureichenden Untersuchungen basieren und die zugeschriebene Wirkung ist bei dem jeweiligen Stoff schlichtweg nicht vorhanden.

Anders verhält es sich hingegen bei Medikamenten. Diese müssen eine nachweisbare und durch klinische Studien genau untersuchte Wirkung auf den menschlichen Körper haben. Deshalb sind Nootropika im eigentlichen Sinne immer als Medikamente anzusehen und als solche zu handhaben.

Piracetam und ähnliche Stoffe

Der Arzt Giurgea nutzte für seine Definition des Nootropikums die Wirkungsweise des Medikaments Piracetam.

Es gehört zu einer Reihe von Medikamenten, welche unter dem Sammelbegriff der Antidementiva zusammengefasst werden. Auch wenn die Wirkungsweisen verschiedener Nootropika sich teilweise erheblich voneinander unterscheiden, so konnte bisher bei allen zumindest eine gewisse Anzahl von identischen Effekten nachgewiesen werden.

Zu diesen Effekten zählt insbesondere eine erhöhte Aufnahme des Stoffes Cholin, welche einen höheren Umsatz des Botenstoffs bzw. Neurotransmitters Acetylcholin führt und die Anzahl der Acetylcholin-Rezeptoren im Gehirn um bis zu 40 % erhöht.

Darüber hinaus wird die Beweglichkeit der Zellmembranen erhöht. Beides bewirkt eine bessere Kommunikation zwischen den Nervenzellen des Gehirns. Weiterhin wird dem Gehirn mehr Energie durch Adenosintriphosphat bereitgestellt und die Durchblutung gefördert.

Fazit

Dies ist eine ziemlich umfangreiche Liste von Anforderungen für alle Substanzen.  Tatsächlich könnte alles, was dieser vollständigen Definition entspricht, auch als „Wundermittel“ bezeichnet werden, nicht nur als Nootropikum.

Wenn du jedoch den Begriff Nootropika hörst, bezeichnet man damit meistens ein Nahrungsergänzungsmittel, das die kognitive Leistung des Gehirns verbessert und das dem Denken in irgendeiner Weise zugute kommt (verbessertes Gedächtnis, schnellere Verarbeitungsgeschwindigkeit, erhöhte Konzentration, usw.).

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Tobias Fendt
Dies ist ein Gastbeitrag von Tobias, Biohacker und Selbstoptimierer. Er ist Autor und Blogger auf www.brainperform.de. In seinen Artikeln gibt er seinen Erfahrungsschatz aus jahrelangem Biohacking weiter, welcher sich auf eine gesunde Ernährung, mehr mentalen Fokus und einem besseren Schlaf bezieht. Mehr über Tobias findest du auf seiner Website https://www.brainperform.de.
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