Paleo bedeutet neben der Ernährung auch eine gesunde und artgerechte Lebensführung. Einer der größten Unterschiede vom steinzeitlichen Leben unserer Vorfahren im Vergleich zu heute ist, dass wir uns deutlich weniger direktem Sonnenlicht aussetzen. Das hat weitreichende Konsequenzen für die Gesundheit und legt den Schluss nahe, dass es sich bei Sonnenlicht um einen essenzieller Nährstoff handeln könnte. Erfahre nun, warum Sonnenlicht so wichtig für die Gesundheit ist.

Sonnenlicht früher und heute

Um dir zu zeigen, wie viel anders unser Verhalten mit der Sonne im Vergleich zu früher ist, spielen wir ein kleines Szenario durch: Welche Rolle hatte die Sonne vor 10.000 Jahren für den Menschen, und welche hat sie heute?

Die Sonne vor zehntausend Jahren

In der Steinzeit herrschten sogenannte animistische Religionen vor, verschiedene Götter, Geister und Dämonen waren unter Naturvölkern ebenso verbreitet wie der Glaube, dass alles in der Natur eine Seele habe: Tiere, Bäume, Steine, und die Sonne.

In den meisten Naturreligionen nimmt die Sonne eine starke Rolle ein, wie ein Herrscher, der über allem steht – streng, gerecht, aber dennoch unbarmherzig. Und wichtig für Gesundheit und ausreichend Nahrung.

Unsere Vorfahren verbrachten nahezu 24 Stunden am Tag an der frischen Luft, da sie keine Häuser aus Holz, Stein oder Beton hatten, sondern maximal eine kleine Höhle. Thematisch hatten Urvölker gar kein Dach über dem Kopf, sondern lediglich eine Feuerstelle. Das bedeutet auch, dass unsere Vorfahren täglich für lange Zeit dem direkten Sonnenlicht ausgeliefert waren – unabhängig vom Breitengrad, in dem sie lebten.

Man kann davon ausgehen, dass sich unsere Vorfahren ganzjährig mehrere Stunden am Tag dem direkten Sonnenlicht ausgesetzt haben – dabei war das Licht der Vormittagssonne am wichtigsten, da es noch nicht so heiß war, sie ausgeruht waren, und die beste Zeit zum Jagen war.

Wie man es auch dreht und wendet: Die Sonne spielte jeden Tag eine wichtige Rolle für den täglichen Ablauf, der Mensch hatte in seiner Evolution schon immer viel Sonnenlicht zur Verfügung.

Unser Körper hat sich daran angepasst und in gewisser Hinsicht benötigt der Stoffwechsel dieses Sonnenlicht auch.

Sonnenlicht heute

Ein normaler Tag in Deutschland: Der Durchschnittsbürger steht auf, frühstückt und macht sich bereit für den Arbeitstag – in einer Behausung. Er gelangt mittels Bus, Bahn oder Auto zu seiner Arbeit, und arbeitet den ganzen Tag über in einem Bürogebäude.

Die Sonne sieht er nur durch das Fenster oder, wenn er das Gebäude wechselt. Nach Feierabend geht er nach Hause, macht vielleicht einen kleinen Spaziergang, in dem Gesicht und Hände in der Sonne sind, und geht dann nach Hause – nach innen.

Gelegentlich macht er draußen Sport, geht in‘s Schwimmbad oder macht einen Strandurlaub – hier setzt er sich von jetzt auf gleich und für längere Zeit direktem Sonnenlicht aus. Dazu kommt, dass er sich vor dem Sonnenlicht schützen will, um keinen Hautkrebs zu bekommen, und sich mit Sonnencreme eincremt.

Die Ironie dabei ist, dass Sonnencreme nicht immer vor Sonnenbrand schützt und eine natürliche Bräune auf der Haut genauso gut vor Hautkrebs schützt als handelsübliche Sonnencreme. Aber das ist dem Durchschnittsbürger egal, da er einfach nur Angst vor Hautkrebs hat und die Sonne zwar als Licht- und Wärmespender sieht, aber auch als großes Übel.

Du siehst: In unserer modernen, industrialisierten und chronisch gestressten Bürowelt hat die Sonne keinen Platz mehr. Das hat Folgen für unsere Gesundheit:

Ein Mangel an Sonnenlicht wirkt sich negativ auf die Gesundheit aus

Betrachten wir einmal kurz, welche Rolle die Sonne für unsere Gesundheit und unseren Stoffwechsel spielt, und welche Effekte Sonnenlicht dabei hat:

Sonnenlicht steigert die Durchblutung

Die UV-Strahlung des Sonnenlichts kann in tiefere Hautgewebe eindringen und in die dortigen Blutgefäße. Dort sorgen die UV-Strahlen für die Freisetzung eines Hormons namens Stickoxid (NO)7, welches den Blutdruck senkt, die Durchblutung steigert, den Energieverbrauch erhöht und das Immunsystem stimuliert.

Übrigens: Das ist das selbe Stickoxid, das dein Körper aus dem in einigen Gemüsesorten (z.B. rote Beete und Spinat) vorliegenden Nitrat herstellt.

