In der ärztlichen Ethik ist die Gesundheit des Patienten oberstes Handlungsgebot. Kranke sollen vor gesundheitlichem Schaden bewahrt und zu ihrem Nutzen therapiert werden. Doch auch Ärzte sind bloß Menschen, für die es wahrscheinlich eine Frage der Berufsehre ist, sich Fehler nach dem Erkennen selbst einzugestehen und danach offensiv zu revidieren. Erschwerend hinzukommen sicherlich auch Schamgefühle über den eigenen Irrtum und natürlich der immense finanzielle Druck im heutigen Gesundheitssystem und der daraus resultierende Einfluss von Pharma- und Nahrungsmittelindustrie. Doch wer hofft, Ärzte zu gewissen Zugeständnissen oder gar Umdenken bewegen zu können anhand nachweislich messbarer Erfolge, die man ohne ihr Zutun oder gar entgegen ihrer Therapievorschläge erreicht hat, der hofft meist vergeblich. Man hat meistens das Gefühl gegen Mauern zu laufen, selbst wenn man sie direkt als lebender Beweis damit konfrontiert, dass es ganz einfach mit einer Ernährungsumstellung entgegen den offiziellen Empfehlungen funktioniert. Ich befürchte, dass ich mit meinen nachfolgend geschilderten Erlebnissen und Erfahrungen nicht alleine bin und beneide all diejenigen, die von ihren behandelnden Ärzten vorurteilsfrei oder gar LCHF-unterstützend betreut werden – was für ein Luxus!

 

Das ungeschriebene Gesetz – Oder: Die hartnäckige Verteidigung der Logik von Kalorienaufnahme vs. Kalorienverbrennung

Obwohl ich selbst meine große Gewichtsreduktion natürlich in erster Linie unter LCHF aber auch einem Kaloriendefizit von ca. 20 % bewerkstelligt hatte, war mir dennoch spätestens nach Lektüre des Buches „The Obesity Code…“ von Jason Fung endgültig klar, dass dies allein mit Kalorienzählen und mehr Sport niemals so gut und nachhaltig geklappt hätte und es im Wesentlichen um die hormonelle Antwort auf bestimmte Lebensmittel geht als die Herstellung eines Kaloriendefizits.

Buchrezension „THE OBESITY CODE…UNLOCKING THE SECRETS OF WEIGHT LOSS”

Ich war selbst noch total überwältigt von meinen Erkenntnissen und regelrecht euphorisch was deren Umsetzung in die Praxis anbelangte, als ich wieder einmal einen Termin beim Hausarzt hatte. Der kannte natürlich bereits meine Methode, die damit erzielten Erfolge und die insgesamt positiven Veränderungen meiner Gesundheitswerte und hatte sich seit dem auch noch nie negativ oder kritisch dazu geäußert. Ich hatte eigentlich wirklich das Gefühl von stillem Einvernehmen, Akzeptanz und einer durchaus offenen Haltung gegenüber der ketogenen Ernährung. Dadurch ermutigt, wollte