Wenn es um Langlebigkeit und Gesundheit geht, dann ist es ganz besonders wichtig den Blutzucker und das Insulin niedrig zu halten und vor allem Spitzen zu vermeiden. Ein erhöhter Blutzucker und erhöhtes Insulin haben starke Vorhersagekraft was das Risiko für praktisch alle chronischen Krankheit erhöht[i]. Dieser Punkt ist noch den meisten klar, doch bei der nächsten Frage wird es schon etwas schwieriger. Was ist denn ein normaler Blutzucker und ein normales Insulin, und wie kann ich das überhaupt messen?

 

Blutzucker

Die meisten Menschen, die von sich annehmen, dass sie gesund sind, gehen vermutlich maximal einmal pro Jahr zur Vorsorgeuntersuchung. Da wird dann üblicherweise Blut abgenommen und der nüchtern Blutzucker bestimmt. Als normal gilt ein Blutzucker unter 100 mg/dl (= 5,5 mmol/l). Liegt unser Blutzucker unter der magischen Marke sind wir glücklich und der Arzt auch. Doch gibt es leider einige Probleme sich alleinig auf den Blutzucker zu verlassen.

  1. Der Blutzucker ist relativ leicht beeinflussbar, zum Beispiel durch Training, eine Infektion, Schlaf und Stress, um nur einige der Faktoren zu nennen. Es ist also nur eine Momentaufnahme.
  2. Zur Diskussion steht, in wie weit ein Blutzucker von 100mg/dl tatsächlich noch als normal anzusehen ist. Leider wird in der Medizin meistens nur auf „normal“ Werte geachtet, nicht auf „optimal“ Werte.

Wer also nur einmal pro Jahr ihren Blutzuckerwert bestimmen lässt, sieht nur eine Momentaufnahme und verpasst möglicherweise die Chance auf eine frühzeitige Intervention.

 

Langzeitblutzucker

Eine zweite Möglichkeit sich einen Überblick über die metabolische Gesundheit zu machen ist die Bestimmung des Hba1c. Der Hba1c gibt an, wie hoch der Blutzucker im Durchschnitt über die letzten 3 Monate war.

Glucose, also Zucker, das sich im Blut befindet hat die Eigenschaft, dass sie sich an andere Moleküle binden kann. Dieser Vorgang wird als Verzuckerung oder Glykierung bezeichnet und ist irreversibel. Je mehr Zucker sich im Blut befindet, und je länger sich der Zucker dort befindet, um so mehr Hämoglobin kann verzuckert werden. Der Hba1c wird routinemäßig nur bei Diabetikern bestimmt, da er ein Indikator für die Blutzuckerkontrolle ist. Erhöhte Hba1c Werte stehen in starkem Zusammenhang mit zahlreichen chronischen Erkrankungen.

Hba1c – was ist normal?

  • Normal = unter 6.0%
  • Prädiabetes = zwischen 6.0 und 6.4%
  • Typ 2 Diabetes = über 6.4%

Wir haben beim Hba1c das selbe Problem, wie beim Blutzucker. Normal ist nicht gleichzusetzten mit OPRIMAL. Wie man aus der folgenden Graphik entnehmen kann, steigt das Risiko für Herzerkrankungen und für Gesamtsterblichkeit bereits ab 5,5% rasant an. Ein optimaleres Level für den Hba1c wäre wohl eher unter 5,5%[ii].

 

Abbildung 1 Selvin, Elizabeth, et al. „Fructosamine and Glycated albumin with Risk of Coronary Heart Disease and Death.“ (2014): A11-A11.

 OBEN: Herzerkrankungen

 

UNTEN: Sterblichkeit

 

Insulin

Erhöhtes Insulin und Insulinresistenz sind ein unabhängiger Risikomarker für chronische Erkrankungen[iii]. Leider wird Insulin nicht routinemäßig kontrolliert. Außerdem sind die Grenzwerte für Insulin zu hinterfragen. Als normal gelten nüchtern Insulinwerte bis 25 mIU/L. Der Durchschnittliche Insulinwert in der amerikanischen Bevölkerung lieg bei 8,8 mlU/L für Männer und 8,4 mIU/L für Frauen. Bedenkt man wie viele Menschen in diesem Land metabolisch Gestört sind, liegt die Vermutung nahe, dass ein idealer Insulinwert wohl eher unter 8,4 mIU/L liegt[iv]. Schaut man sich Reverenzwerte von Jäger-Sammlergesellschaften an, so finden wir einen Insulinwert von 3 – 6 mIU/L [v] [vi].

Insulin verhindert die Lipolyse, also die Freisetzung von Fett aus dem Fettgewebe um es als Energielieferant zu nutzen. Konstant erhöhtes Insulin könnte daher ein Faktor sein, der die Abnahme verhindert, trotz low-carb Ernährung.

Nur wenn die Insulinlevel niedrig sind, können wir unser Körperfett mobilisieren und das Fett in der Nahrung zur Energiebereitstellung nutzen.

 

Bestimmen der Insulinresistenz

Eine einfache und schnelle Methode ist HOMA-IR. HOMA-IR steht für “Homeostatic model assessment of Insulin Resistance” und ist eine Methode um das Level an Insulinresistenz zu bestimmen[vii].  Um den HOMA-IR zu berechnen, benötigt man nüchtern-Insulin und nüchtern-Blutzucker. Auf dieser Seite der Oxford Universität findet sich ein einfaches Berechnungs-Tool.

Prädiabetes Test, OGTT und LCHF – meine überraschenden Ergebnisse


[i] Arcidiacono, Biagio, et al. „Insulin resistance and cancer risk: an overview of the pathogenetic mechanisms.“ Experimental diabetes research 2012 (2012).

[ii] Selvin, Elizabeth, et al. „Fructosamine and Glycated albumin with Risk of Coronary Heart Disease and Death.“ (2014): A11-A11.

[iii] Chen, Li, et al. „Mechanisms linking inflammation to insulin resistance.“ International journal of endocrinology 2015 (2015).

[iv] Harris, Maureen I., et al. „Higher fasting insulin but lower fasting C‐peptide levels in African Americans in the US population.“ Diabetes/metabolism research and reviews 18.2 (2002): 149-155.

[v] Lindeberg, Staffan, et al. „Low serum insulin in traditional Pacific Islanders—the Kitava Study.“ Metabolism 48.10 (1999): 1216-1219.

[vi] Lindgärde, Folke, et al. „Traditional versus agricultural lifestyle among Shuar women of the Ecuadorian Amazon: effects on leptin levels.“ Metabolism 53.10 (2004): 1355-1358.

[vii] Salgado, Ana Lúcia Farias de Azevedo, et al. „Insulin resistance index (HOMA-IR) in the differentiation of patients with non-alcoholic fatty liver disease and healthy individuals.“ Arquivos de gastroenterologia 47.2 (2010): 165-169.

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Mag. Julia Tulipan
Julia Tulipan ist Biologin (Mag.) und Personal Fitness and Health Trainer (Dipl.) und schreibt für verschiedene Online-Magazine und für ihr eigenes Blog paleolowcarb.de vor allem zu den Themen gesunde und artgerechte Ernährung und Bewegung. Julia hat selbst lange mit ihrer Gesundheit gekämpft. So wurde ihr Interesse an gesunder Ernährung geweckt. Seither hat sie sich mit Low Carb und der Paleo-Ernährung Stück für Stück mehr Lebensqualität zurück erkämpft. Heute verhilft sie auch als Food-Coach und Personal Trainerin anderen zur Topform. Von Julia kannst Du Dich hier individuell beraten lassen.