Grasfütterung verbessert das Fettsäurenprofil in Kuhmilch

Einer der vielen Inhaltsstoffe der Kuhmilch sind die konjugierten Linolsäuren (Abkürzung: CLA). Diese haben potenziell gesundheitliche Vorteile wie antikarzinogene, antiatherogene, antidiabetische und antiadipogene Effekte. CLA kommt natürlicherweise in Lebensmittel vor, wobei Milchprodukte und andere Produkte von Wiederkäuern die Hauptquelle für den Menschen darstellen.

Studie “Conjugated Linoleic Acid (CLA) Content of Milk from Cows Fed Different Diets”

Die Studie von Staszak et al. 2005 wurde von Juli 2003 bis Juli 2004 durchgeführt. Es wurden 28 Kühe untersucht und in 2 Gruppen unterteilt. Gruppe S bekam Futter auf Grundlage von Maissilage und Gruppe H bekam Gras-Heu Futter. Während der Sommermonate erhielten alle Kühe ca. 20 % frisch geschnittenes Gras. Allen Kühen wurde während des gesamten Zeitraums die gleichen Mineralstoff-Vitamin-Präparate gegeben. Untersucht und aufgezeichnet wurden die täglichen Milcherträge, die chemische Zusammensetzung der Milchproben (monatlich untersucht) und die CLA Gehalte (alle zwei Monate).

Die Ergebnisse zeigten mehr CLA bei Gras-Heu Fütterung!

Die Kühe mit der Gras-Heu-Fütterung hatten signifikant mehr CLA in der Milch. Jedoch waren die Milchleistung und chemische Zusammensetzung bei beiden Gruppen während der Studie ähnlich.

 Gruppe S (Maissilage)Gruppe H (Gras-Heu)
Milchleistung20,07 kg/Tag19,03 kg/Tag
CLA (mg/kg Milch)204,19 mg278,44 mg
Gesamtfeststoffe12,99 %13,50 %
Fett4,15 %4,48 %
Protein3,38 %3,49 %
Laktose4,53 %4,50 %
Anzahl der Tage ab der Kalbung bzw. dem Einsetzen der Milch (Days in Milk)198,77 Tage241,29 Tage

Die Tabelle zeigt die Durchschnittswerte der Milchleistungsmerkmale für den Gesamtzeitraum der Studie

Der CLA-Gehalt bei Kühen mit Gras-Heu Fütterung variierte zwischen 153,85 mg/kg (Mai 2004) und 419,01 mg/kg Milch (Juli 2004). Bei Maissilage Fütterung zwischen 150,58 mg/kg (Mai 2004) und 303,05mg/kg Milch (Juli 2004). Die niedrigste CLA-Konzentration wurde in beiden Gruppen im Mai 2004 festgestellt, was vermutlich an der Fütterung von konservierten Futter lag. Dieses wurde im vorigen Sommer produziert und dann lange gelagert. Die höchste CLA-Konzentration wurde in den Sommermonaten 2003 und 2004 gemessen, was am frisch geschnittenes Gras im Futter lag, welches zu einer Erhöhung der CLA-Spiegels in der Milch führte.

 CLA Menge (mg/kg Milch)
Mai 2004Juli 2004
Gras-Heu Fütterung153,85419,01
Maissilage Fütterung150,58303,05

 

Die Grafik zeigt die CLA Menge bei Gras-Heu und Maissilage Fütterung für den Gesamtzeitraum der Studie

Woher stammt die CLA in der Milch?

Konjugierte Linolsäuren stammen aus dem Pansen von Wiederkäuern. CLA wird als Zwischenprodukt in der biologischen Hydrierung durch das Pansenbakteriums Btuyrivibrio fibrisolvens von ungesättigten Fettsäuren gebildet [Kay et al. 2004]. Weidegras ist reich an Fettsäuren die zu CLA umgewandelt werden können, was zu erhöhter CLA-Produktion im Pansen und in den Milchdrüsen führt und letztendlich in der Milch wiederfindet.

Fett in mg/g
WeidegrasMaissilageAlfalfa-Heu
C 18:134,0212,826,1
C 18:2159,1487,8150,2
C 18:3410,841,6230,2

Diese Tabelle zeigt Fettsäurezusammensetzung in frischen und konservierten Futtermitteln  [DHIMAN et al. 1996]

Schlusswort

Höhere CLA-Werte in Kuhmilch können den nährenden und therapeutischen Wert der Milch erhöhen. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass der CLA-Gehalt durch Fütterung erhöht werden kann. Die CLA-Konzentration war bei den Kühen mit Gras-Heu Fütterung signifikant höher, als in der Milch bei Kühen mit Maissilage Fütterung. Jedoch gab es in dieser Studie bei beiden Gruppen in den Sommermonaten höhere CLA-Werte, was an der Fütterung mit geschnittenem Gras lag.

