Was ist eine Stuhltransplantation?

Bei der Stuhltransplantation wird der Darminhalt eines gesunden Spenders in den Darm eines kranken Empfängers eingebracht. Dabei geht es natürlich weniger um den Stuhl, als um die kostbare Bakterienfracht. Ziel ist, dass die gespendeten Bakterien, den Darm des Patienten besiedeln.

Wann wird eine Stuhltransplantation durchgeführt?

Zurzeit wird die Stuhltransplantation nur bei einer einzigen Indikation durchgeführt, dies wäre eine wiederkehrende Infektion mit Clostridium difficile.

Durch einer Antibiotikatherapie wir die Darmflora um bis zu 80% dezimiert. In diesem Umfeld kann es vorkommen, dass ungünstige Bakterien die Oberhand gewinnen. Bei der  antibiotikaassoziierte Kolitis kann sich C. difficile ungehemmt vermehren. Die Bakterien produzieren Gifte (Toxine) die zu einer Entzündung der Darmschleimhaut und zu schweren, blutigen Durchfällen führen.

Die übliche Therapie ist wiederum die Gabe von speziellen Antibiotika, die gezielt das Clostridium Bakterium bekämpfen. Bei etwa einem Fünftel der Patienten kommt es zu einem Rückfall. Entweder durch Neubesiedelung oder durch inkomplette Eliminierung des Bakteriums. In diesen Fällen hat sich die Stuhltransplantation, oder fäkale Bakteriotherapie, als äußerst erfolgreiche Intervention gezeigt. Eine Meta-Studie zeigt, dass 92% der Patienten damit geheilt werden konnten[1].

Stuhltransplantation bei anderen Indikationen

Die fäkale Bakteriotherapie wird nun auch für andere Darmerkrankungen als Behandlungsmöglichkeit in Betracht gezogen. Es gibt mittlerweile einige Ärzte, die die Stuhltransplantation auch bei Reizdarmpatienten einsetzten – mit gemischten Ergebnissen[2]. Viele Patienten berichten nach anfänglicher Verbesserung von einer Rückkehr der Symptome. Was mich zu dem Schluss bringt, dass es vermutlich nicht reicht, einfach die Bakterien auszutauschen, wenn nicht gleichzeitig die zu Grunde liegenden Ursachen behandelt und geändert werden. Wie so oft wird nach der „magischen Pille“ gesucht um die Symptome zu bekämpfen, aber nicht die Auslöser.

Wer glaubt, hier ein Allheilmittel gefunden zu haben, wird wohl eher enttäuscht werden. Doch wer gleichzeitig bereit ist auch die Ernährung und den Lebensstil zu ändern, für den kann diese Therapie sicherlich eine Option sein, die man andenken kann.

Resistente Stärke – Was ist das und was kann sie?

Do-it yourself – Stuhltransplantation selbst gemacht?

Der kanadische Gastroenterologe Michael Silverman veröffentlichte 2010, in der Fachzeitschrift Clinical Gastroenterology and Hepatology, eine Fallstudie zu 7 Patienten[3]. Diese 7 Patienten hatten alle einer wiederkehrenden Infektion mit C. difficile. Die Patienten führten  zu Hause einen Einlauf mit Stuhl eines Spenders (Familienmitglied) durch.

Alle 7 Patienten  konnten erfolgreich ihre C. difficile Infektion behandeln und es war keine weitere Intervention notwendig.

Silverman schreibt in der Conclusio, dass er darin eine wirkliche Therapieoption sieht. Die Methode ist wesentlich weniger invasiv, als eine Transplantation mittels Sonde. Sie ist kostengünstiger und sogar vom Patienten selbst durchführbar. Er schreibt weiter, dass es offenbar ausreicht den Enddarm mit guten Bakterien zu rekolonisieren und, dass von dort die Besiedlung des restlichen Darms erreicht werden kann.


Referenzen

[1] Gough, Shaikh & Manges: Systematic Review of Intestinal Microbiota Transplantation (Fecal Bacteriotherapy) for Recurrent Clostridium difficile Infection. In: Clinical Infectious Diseases. (2011); vol. 53, S. 994–1002.

[2] Kelly, Ciarán P. „Fecal microbiota transplantation–an old therapy comes of age.“ N Engl J Med 368.5 (2013): 474-5.

[3] Silverman, Michael S., Ian Davis, and Dylan R. Pillai. „Success of self-administered home fecal transplantation for chronic Clostridium difficile infection.“ Clinical Gastroenterology and Hepatology 8.5 (2010): 471-473.


Dieser Artikel wurde zuerst veröffentlicht auf foodlinx
Photo by OpenClipart-Vectors on Pixabay

Dick durch falsche Darmbakterien? Dysbiose in der Bakterienflora

 

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Mag. Julia Tulipan
Julia Tulipan ist Biologin (Mag.) und Personal Fitness and Health Trainer (Dipl.) und schreibt für verschiedene Online-Magazine und für ihr eigenes Blog paleolowcarb.de vor allem zu den Themen gesunde und artgerechte Ernährung und Bewegung. Julia hat selbst lange mit ihrer Gesundheit gekämpft. So wurde ihr Interesse an gesunder Ernährung geweckt. Seither hat sie sich mit Low Carb und der Paleo-Ernährung Stück für Stück mehr Lebensqualität zurück erkämpft. Heute verhilft sie auch als Food-Coach und Personal Trainerin anderen zur Topform. Von Julia kannst Du Dich hier individuell beraten lassen.
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