ich bei diesem Termin ganz bewusst ein wenig dazu animieren, meine neuesten Erkenntnisse mit mir zu teilen. Ich berichtete von meiner überaus aufschlussreichen Buchlektüre und verkündete natürlich auch die Kernbotschaft: Übergewicht hat nichts mit einer kalorischen, sondern viel mehr einer hormonellen Dysbalance zu tun. Ich ahnte nicht, dass ich wohl ausgerechnet damit den wunden Punkt getroffen hatte. Ziemlich aggressiv und in äußerst gereiztem Tonfall bekam ich zu hören, dass das doch gar nicht sein könne und Gewichtszunahme ausschließlich davon käme, dass man mehr Kalorien aufnimmt als man verbrennt. Alles andere entbehre jeglicher mathematischen Logik! Um Deeskalation bemüht und in ruhigem Tonfall versuchte ich zu erklären, dass doch nachgewiesenermaßen eine Kalorie aus Olivenöl anders verstoffwechselt werde als eine Kalorie aus Zucker und dass es genau darum gehe. Diese Aussage untermauernd und darum bemüht, dass ich damit keinesfalls die ärztliche Autorität anzweifeln will, gab ich den Hinweis auf das Buch und dass ich es bei Interesse gern leihweise zur Verfügung stellen würde. Jetzt war das Maß offensichtlich voll! In seiner Berufsehre sichtlich verletzt attackierte er mich mit einem Redeschwall, der eigentlich deutlich zum Ausdruck brachte, in welcher Zwickmühle – wie am Anfang bereits angedeutet – die Ärzte eigentlich stecken. Sinngemäß waren seine nahezu verteidigend anmutenden Worte im Wesentlichen die, dass er im Rahmen seiner vorgeschriebenen Weiterbildungspflicht schon so viel lesen müsse und nicht auch noch Zeit für solche „Sachen“ hätte und sich außerdem auch nicht damit befassen wolle, weil es zweifelsfrei so sei, das Gewichtszunahme mit überhöhter Kalorienzufuhr zusammenhängt. Immerhin räumte er noch eine gewisse genetische Disposition für die Neigung zu Übergewicht ein. Basta – das saß! In diesem Moment fühlte ich mich angesichts meiner eigenen leidvollen Diätkarriere sehr brüskiert und vor allem überhaupt nicht ernst genommen. Bin ich doch genau unter dem Kalorienmodell im Laufe der Jahre immer dicker und kränker geworden und konnte diese verhängnisvolle Aufwärtsspirale erst durchbrechen und erfolgreich abnehmen durch Anwendung des kompletten Gegenteils gängiger Lehrmeinung! An diesem Tag habe ich dann noch den ganzen Abend zu Hause gegrübelt. Was mögen dann wohl die Lehrinhalte der für Ärzte vorgeschriebenen Weiterbildungen sein, wenn nicht neueste fortschrittliche wissenschaftliche Erkenntnisse? Und vor allem: Wer finanziert solche Maßnahmen? Die Gedanken sind frei…