Eier vom Bauernhof oder aus dem Supermarkt? Ein Vergleich der essentiellen Fettsäuren Omega-3 und Omega-6 in Eiern aus Freilandhaltung

 

Bio-Lebensmittel helfen das Gewicht zu halten und senken das Risiko für Übergewicht

In einer prospektiven Studie von Kesse-Guyot et al. 2017 wurde die Häufigkeit des Bio-Lebensmittelkonsums 62.224 Personen (78 % Frauen und durchschnittlich 45 Jahre alt)  untersucht. Zu Beginn der Studie war der BMI bei Personen mit hohem Bio-LM Konsum niedriger. Nach 3 Jahren war der BMI bei jenen Personen stärker erhöht, die vergleichsweise wenig Bio-LM verzehrt haben. Es konnte beobachtet werden, dass ein hoher Verzehr an Bio-Lebensmittel das Risiko für Übergewicht um 23% reduzierte und für Adipositas um 31%.

Was sind die Vorteile von biologischen Lebensmittel?

Biologisch angebaute Lebensmittel haben einige Vorteile. Sie enthalten mehr Nährstoffe,  haben ein besseres Fettsäureprofil, kürzere Transportwege und sind ebenso mit weniger Pestiziden belastet [Barański et al. 2014, Średnicka-Tober et al. 2016]. Einige dieser Pflanzenschutzmittel sind als “endokrine Disruptoren” bekannt [Mnif et al. 2011] und führen möglicherweise zu Stoffwechselerkrankungen [Casals-Casas et al. 2011]. Bio-Lebensmittel können daher hilfreich sein um das Körpergewicht zu halten und sich vor Krankheiten zu schützen.

Im Mai 2009 startete die NutriNet-Santé in Frankreich. Eine webbasierte und prospektive Beobachtungs-Kohorten-Studie. Die Teilnehmer füllten auf einer Website einen Fragebogen aus bezüglich ihren soziodemografischen Daten, Lebensstil, Gesundheitsstatus, körperlicher Aktivität, Körpermaßen und Ernährung.

 

Von den folgenden 16 Lebensmittelgruppen wurde die Verzehrshäufigkeit erhoben:

  • Früchte
  • Gemüse
  • Soja
  • Milchprodukte
  • Fleisch und Fisch
  • Eier
  • Getreide und Hülsenfrüchte
  • Brot und Zerealien
  • Mehle
  • Pflanzenöle und Gewürze
  • Fertiggerichte
  • Kaffee/Tee/Kräutertee
  • Wein
  • Kekse/Schokolade/Zucker/Marmelade
  • andere Lebensmittel
  • Nahrungsergänzungsmittel

 

Um weitere Auswertungen machen zu können wurde aus diesen Verzehrhäufigkeitsdaten der „Organic Score“ berechnet. Es wurden 4 Quantile gebildet was 4 Gruppen mit je 25% der Teilnehmer ergab. Die erste Gruppe war die mit dem niedrigstem und die letzte Gruppe die mit dem höchstem Verzehr. Diese 4 Gruppen wurde dann miteinander verglichen bezüglich der Verzehrshäufigkeit von Bio-Lebensmittel und allen anderen erhobenen Daten.

Ergebnisse der Studie

Bei folgenden Merkmalen wurde ein hohen Bio-Lebensmittel Konsum beobachtet:

  • Frauen
  • TeilnehmerInnen in einer Partnerschaft lebend
  • ehemalige RaucherInnen
  • körperlich aktiv
  • höherer Schuldbildung
  • höheres Einkommen oder höheres Beschäftigungsniveau

Ein niedriger Bio-Lebensmittel Konsum war bei folgenden Merkmalen häufiger:

  • hohe Energieaufnahme
  • Alkoholkonsum
  • höherer BMI

Am häufigsten wurden folgende Lebensmittelgruppen in Bio-Qualität verzehrt:

  • Eier
  • stärkehaltige Lebensmittel
  • Gemüse
  • Pflanzenöle
  • Früchte
  • Mehle