Sonnenlicht aktiviert das Immunsystem

Es ist bekannt, dass Sonnenlicht, das auf die Haut strahlt und in tiefere Hautschichten eindringt, dort vorliegende Immunzellen stimuliert. Besonders natürliche Killerzellen (NK-Zellen), die sich im aktivierten Zustand auf die Suche nach Krankheitserregern wie Bakterien und Viren machen.

Auf lange Sicht wirkt das Sonnenlicht so Infektionskrankheiten entgegen. Das kann Sonnenlicht auch auf andere Weise: UV-Strahlung wirkt antibakteriell, was sich bei chronischen Hautinfektionen, Akne, Neurodermitis und Milchschorf, wie auch bei systemischen Infektionen positiv auswirkt.

Sonnenlicht für die Vitamin D-Bildung

Geschätzte 80-90 % aller Deutschen leiden an einem Vitamin D Mangel6.  Den Vitamin D-Bedarf über die Nahrung zu decken ist nicht möglich, dazu wäre der Verzehr von täglich zwölf Eiern oder 2 kg Lachs nötig.

Vitamin D bildet die Haut aus einer Vorstufe namens 3-Deoxy-Cholesterol, wenn UV-Strahlung (Sonnenlicht), darauf trifft9. Vitamin D wirkt zusammen mit Vitamin K2 beim Aufbau von Knochen8, zusammen mit Vitamin A als Regulator im Immunsystem, fördert die Aufnahme von Kalzium aus der Nahrung und senkt somit effektiv den Kalziumbedarf des Körpers, und vieles mehr.

Schätzungen zufolge beeinflusst Vitamin D die Expression von ca. 3.000 Genen im menschlichen Körper (von insgesamt ca. 23.000). Jedes Gewebe im Körper benötigt Vitamin D, und fast jeder Deutsche hat einen Mangel. Warum? Weil wir uns zu wenig in der Sonne aufhalten, nicht mit dem ganzen Körper und wenn doch, uns mit Sonnencreme einkleistern. Sonnencreme bewirkt, dass die Haut Vitamin D nicht bilden kann.

Sonnenlicht reguliert den Tag-Nacht-Rhythmus

Am Vormittag hat Sonnenlicht einen starken Blaulichtanteil, der dafür notwendig ist, gesunde Mengen Cortisol zu bilden und den Körper wach werden zu lassen1-2.

Probiere das einmal aus: Steh früh auf, trinke 1-2 Gläser Wasser, zieh deine Laufsachen an, und laufe für 20-30 Minuten in der aufgehenden Sonne. Versuche dabei, das Gesicht und die Augen möglichst in Richtung Sonne zu richten. Du wirst merken, wie dich das Sonnenlicht wach macht.

Zufall? Eher nicht, denn das blaue Licht stimuliert die Nebenniere dabei, gesunde Mengen Cortisol zu bilden. Das hat auch den Effekt, dass du weniger Kaffee brauchst, um früh wach zu werden.

Biologisch gesehen macht das Sinn: Das Leben auf dem Planeten und besonders das Leben von Säugetieren wird von der Sonne bestimmt. Die aufgehende Sonne signalisiert dem Körper, wach zu werden und auf Nahrungssuche zu gehen. Dieses Wissen sollten wir heute nutzen, indem wir uns vormittags bewusst der Sonne aussetzen.

Sonnenlicht erhöht den körpereigenen Sonnenschutz

Wer sich mit gesundem Menschenverstand der Sonne aussetzt, wird braun. Manche mehr, manche weniger. „Bräune“ bedeutet, dass die Haut Melanin bildet, ein körpereigenes Pigment und Antioxidans, das freie Radikale abfängt, die durch Sonnenlicht auf der Haut gebildet werden.

Die Sonne hat viele gesunde Auswirkungen auf den Körper, die einzige „Nebenwirkung“ von Sonnenlicht (freie Radikale) wird durch die durch Sonne gebildete Bräune neutralisiert4.

Wer sich mit gesundem Menschenverstand der Sonne aussetzt und braun wird, ohne sich ständig einen Sonnenbrand einzufangen, könnte somit auch sein Hautkrebsrisiko senken.

Sonnenlicht ist eine vollständige Lichtquelle

Den meisten Teil des Tages sind wir künstlichem Licht ausgesetzt: LED, Neon, elektronischem Licht, Glühbirnen7. Diese Lichtquellen sind nicht vollständig.

Warum ist das wichtig? Licht ist Information, wie du am Beispiel der Sonne am Morgen sehr gut sehen kannst. Die Sonne ist eine vollständige Lichtquelle, in denen praktisch alle Lichtfrequenzen vorkommen und deinem Körper genau die Information überbringen, die er benötigt. Wir brauchen mehr von dieser natürlichen Lichtquelle in unserem Alltag. Wie? Indem du dich bewusst mehr der Sonne aussetzt.