 

Lebenselixier Zucker/Horrorszenario Ketose – extrem, gefährlich und auf Dauer nicht anwendbar!

Wenn man die kausalen Zusammenhänge zwischen einer kohlenhydratreichen Ernährung und der Entstehung von Herz-Kreislauferkrankungen kennt, gelten Kardiologen mal ganz flapsig und im wahrsten Sinne des Wortes ausgedrückt als die am Ende dieser Nahrungskette stehenden Fachärzte, wie sicherlich auch Onkologen. Für sie wäre wahrscheinlich ein aus wirtschaftlicher Sicht dramatischer Patientenrückgang die Folge, wenn sich die Bevölkerung plötzlich nur noch ketogen ernähren würde. Wie könnten sie wohl dann noch all ihre Blutdrucksenker, Blutverdünner, Statine, Stants, Bypässe, Herzschrittmacher, Defibrilatoren u.v.a.m. an den Mann oder die Frau bringen? Als ich nach meiner großen Gewichtsabnahme als ehemalige Hypertonie-Patientin wieder einmal zur Kontrolluntersuchung beim Kardiologen war, wurde diesmal auch ein Herzultraschall gemacht. Ich war schon ganz auf den Vorher-/Nachher-Vergleich in puncto Herzfunktion gespannt. Bereits im Vorgespräch berichtete ich von meinen großen Erfolgen und der inzwischen eingetretenen Medikamentenfreiheit. Er wollte natürlich wissen, wie und in welcher Zeit ich das denn geschafft hätte. Glücklich und stolz berichtete ich kurz, wie ich auf schicksalhafte Art und Weise zu LCHF und zur ketogenen Ernährung gekommen bin und sich damit das Blatt gewendet hat. Ich merkte sofort, dass die Begriffe Ketose/ketogen für ihn keine Fremdwörter waren und er sich offenbar gut damit auskannte. Denn sogleich holte er zum für ihn vermeintlich vernichtenden Gegenschlag aus. Er redete in bedrohlichem und warnenden Tonfall auf mich ein, dass das schon eine „Extremdiät“ sei, die man auf Dauer nicht durchführen sollte und auch gar nicht durchhalten könne, weil der Körper, insbesondere das Gehirn doch Zucker bräuchte und so viel Fett für Cholesterin/Blutfette und damit Herzgesundheit auch nicht gut wäre. Durch diese Äußerung nahezu angespornt ließ ich mich kampfeslustig, aber zugleich auch irgendwie rechtfertigend, auf eine „Fachdiskussion“ mit ihm ein. Im Telegrammstil umrissen hielt ich meinen Vortrag über Themen und Begriffe wie Glukoneogenese, Fähigkeit von Ketonen zur Überwindung der Blut-Hirn-Schranke, Zucker-Extreme in der heutigen Ernährung und Zusammenhang mit dem Anstieg von Herz-Kreislauferkrankungen, Gefahren der Kombination aus Fett + Zucker, Zuckersucht, Vorteile naturbelassener Lebensmittel, keine Diät – sondern meine Lebensweise, bei mir deutlich verbesserte Cholesterinwerte/Cholesterinzusammensetzung und kaum noch messbare Triglyceride. Gut nur, dass ich zu dem Zeitpunkt das Buch „The Obesity Code…“ noch nicht kannte. Sonst wäre es zeitlich wahrscheinlich völlig aus dem Ruder gelaufen. Sichtlich überrascht ließ er meine Rede unkommentiert im Raum stehen; sein skeptischer Blick verriet aber, dass es in ihm brodelte. Leicht zerknirscht orderte er mich in den Raum zum Herzecho. Jetzt würde der Moment der Wahrheit kommen! Noch zu gut hatte ich meine Werte, insbesondere die Zahl der Auswurffraktion (EF), aus dem Jahr 2014 zu adipösen Zeiten im Hinterkopf. Zum Glück hatte bis dahin mein Herz noch keinen Schaden im Sinne eines Hochdruckherzens davongetragen. Ich hatte es also noch selbst in der Hand und habe die Chance ja auch genutzt. Der Schallkopf glitt über alle Messpunkte und ich versuchte, an der Mimik des immer noch wortlosen Arztes in etwa den Trend des Ergebnisses abzulesen. Sein Resümee am Ende der Untersuchung war überaus positiv: Mein Herz sei absolut gesund; es seien sehr gute Werte und insgesamt ein sehr gutes Ergebnis. Bingo! – dachte ich. Auch sein Gesicht war jetzt wieder wesentlich aufgehellter und ich merkte, dass er so etwas auch nicht alle Tage zu sehen und zu hören bekommt. Die angeblich dauerhaft nicht durchführbare Extremdiät erwähnte er mit keiner Silbe mehr. Mission ansatzweise geglückt – vielleicht konnte ich ihn ja wenigstens zum Nachdenken anregen. Die größte Freude hatte ich dann allerdings bei der Lektüre des schriftlichen Befundes: Meine Auswurffraktion hatte sich um 15 % auf insgesamt 70 % erhöht! Solche Werte erzielt man, wie ich gelesen habe, eigentlich nur in frühester Jugend, aber nicht mehr als Mittvierzigerin. Zumindest in meinem Herzen hatte offensichtlich eine Verjüngungskur stattgefunden. Es hat sich effektiv und zu meinem Wohle an die neuen Lebensgewohnheiten angepasst und freut sich, dass es nicht mehr so viel zu tun hat.

 

Sich mit fremden Federn schmücken – wie in Eigeninitiative erzielte Patientenerfolge am Ende doch noch ärztliche Therapieerfolge werden!