Die Follow-Up Zeit (der 2. Untersuchungszeitpunkt) betrug im Durchschnitt knapp über 3 Jahre. In diesem Zeitraum erhöhte sich der BMI wesentlich mehr in der Gruppe mit dem niedrigsten Bio-Lebensmittel Verzehr. Die Gruppe mit dem höchsten Bio-Lebensmittel Verzehr hatte ein um 23 % niedrigeres Risiko übergewichtig zu werden und das Risiko für Adipositas war sogar um 31 % niedriger. Wenn die Teilnehmer eine hohe Ernährungsqualität aufwiesen, war das Risiko für Adipositas noch geringer. Die „hohe Ernährungsqualität“ war in dieser Studie gegeben, wenn die französischen Ernährungsempfehlungen befolgt wurden. [Estaquio et al. 2009]

Schlusswort

Zum ersten Mal wurde in einer prospektiven Studie gezeigt, dass der Verzehr von weniger Bio-Lebensmitteln zu einem höherem BMI Zuwachs führt und ein höheres Risiko für Übergewicht und Adipositas birgt. Zu Bedenken sei der „healthy user bias”, dass Leute die Bio-Lebensmittel kaufen sonst auch gesünder leben und weniger an chronische Krankheiten leiden. Wenn diese Störtfaktoren (Confounder) bei der Datenauswertung berücksichtigt wurden, blieben die Ergebnisse weiterhin signifikant, jedoch etwas abgeschwächt.

Warum Bio – Bedeutung von Aufzucht und Fütterung

 


Literatur

Staszak E. Conjugated linoleic acid (CLA) content of milk from cows fed different diets. Folia Biologica 2005;53(4):103-06

Kay J, Mackle T, Auldist M, Thomson N, Bauman D. Endogenous synthesis of cis-9, trans-11 conjugated linoleic acid in dairy cows fed fresh pasture. Journal of Dairy Science 2004;87(2):369-78

Dhiman T, Anand G, Satter L, Pariza M. Dietary effects on conjugated linoleic acid content of cow’s milk. 87th AOCS Annul Meeting and Expo, USA 1996

Kesse-Guyot E, Baudry J, Assmann KE, Galan P, Hercberg S, Lairon D. Prospective association between consumption frequency of organic food and body weight change, risk of overweight or obesity: results from the NutriNet-Santé Study. British Journal of Nutrition 2017;117(2):325-34

Barański M, Średnicka-Tober D, Volakakis N, et al. Higher antioxidant and lower cadmium concentrations and lower incidence of pesticide residues in organically grown crops: a systematic literature review and meta-analyses. British Journal of Nutrition 2014;112(5):794-811

Średnicka-Tober D, Barański M, Seal C, et al. Composition differences between organic and conventional meat: a systematic literature review and meta-analysis. British Journal of Nutrition 2016;115(6):994-1011

Średnicka-Tober D, Barański M, Seal CJ, et al. Higher PUFA and n-3 PUFA, conjugated linoleic acid, α-tocopherol and iron, but lower iodine and selenium concentrations in organic milk: a systematic literature review and meta-and redundancy analyses. British Journal of Nutrition 2016;115(6):1043-60

Mnif W, Hassine AIH, Bouaziz A, Bartegi A, Thomas O, Roig B. Effect of endocrine disruptor pesticides: a review. International Journal of Environmental Research and public health 2011;8(6):2265-303

Casals-Casas C, Desvergne B. Endocrine disruptors: from endocrine to metabolic disruption. Annual review of physiology 2011;73:135-62

Estaquio C, Kesse-Guyot E, Deschamps V, et al. Adherence to the French Programme National Nutrition Sante Guideline Score is associated with better nutrient intake and nutritional status. Journal of the American Dietetic Association 2009;109(6):1031-41

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Mag. Julia Tulipan
Julia Tulipan ist Biologin (Mag.) und Personal Fitness and Health Trainer (Dipl.) und schreibt für verschiedene Online-Magazine und für ihr eigenes Blog paleolowcarb.de vor allem zu den Themen gesunde und artgerechte Ernährung und Bewegung. Julia hat selbst lange mit ihrer Gesundheit gekämpft. So wurde ihr Interesse an gesunder Ernährung geweckt. Seither hat sie sich mit Low Carb und der Paleo-Ernährung Stück für Stück mehr Lebensqualität zurück erkämpft. Heute verhilft sie auch als Food-Coach und Personal Trainerin anderen zur Topform. Von Julia kannst Du Dich hier individuell beraten lassen.