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Sonnenlicht gesund nutzen – Darauf ist zu achten

  • Die Sonne sollte natürlich nur in Maßen verwendet werden, ganz wie ein Vitamin, das du überdosieren kannst. Denn andernfalls riskierst du Sonnenbrand, und Sonnenbrand erhöht das Risiko für Hautkrebs.
  • Die goldene Mitte ist also, die Sonne reichlich zu nutzen und von ihr gesundheitlich zu profitieren, jedoch ohne Sonnenbrand.
  • Dafür ist es wichtig, dass du deinen Körper kennst, weißt, wann genug ist, und dann aus der Sonne gehst.
  • Wichtig ist, dass du 20-30 Minuten wartest, bis du dich mit Sonnencreme eincremst. Dann hat dein Körper genug Zeit, die Informationen und Frequenzen aufzunehmen und genug Vitamin D zu bilden.
  • Versuche stets, mit so viel Körperoberfläche wie möglich in der Sonne zu sein. Je größer die Oberfläche ist, auf die das Sonnenlicht eintrifft, desto besser.
  • Versuche das ganze Jahr über, vormittags für ein paar Minuten mit dem Gesicht in die Sonne zu gehen. Das ist wichtig für deinen Tag-Nacht-Rhythmus (Chronobiologie) und macht darüber hinaus glücklich 😊

 

Zusammenfassung – Sonnenlicht als essenzieller Nährstoff?

Die Sonne hat viele wertvolle Gesundheitseffekte für den Körper. Da liegt nahe, die Sonne als essenziell zu betrachten. Das ist natürlich etwas übertrieben, jedoch ist die Sonne unumstritten sehr wichtig für die Gesundheit und den Körper.

Das hat nichts mit Esoterik zu tun, sondern wird von der Wissenschaft Jahr für Jahr wieder bestätigt. Die Effekte von Sonnenlicht für die Gesundheit gehen weit über Vitamin D hinaus, doch nur wenige Menschen sind wirklich häufig, uneingecremt, mit gesundem Menschenverstand und mit mehr als nur mit Gesicht und Händen in der Sonne.

Nutze diesen Beitrag, um zu überdenken, wie du mit der Sonne umgehst. Sonnenlicht ist wichtig, die Sonne ist dein Freund, und in Maßen wichtig für deine Gesundheit.

 

Dieser Beitrag ist ein Gastartikel von Martin Auerswald von SchnellEinfachGesund. Martin ist studierter Biochemiker und aktuell Doktorand. Wir danken Martin an dieser Stelle ganz herzlich.


Quellenverzeichnis

  1. Duffy, Jeanne F.; Czeisler, Charles A. (2009): Effect of Light on Human Circadian Physiology. In: Sleep medicine clinics 4 (2), S. 165–177. DOI: 10.1016/j.jsmc.2009.01.004.
  2. Scheer, F. A.; Buijs, R. M. (1999): Light affects morning salivary cortisol in humans. In: The Journal of clinical endocrinology and metabolism 84 (9), S. 3395–3398. DOI: 10.1210/jcem.84.9.6102.
  3. Hoel, David G.; Berwick, Marianne; Gruijl, Frank R. de; Holick, Michael F. (2016): The risks and benefits of sun exposure 2016. In: Dermato-endocrinology 8 (1), e1248325. DOI: 10.1080/19381980.2016.1248325.
  4. Nakashima, Yuya; Ohta, Shigeo; Wolf, Alexander M. (2017): Blue light-induced oxidative stress in live skin. In: Free radical biology & medicine 108, S. 300–310. DOI: 10.1016/j.freeradbiomed.2017.03.010.
  5. Mead, M. Nathaniel (2008): Benefits of Sunlight: A Bright Spot for Human Health. In: Environmental Health Perspectives 116 (4), A160-7.
  6. Kunz et al. (2018): No improvement in vitamin D status in German infants and adolescents between 2009 and 2014 despite public recommendations to increase vitamin D intake in 2012. Eur J Nutr. 2018 May 18. doi: 10.1007/s00394-018-1717-y.
  7. Gorman, Shelley; Black, Lucinda J.; Feelisch, Martin; Hart, Prue H.; Weller, Richard (2015): Can skin exposure to sunlight prevent liver inflammation? In: Nutrients 7 (5), S. 3219–3239. DOI: 10.3390/nu7053219.
  8. Kidd (2010): Vitamins D and K as pleiotropic nutrients: clinical importance to the skeletal and cardiovascular systems and preliminary evidence for synergy. Altern Med Rev. 2010 Sep;15(3):199-222. Molecular and cellular endocrinology 220.1 (2004): 9-20.
  9. Osmancevic et al. (2015): Vitamin D production after UVB exposure – A comparison of exposed skin regions☆ Journal of Photochemistry and Photobiology B: Biology, Volume 143, February 2015, Pages 38-43, Journal of Photochemistry and Photobiology B: Biology,

 

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Martin Auerswald ist studierter Biochemiker und aktuell Doktorand. Martin schreibt auf seinem Blog SchnellEinfachGesund.de über Themen wie Abnehmen, Performance und generelle Steigerung der Gesundheit und Lebensqualität.
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