Auch mein Gynäkologe hatte schon immer ein kritisches Auge auf mein Gewicht geworfen. Jedes Mal, wenn ich dort war – was im Normalfall 1x pro Jahr ist – musste ich mir die alte gleiche und vor allem für mich völlig nutzlose Leier auch von ihm anhören: ‚An Ihrem Gewicht müssen „wir“ unbedingt etwas verändern.’ Ja klar, dachte ich – das ändert sich doch ständig, nur in die falsche Richtung. ‚Sie müssen sich mehr bewegen und weniger essen, vor allem Süßigkeiten’ (Na immerhin betonte er die Süßigkeiten). ’Ich fahre z. B. jeden Tag meine 20 km zur Arbeit mit dem Fahrrad, das könnten Sie doch auch machen.’ Ja wie denn, bei einem Fußweg von nur 10 min zur Arbeit? ‚Das nächste Mal wenn Sie kommen, will ich hier ein geringeres Gewicht eintragen, ich führe Buch darüber.’ Das war sicher ganz lieb gemeint und sollte bestimmt nur meinen Ehrgeiz wecken – Pustekuchen! Das Ganze abrundend folgten dann meistens noch 2 bis 3 Warnhinweise zu den Gesundheitsrisiken der Adipositas, insbesondere zur Gefährlichkeit des Bauchfettes auf den Hormonhaushalt. Auf diese Weise frisch gestärkt konnte/sollte/wollte ich dann erneut mein Abnehmprojekt in Angriff nehmen. Die Ergebnisse sind bekannt. Verständlicherweise war ich besonders auf seine Reaktion gespannt, als ich dann quasi als extremes Gegenteil im Vergleich zum letzten Kontrolltermin vor über einem Jahr bei ihm erschien. Als er mich aufrief, schweifte sein Blick suchend über den Wartebereich. Ich stand auf und ging auf ihn zu. Noch während ich in der Tür stand, trat er bedächtig einen Schritt zurück, schob seine Brille ein Stück runter und schielte mit fragenden Blicken über den Brillenrand. Ich sagte nichts und schmunzelte nur. Dann kam von ihm anstatt der üblichen Begrüßung nur der Satz „Na Sie sieht man ja kaum noch!“ Ich bot ihm an, noch einmal rein zu kommen. Im anschließenden Gespräch, in dem er mir seine Freude über meinen Erfolg unverhohlen mitteilte, wollte er natürlich die Details wissen, wie ich das denn so „plötzlich“ geschafft hätte. Ich berichtete von meiner Begegnung mit dem richtigen Arzt, von LCHF, dem Weglassen von Kohlenhydraten und Ketose. Besonders deutlich machte ich meinem Unmut darüber Luft, dass ich mir bei früherer Kenntnis dieses Wissens meine ganze übergewichtige Karriere wahrscheinlich hätte ersparen können. Daraufhin meinte er nur ganz trocken und mit einem Ausdruck von Selbstüberzeugung „Ich habe es Ihnen ja schon immer gesagt, dass Kohlenhydrate nicht gut sind und Sie diese lieber weglassen sollten.“ Ähhhm, wie bitte??? – dachte ich. Wieso weiß ich nichts davon? Bin ich vielleicht schwerhörig? Hatte ich ein blackout in dem Moment wo er es mir gesagt haben soll? Diese und ähnliche Fragen schwirrten mir spontan durch den Kopf. Doch dann erinnerte ich mich an den Nebensatz mit den Süßigkeiten – das wird es wohl gewesen sein! Ich beschloss, keinen großen Aufstand zu machen. Er hatte sich so mit mir gefreut, also gönnte ich ihm großzügig seinen vermeintlichen Erfolg. Denn zum Glück weiß ich ja am besten, wer mir die endlich richtigen, mein Leben verändernden Ratschläge gegeben hat und wem ich dafür ewig dankbar sein werde. In der Hoffnung, dass ich Dank Ketose nicht an Demenz erkranke, werde ich das auch niemals vergessen. Ich grüße an dieser Stelle ganz herzlich meinen Lebens- und Gesundheitsretter!

Ist Abnehmen das Allheilmittel? – Was bleibt, wenn der Schutzpanzer nicht mehr da ist?

 

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Kathrin Koloc

Kathrin Koloc

Kathrin Koloc, Dresdnerin, von Beruf Managementassistentin und Fremdsprachentalent, ist 2014 über einen äußerst glücklichen Zufall zu LCHF und der ketogenen Ernährung gekommen und hat spontan ihren Lebensstil darauf umgestellt und angefangen, von da ab auch ihre Gesundheit selbst zu managen. Damit konnte sie sich innerhalb eines reichlichen Jahres von ihrer schweren Fettleibigkeit befreien und ein neues schlankes Leben beginnen. Sie hat seit dem ihren heutigen Lebensstil zur Passion gemacht und sich tiefgründig in die Materie mit all ihren Facetten eingelesen und weitergebildet. Wissbegierig, stets auf neue Erkenntnisse bedacht und anhand ihrer eigenen Erfahrungen und Selbstversuche geht sie beharrlich ihren Weg und versucht zielstrebig auch noch die letzten Hürden und Altlasten zu bewältigen, hin zu bestmöglicher Gesundheit und Vitalität. Ihr Wissen und das Erlebte möchte sie gern weitergeben, um damit anderen Betroffenen zu helfen und sie zum Erfolg zu führen.